Architektur: Passivhaus-Neubau gekonnt in historischen Stadtkern integriert

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Relativ unbemerkt entstand in der historischen Altstadt des oberschwäbischen Ravensburg ein vielfältiges Museumsviertel. Die jüngste Preziose: Das Kunstmuseum. Ein Neubau, der auf den ersten Blick gar nicht so neu aussieht.

Wie baut man in einem historischen Ensemble? Kontrastierend und kompromisslos modern oder anbiedernd historistisch? Weder noch, würde vermutlich Arno Lederer auf diese Frage erwidern – und präsentiert eindrucksvolle Gebäude, die irgendwo zwischen beiden Polen liegen. So auch im oberschwäbischen Ravensburg, in dessen Altstadt ein beeindruckendes Museums-Ensemble herangewachsen ist, altehrwürdige Patrizierhäuser oder spätgotische Wohnbauten nutzend. Nun aber hat sich ein Neubau an deren Seite gestellt – das Kunstmuseum mit drei Geschossen bietet Raum für die Privatsammlung Selinka mit ihren rund 230 Werken.

Doch der Neubau will nicht wirklich ein Neubau sein, er fügt sich in die historische Nachbarschaft fast nahtlos ein – und zeigt auf den zweiten Blick doch, dass er aus der Jetztzeit stammt. Das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei hat einmal mehr vorhandenes übernommen und behutsam mit neuen Elementen, Strukturen und Sichtweisen verschmolzen. „Wir wollen ein Haus bauen, das sich der aktuellen Diskussion, ob ein Gebäude durch die Modernität einen Kontrast bildet oder so tut, als wäre es über ein Jahrhundert alt, entzieht“, so Arno Lederer und sein Team. „Weiterbauen“ nennt die Architekturkritikerin Amber Sayah diesen undogmatischen und uneitlen Grundgedanken, den Lederer Ragnarsdóttir Oei wie kaum ein anderes Büro umzusetzen weiß.

So eben auch in Ravensburg, wo der Neubau den Eindruck erweckt, schon lange zur Stadt zu gehören. Dafür verantwortlich sind die Proportionen, die Einpassung in das schmale Grundstück, aber vor allem die Materialität der Hülle. Die ist tatsächlich alt und besteht aus grob verfugten Ziegeln eines abgebrochenen Klosters. Die gleichen Ziegel bilden auch das Gewölbedach mit seiner wogenden Trauflinie. Denn die Gewölbe verjüngen sich jeweils zu einer Seite hin und wurden um jeweils 180 Grad gedreht aneinandergereiht. Gut erkennbar ist dieses raffinierte Prinzip im oberen Ausstellungssaal, dessen frei spannende Tonnendecke die äußere Form und Materialität direkt nach innen transportiert. So unaufgeregt die äußere Erscheinung, so klar zeigt sich auch das Raumkonzept mit seinen neutralen Ausstellungsbereichen im Ober- und Erdgeschoss, dem Foyer und dem angedockten Treppenhaus. Neutralität bestimmt auch die Farbigkeit des Interiors. Zum warmtonigen Natursteinboden stellten die Planer das reine Weiß der Wände, Decken und Einbauten. Auch das ist ein typisches Merkmal des Bauens von Lederer Ragnarsdóttir Oei – das Interior nimmt sich zurück und wird so noch prägnanter in der Wahrnehmung.

Alle Materialien für den Innenausbau sind mindestens emissionsarm, wenn möglich ganz emissionsfrei, dazu langlebig und ökologisch unbedenklich. So verwendete man für die Beschichtung der Innenflächen emissionsfreie Farben aus dem Caparol-Portfolio, primär qualitativ hochwertiges Indeko-plus für die strapazierfähige Beschichtung der Wände oder Capacryl PU-Satin für Lackflächen. Energetisch entspricht das Gebäude dem Passivhausstandard – wieder eine Novität. Mit der Gas-Absorptions-Wärmepumpe wird das Gebäude über die Klimaanlage und die aktivierten Decken im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. Die Quelllüftung wiederum ist so ausgelegt, dass die hohen konservatorischen Anforderungen an die Luftqualität eines Museums erfüllt sind. Wobei nicht gesagt ist, dass das Museum für immer ein solches sein muss – denn die Raumzuschnitte eignen sich auch für andere Nutzungen.

Kein Wunder, dass Museum, Bauherr und Architekten sich mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2013 schmücken können – und mit dem Deutschen Architekturpreis 2013 sowie dem DAM Preis 2013 des Deutschen Architekturmuseums.

Bild: Die thermisch optimierte Gebäudehülle besteht aus wiederverwendeten Ziegeln mit grober Verfugung. Das Museum entspricht dem Passivhausstandard und besteht aus ökologisch unbedenklichen, langlebigen und robusten Materialien. Foto: Roland Halbe

 

Bautafel

Objekt: Kunstmuseum Ravensburg

Standort: Burgstraße 9, Ravensburg

Bauherr: Stadt Ravensburg

Architektur: Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart Verarbeiter: Malerbetrieb Uwe Brandt, Baindt

Caparol-Produkte: Caparol Haftgrund, Indeko-plus, Capalac Multiprimer, Capacryl PU-Satin

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