Architektur: Die Zukunft des textilen Bauens

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Leitmesse Techtextil präsentiert innovativen Textilbeton, Membranen und Folien für Buildtech / Ausstellung ‚Textiled Spaces‘ speziell für Architekten, Designer, Planer und Innenarchitekten: Textilforschungsinstitute und -unternehmen haben faserbasierte Baustoffalternativen erforscht und marktreife Produkte entwickelt, die vermehrt klassische Materialien, wie etwa Stahl, ersetzen sollen.
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Filigranität, Leichtigkeit, Korrosionsbeständigkeit und Materialeffizienz: Ohne diese Eigenschaften lässt sich die Architektur von morgen nicht denken. Textilforschungsinstitute und -unternehmen haben entlang dieser Schlagworte in den vergangenen Jahrzehnten faserbasierte Baustoffalternativen erforscht und marktreife Produkte entwickelt, die vermehrt klassische Materialien, wie etwa Stahl, ersetzen sollen – bei gleichbleibenden (und besseren) Materialeigenschaften. Wie nah die Zukunft des textilen Bauens ist, wird auch die diesjährige Techtextil zeigen, auf der Forscher und Hersteller ihre aktuellen Bau- und Architekturentwicklungen präsentieren.

Als zweijährlich stattfindende internationale Leitmesse zeigt die Techtextil vom 4. bis zum 7. Mai alle Produktgruppen und Anwendungsbereiche technischer Textilien und Vliesstoffe. Für den Anwendungsbereich Buildtech präsentieren in diesem Jahr rund 500 Aussteller Neues zum Baustoff Textil. Das Angebot richtet sich dabei gezielt an Architekten, Bauherren, -ingenieure und -planer.

Ein innovatives Produkt aus dem Bereich Buildtech ist Textilbeton. Üblicherweise bilden Gitter aus Stahl das Rückgrat von Beton: Sie verleihen Stabilität und gleichen die fehlende Zugfähigkeit des Betons aus. Bei Textilbeton, dessen Erforschung und Entwicklung allein in Deutschland über 20 Jahre gedauert hat, fungieren indes in Kunststoff ausgehärtete 2D- und 3D-Textilgelege aus Glas- oder Carbonfasern als Bewehrung. Die Vorteile sind enorm: Stahl rostet und wird zu dessen Schutz mit Tonnen von Beton ummantelt, Textilbeton hingegen ist korrosionsbeständig, also weniger anfällig für Rost und Risse durch Salze, Wasser und andere Umwelteinflüsse – das macht ihn langlebiger, spart also Kosten für Instandhaltung und Sanierung.

Da für Textilbewehrungen, die weit stabiler sind als Stahl, weniger schützender Beton benötigt wird, lassen sich massiv Material, Ressourcen und CO2 (weniger Transportbedarf) einsparen; aufgrund der verbesserten Werkstoff- und Materialeigenschaften (geringe Dicke, hohe Festigkeit) sind zudem flexiblere und filigranere Gestaltungsweisen, etwa stark verwinkelte Schalenbauten, möglich.

Textile Baurevolution in kleinen Schritten

Doch wie sieht es mit der Zulassung von Textilbeton aus? Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) gab 2014 erstmals grünes Licht für den carbonfaserverstärkten Leichtbau. Unter der unscheinbar technischen Nummer „Z-31.10-182“ wurde dem Verfahren zur Verstärkung von Stahlbeton mit Tudalit-Textilbeton die bauaufsichtliche Zulassung erteilt. „Ein Meilenstein“, wie Roy Thyroff, Geschäftsführer des Tudalit-Textilbetonverbandes und der V. Fraas Solutions in Textile, betont. Bauherren, Architekten und Planer könnten den innovativen Baustoff im Innenbereich nun gezielt anwenden, ein spezielles Schulungsprogramm am Europäischen Institut für postgraduale Bildung sei installiert. Und weitere Zulassungen sind in der Pipeline: Aktuell etwa bewertet das DIBt laut Solidian-Abteilungsleiter Kulas Sandwichfassaden, komplette Fertigteilgaragen und sogar ganze Fußgängerbrücken – Zulassung voraussichtlich schon 2016.

Forschung als Fundament

Gigantische Stadiondächer aus sogenannten Textilmembranen, bunt leuchtende Fassaden aus Textilbeton sowie textile Dämm- und Dachmatten zur Wärmedämmung sind längst State of the Art. Sie alle eint aber, dass jahrelange Forschung ihr Fundament bildet. Denn die Bereiche Bau und Architektur sind nicht die ersten, die von Fasern erobert werden: „Wir haben bereits beim Flugzeug- und Automobilbau miterlebt, wie Leichtbauwerkstoffe in Form technischer Textilien klassische Materialien sinnvoll ergänzen und zum Teil ersetzen können“, so Dr. Klaus Jansen vom Forschungskuratorium Textil.

Für eine systematische Entwicklung hat die deutsche Textilforschung gar eigens Potenziale und Anforderungen auch des Bereichs Architektur ausgemacht – ein kleiner Auszug aus dem Zukunftsprojekt „Perspektiven 2025“: Verstärkte Verwendung von Naturfasern wie Flachs oder Hanf (zum Einsatz in naturidentischen Dämmstoffen und zum Gebäudeneubau), energiegewinnende und -autarke Häuser, selbstreinigende Gebäudeoberflächen, Leichtbaustrukturen nach bionischen Vorbildern und, laut Experten ein Zukunftsbereich mit gewaltigem Potenzial, die textilbasierte Sensorik. Durch sie sollen künftig faserbasierte Gebäude(teile) mit intelligenten Zusatzfunktionen wie Beleuchtung, Messung des Feuchtegehalts oder der Stabilität, Beheizbarkeit, Warnung bei Rauch- und Brandentwicklung oder Wassereintrag versehen werden.

Und so nutzt die textile Architektur schon heute technische Textilien und Verbundwerkstoffe nicht nur in Form eines Daches oder einer Traglufthalle, sondern auch als feuerfeste Vorhänge, Drainage zur Gründung, für Dachgärten oder als Geotextilien im Tiefbau. Weite Dachkonstruktionen mit textiler Fassadenbespannung aus Glasfasergitter- oder Polyestergeweben beeindrucken heute ebenso Architekten und Bauingenieure.

Ausstellung ‚Textiled Spaces‘

Eine Ausstellung speziell für die Zielgruppe der Planer, Architekten, Designer und Innenarchitekten ist die Fotoausstellung ‚Textiled Spaces‘ in der Halle 4.1 der Techtextil. Gezeigt werden ausgewählte Fotografien der in Paris lebenden Künstlerin und Fotografin Deidi von Schaewen. Für tausendfach verkaufte Fotobücher bereiste die international renommierte Fotografin die Welt. Dabei hatte sie immer auch ein ganz eigenes Auge für die Schönheit vergänglicher Bauten und urbaner Installationen. Diese fotografischen „Souvenirs“ haben sich nun über viele Jahre zu einem ganz eigenen Werk verdichtet. ‚Textiled Spaces’ präsentiert damit zahlreiche Werke, die die Vielfalt und Ästhetik von technischen Textilien in ungewöhnlichen urbanen und architektonischen Kontexten zeigen. Die Ausstellung regt den Betrachter dazu an, einen neuen Blick für die Schönheit dieser textilen Räume zu entwickeln. Die Kuration übernimmt Architonic, ein unabhängiges Nachschlagewerk für Architektur und Design.

 

 

Bild: Alternative zum Stahl: Textiles Abstandsgewirk zum Einsatz im Beton. Quelle – V. FRAAS Solutions in Textile GmbH

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