Ausstellung: Haus-Rucker-Co — Architekturutopie Reloaded

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Ausstellung: Haus-Rucker-Co — Architekturutopie Reloaded

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haus_rucker_co

Die späten 1960er Jahre standen in Europa im Zeichen von Aufbruch und Lebens-Euphorie. Unter dem Einfluss erster Raumfahrtprogramme festigte sich ein unerschütterlicher Glaube an die Zukunft. Design und Architektur wurden heiter, bunt, sexy, leicht und fließend. Zugleich kamen Horror-Szenarien auf, nach denen die Überlebenschance auf der Erde über kurz oder lang nur noch mit Atemgeräten oder in abgeschlossenen Schutzreservaten möglich sein würden. Das Vertrauen in Technik und Kreativität waren jedoch so groß, dass selbst diese Bedrohungen lösbar erschienen. Vor diesem Hintergrund begann Haus-Rucker-Co 1967 in Wien an einem neuen Architekturbegriff für radikal veränderte Lebensformen zu arbeiten. Die zunächst drei und später vier Beteiligten hatten gerade die Wiener Hochschule hinter sich. Die Gruppe entwickelte utopische Objekte zur Erweiterung von Wahrnehmung und Kommunikation. Ihre interaktiven „Mind-Expander” und pneumatischen Luft-Architekturen sorgten Ende der 1960er Jahre international für großes Aufsehen. Heute wird die ver-rückte Welt („Rucker” = Weiter-rücken) von Haus Rucker Co vielfach von jüngeren Zeitgenossen wie Tomás Saraceno, Ólafur Elíasson, Hussein Chalayan, RAUMLABOR aufgenommen und zitiert. Ab dem 23. November 2014 werden diese Positionen mit Haus-Rucker-Co verknüpft. „Architekturutopie Reloaded” wirft im Haus am Waldsee einen ausführlichen Blick auf die innovative Kraft der Gruppe Haus-Rucker-Co zwischen 1967 und 1977. Dabei stammen die Leihgaben größtenteils aus den inzwischen in Berlin befindlichen Archiven der Architekten und Gründer der Gruppe Günter Zamp Kelp und Ortner & Ortner. Einzelne Raumarbeiten werden rekonstruiert. Andere begehbare pneumatische Räume sind im Original erhalten. Zeichnungen, Dokumentationen und originales Filmmaterial vermittelt die heute wieder aktuelle Atmosphäre umweltbewusster Gestaltung im Spacestil. Im begleitenden Katalog werden die Ursprünge der Labor- und Weltraumästhetik der 60er bis in die 20er Jahre zurückverfolgt, sowie über Archigram, bis zu raumlaborberlin und Saraceno in die Gegenwart geholt und nach der heutigen Relevanz von HRC gefragt.

HAUS-RUCKER-CO Haus-Rucker-Co wurde 1967 von den Architekten Laurids Ortner und Günter Zamp Kelp sowie dem Künstler Klaus Pinter gegründet. Die Gruppe wurde ab 1971 durch Manfred Ortner erweitert. Der Name Haus-Rucker-Co bezieht sich auf das gemeinsame Ziel Architektur „weiter zu rücken”, aber auch Umweltfragen „weiter zu denken” und

Kulturlandschaften „weiter zu verknüpfen”. Produktionen und Konzepte waren auf das zukünftige Verhältnis von Gesellschaft und Lebensraum orientiert. Ideen von neuen Bewusstseinsräumen zur Wahrnehmungserweiterung und -vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen wurden im Rahmen von Urbanität und Partizipation als öffentliche Aktionsfelder begriffen. In diesem Zusammenhang wurden von HRC „Mind-Expanding” Programme aufgelegt und pneumatische Architekturen aus transparenten und bedruckten PVC Folien als Interventionen im öffentlichen Raum verwirklicht. 1969 siedelte HRC von Wien nach Düsseldorf, später nach New York über. Anlass war eine Ausstellung in der Kölner Galerie Zwirner und die darauf folgende Teilnahme am ersten Kunstmarkt 1969 in Köln. Darauf folgte 1971 ein spektakuläres Projekt, bei dem das gesamte Museum Haus Lange in Krefeld unter einer transparenten Traglufthalle verschwand. „Cover” löste einen Publikumsansturm aus und wurde weit über die Grenzen Deutschlands international wahrgenommen. Kurz darauf eröffnete HRC ein Studio in New York. Zwischen den Wolkenkratzern lud die Gruppe zum „Giant Billard”. Sie formten ganze Stadtviertel als essbare Kuchenskulpturen nach und feierten partizipatorische Interventionen im öffentlichen Raum um abseits der Institution Museum neue Wahrnehmungsebenen zu öffnen. Die Ausstellung im Haus am Waldsee zeigt Projekte aus den drei wichtigsten Arbeitsfeldern von HRC bis 1977.

1. Mind-Expanding Program, Bewusstseinserweiternde Apparate

Das „Mind-Expanding” Program wollte ohne Einsatz von Drogen neue Wahrnehmungsfelder erschließen, die jeweils von zwei oder mehr Personen genutzt werden können. Mind Expander dienen für ein Raumerlebnis, das über das alltägliche Bewusstsein hinausführt und stimulierend auf den Kontakt zum anderen Geschlecht wirkt. Die erhaltenen Prototypen gleichen überdimensionierten Ganzkörperhelmen, in denen zwei Personen Platz finden. Sie wurden im Zusammenhang mit der Ausschreibung eines internationalen Wettbewerbs der Firma Holzäpfel unter dem Titel „Design 2000″ zuerst 1967 produziert. In der Ausstellung im Haus am Waldsee wird „Mind-Expander2″ (1968/69) im Original gezeigt. Mit „Ballon für Zwei” (1967) wird die erste gemeinsame Arbeit von HRC für den Außenraum als Rekonstruktion vorgestellt. Dieser transparente Kugelraum aus PVC-Folie dient als bewusstseinserweiternde Hülle zur kontrollierten Benutzung. Des Weiteren werden „Electric Skin” (1968), transparente, bedruckte Plastikkleider gezeigt sowie „Connexion Skin” (1967/68), eine Wohnkugel in Form eines pneumatischen Ballons. Ein 7-minütiger Dokumentarfilm über das Objekt „Gelbes Herz”, das 1968 in der Baugrube des neuen Polizeipräsidiums in Wien entstand, rundet, neben Modellen und Zeichnungen, das Bild der „Mind-Expander” Projekte in der Ausstellung ab.

2. Synthetische Reservate / Kunstnatur – Pneumatische Architektur

Anfang der 1970er Jahre verändern sich die thematischen Schwerpunkte von HRC. Zunehmend wird das Verhältnis zwischen Urbanität und Gesellschaft im Hinblick auf die durch Verschmutzung gefährdete Natur untersucht. Neue Perspektiven für die Zukunft der

Kulturlandschaft ergeben sich. Ausgangspunkt war die bereits erwähnte Ausstellung mit dem Titel „Cover” im Museum Haus Lange in Krefeld 1971 „Überleben in verschmutzter Umwelt”. Im Anschluss entstehen eine Reihe von synthetischen Schutzräumen und Reservaten unterschiedlicher Größe, in denen soziale und natürliche Positionen kritisch hinterfragt werden. In diesem Kontext sind in der Ausstellung weitere Objekte, Zeichnungen, Kollagen und Fotodokumente zu sehen, etwa „Atemzone” als benutzbare Installation als visionärer Lösungsvorschlag für das Überleben in Katastrophensituationen.

3. Provisorische Architektur / Interventionen im Zwischenraum der Stadt

Temporäre Architektur im urbanen Raum ist ab Mitte der 1970er Jahren das Hauptthema von HRC. Begehbare Konstruktionen wurden mit der Absicht gebaut, die Reaktionen des Publikums zu testen. Bei positiver Resonanz blieben die Objekte („Rahmenbau”, 1977 Kassel) bestehen. Ziel war es, Diskussionen zur Situation im Stadtraum auszulösen und bei den Bürgern ein neues, urbanes Bewusstsein auszubilden. Arbeiten aus dieser Reihe sind in Form von Original-Modellen, Collagen und Zeichnungen zu sehen. Interaktivität, Wahrnehmungsdifferenzierung, unkonventionelle Raumwahrnehmung, Bewusstseinserweiterung sind Aspekte, die HRC ab 1967 herausgearbeitet hat. Dabei konnte die Gruppe einerseits auf Buckminster Fuller aufbauen, andererseits rekurrierten sie auf die Raumfahrt- und Laborästhetik jener utopiefreudigen Zeit, die heute in Design, Architektur und Kunst begeistert rezipiert wird. Daher werden Referenzstücke zur Blob-Architektur und medialen Techniken vorgestellt. Eine Videoinstallation von Hussein Chalayan, „Place to Passage” (2003), zeigt wie eine junge Frau in einer futuristisch geformten Kunststoffkapsel auf magnetischen Luftkissen geräuschlos durch die Landschaft des Jahres 2050 gleitet. RAUMLABOR zeigt sein „Küchenmonument” als Dokumentation und von Tomaso Saraceno wird „In Orbit” (2013) wandfüllend zu sehen sein.

Programm zur Ausstellung

  • Künstleressen Mi. 4.2.15, 19.30 Uhr Mit Günter Zamp Kelp, Catering: ZAGREUS PROJECT, Teilnahme / Dinner € 35
  • Familiensamstage Sa. 20.12.14 | 03.01.15 | 17.01.15 | 31.01.15 | 14.02.15 || 14 bis 17 Uhr Kunst sehen, erleben und selbst kreativ werden.
  • Freetalks Mi. 10.12.14 | 07.01.15 | 04.02.15 | 18.02.15 || 18.30 – 19.30 Uhr Kunstgespräche in der Ausstellung Teilnahme inkl. Eintritt € 7; Mitglieder € 5
  • Yoga in der Kunst Mittwochs und samstags, 9 bis 10:30 Uhr Teilnahme € 10, 10er Karte € 80, Mitglieder € 70

Ausstellung Günter Zamp Kelp und Katja Blomberg
Ko-Kurator Ludwig Engel Katalog Deutsch und Englisch, Hrsg. Katja Blomberg, Verlag Walther König.
Mit Beiträgen von Florian Heilmeyer und Ludwig Engel

Gefördert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin; aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten; Freunde und Förderer des Hauses am Waldsee e.V.

Ausstellungsort: Haus am Waldsee – Internationale Kunst in Berlin, Argentinische Allee 30
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, noch bis 22. 2. 2015
Eintritt: € 7 / ermäßigt € 5

 

Bild: Haus-Rucker-Co, Environment Transformers Vienna, 1968 Ⓒ Haus-Rucker-Co, Gerald Zugmann

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