23.11.2022 – Kategorie: Fertigung & Prototyping

Additive Materialextrusion: Neuer Leitfaden zur Qualitätssicherung

Quelle: Gorodenkoff/stock.adobe.com

Die Materialextrusion ist das meistgenutzte additive Fertigungsverfahren. Doch sie kann ihr volles Potenzial noch nicht ausschöpfen.

  • Die additive Materialextrusion kann ihr volles Potenzial in der Industrie noch nicht ausschöpfen.
  • Die Gründe liegen zum einen in der Qualitätssicherung. Denn deren Standards sind nicht etabliert oder nur teilweise adaptierbar.
  • Zum anderen ist nicht einheitlich geregelt, welche Qualitätsmerkmale den größten Einfluss auf die Bauteilqualität haben und welche Prüfverfahren zur Messung dieser geeignet sind.
  • Der Anwenderleitfaden »Qualitätssicherung in der additiven Materialextrusion« des Fraunhofer IPA und der Universität Bayreuth schafft Abhilfe.

Die Materialextrusion, kurz MEX, ist das meistgenutzte additive Fertigungs- oder 3D-Druckverfahren. Bei der MEX wird ein erwärmter Kunststoff durch eine Düse gefördert und schichtweise abgelegt. Die Energie, die durch die Erwärmung in den Kunststoff eingebracht wird, reicht aus, damit dieser nach dem Ablegen mit der darunterliegenden Schicht verschmilzt. Nach dem Abkühlen des Kunststoffs entsteht so eine dauerhafte Verbindung. Obwohl die Industrialisierung dieses Verfahrens in den Unternehmen vermehrt in den Fokus rückt, hemmt die fehlende standardisierte Qualitätssicherung in der additiven Prozesskette die industrielle Anwendung und Skalierung. Prozessspezifische Standards und Leitfäden sind somit nur bedingt aus anderen Fertigungsverfahren für die additive Fertigung adaptierbar und nicht etabliert. Dies führt zu nicht einheitlichen und nicht unternehmensübergreifend vergleichbaren Qualitätsstandards für Materialien, Prozesse und Bauteile der additiven Materialextrusion. Außerdem gibt es kein einheitliches Verständnis davon, welche Qualitätsmerkmale den größten Einfluss auf die Bauteilqualität haben und welche Prüfverfahren zur Messung dieser geeignet sind.

Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung

Daher haben das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und der Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik der Universität Bayreuth den Anwenderleitfaden »Qualitätssicherung in der additiven Materialextrusion« verfasst. In diesem finden sich wesentliche Handlungsempfehlungen zur qualitativen und quantitativen Bestimmung der Qualität eines additiv gefertigten Bauteils. Diese können bei der Planung, Fertigung und Kontrolle in der additiven Prozesskette von Bedeutung sein. Außerdem beschreiben die Verfasser des Leitfadens, welche Teilprozesse entlang der Prozesskette einen relevanten Einfluss auf die Bauteilqualität und Reproduzierbarkeit haben. Diese Teilprozesse bilden die Basis für ein universell anwendbares Vorgehensmodell zur Beurteilung der Bauteilqualität, das neben der Erfassung der Bauteilqualität auch den Qualitätssicherungsprozess umfasst. Um die Vergleichbarkeit von Bauteilen sicherzustellen, haben die Experten ein Güteklassensystem entwickelt, das die objektive Quantifizierung der Bauteilqualität ermöglicht.

Bild: Der Anwenderleitfaden wurde auf der Messe Formnext 2022 am Stand der
Universität Bayreuth /// Campus Additive.Innovationen (Halle 12.1 Stand C71) vorgestellt.

Normen und Richtlinien, die für die Materialextrusion geeignet sind

Hierfür werden bereits existierende Normen und Richtlinien der additiven Fertigung herangezogen, die für MEX geeignet sind. Kern des Vorgehensmodells ist die Evaluierung geeigneter Qualitätsmerkmale und deren Prüfverfahren anhand geeigneter Prüfkörper und Referenzbauteile sowie deren quantitativer und qualitativer Bewertung mittels einer Qualitätsmatrix. Dabei liegt der Fokus auf den Qualitätsmerkmalen Zugfestigkeit, Oberflächenbeschaffenheit und Form-/Maßhaltigkeit. Dieser prozessbezogene Ansatz ist insbesondere in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Luftfahrtindustrie, Medizintechnik oder im Fahrzeugbau Voraussetzung, um eine Zertifizierung und somit Fertigungsaufträge zu erhalten. Die Anwendung des Leitfadens wurde bei einem Fertigungsdienstleister, einem Materialhersteller und einer Forschungseinrichtung praktisch erprobt. Er bietet damit einen niedrigschwelligen Zugang zur Qualitätssicherung für die additive Materialextrusion.

Der Anwenderleitfaden ist hier kostenfrei bestellbar.

Weitere Informationen: https://www.ipa.fraunhofer.de/ und https://www.additive-innovationen.uni-bayreuth.de/de/index.html

Erfahren Sie hier mehr über die Lebenszyklusanalyse in der additiven Fertigung.

Lesen Sie außerdem: „Entfernt und doch vor Ort: Forschungsprojekt zur Fernassistenz im Maschinenbau“


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