22.09.2021 – Kategorie: Maschinenbau

Auto-Tuning für Maschinen: In Minutenschnelle zum optimierten Antrieb

Quelle: Lenze SE
Für die hochgenaue Abstimmung der Regelung im Antrieb — essentiell für Montageroboter, Regalbediengeräte oder Verpackungsmaschinen — hat Automatisierungsspezialist Lenze eine Auto-Tuning-Funktion entwickelt, die Inbetriebnahmezeiten deutlich reduzieren hilft.
  • Maschinen können nur optimal funktionieren, wenn ihre Antriebe perfekt an den Antriebsstrang angepasst sind. Nur dann lassen sich, bei höchster Taktrate der Maschine, hochwertige Produkte bei minimaler Fehlerrate herstellen.
  • Um das zu erreichen, gilt es, die Regelung im Umrichter maschinenspezifisch einzustellen.
  • Mit der üblichen Vorgehensweise benötigt ein Antriebsexperte für diese manuelle Aufgabe in der Inbetriebnahme-Phase oft mehrere Stunden – abhängig von der Komplexität der Regelungstrecke.
  • Doch mit dem Auto-Tuning von Lenze geht die Einstellung jetzt schneller – und genauer.

Eine hochgenaue Abstimmung der Regelung im Antrieb ist in vielen Maschinenanwendungen – insbesondere bei Montagerobotern, Regalbediengeräten (RBG) oder Verpackungsmaschinen – die Grundvoraussetzung für eine wettbewerbsfähige Maschinenperformance. Aktuell muss ein Antriebsexperte während der Inbetriebnahme jedoch viel Zeit investieren, um diese exakte und performante Abstimmung zu erreichen. Der Automatisierungsspezialist Lenze hat nun eine Funktion für das Auto-Tuning entwickelt, welche die Inbetriebnahme-Zeiten bei Kunden in unterschiedlichsten Anwendungen deutlich reduziert.

Die heute gängigen physikalischen Modelle für die Abbildung der Regelstrecke einer Maschine sind im praktischen Einsatz für eine optimale Reglereinstellung der Antriebsachse nur bedingt brauchbar. Das liegt an nicht unwesentlichen Abweichungen im Verhalten zwischen dem physikalischen Modell einer Maschine und der realen Maschine. So kommt es, dass sich heutzutage Antriebsspezialisten noch immer an der realen Maschine in mehreren Versuchen an die optimale Regelungseinstellung „herantasten“. Hierbei kommt das Verfahren der Schwingungsmethode von Ziegler und Nichols aus dem Jahr 1943 zum Einsatz. Der Antrieb wird dabei an seine – hörbare – Stabilitätsgrenze gebracht, und die verwendete Reglereinstellung mit einem Sicherheitsfaktor multipliziert. Das Verfahren ist einfach anzuwenden, nicht modellbasiert und erzeugt ein robustes Regelungsergebnis. Die Einstellung per Hand benötigt jedoch viel Zeit.

Einstellung der Regelungsparameter mit Auto-Tuning automatisiert und deutlich vereinfacht

Mit der Auto-Tuning-Funktion hat Lenze jetzt die Einstellung der Regelungsparameter für seine Servo-Umrichter der i-Reihe automatisiert und deutlich vereinfacht. Das Verfahren von Ziegler und Nichols ist darin integriert. Neben dem Servo-Umrichter braucht es keine zusätzlichen Messkomponenten. Der Antrieb selbst wird mit den aktuellen Größen des Positionsgebers und des Motorstromes zum Sensor. Nach Abschluss des Auto-Tunings werden die Einstellungen der Regelparameter berechnet und in der Konfiguration des Antriebs hinterlegt. Die vorliegende physikalische Regelungsstrecke wird in kurzer Zeit automatisch vermessen und es findet eine exakte Anpassung an die reale Maschine statt. Fehler, die bis dato durch Modellabweichungen oder während der manuellen Einstellung auftraten, lassen sich mit der neuen Funktion vermeiden. Dieses Verfahren spart Inbetriebnahmezeit, ist robust, liefert reproduzierbare Ergebnisse und eine optimale Performance für die Maschine. Selbst bei komplexen Herausforderungen der Regelung wie zum Beispiel „Getriebespiel“ oder „variable Lasten“ funktioniert die Auto-Tuning-Funktion zuverlässig und sicher.

Funktion auch ohne Expertenwissen ausführbar

Die Auto-Tuning-Funktion lässt sich mit den Lenze-Tools EASY Starter und PLC-Designer ausführen. Die Entwickler achteten auf einfache Bedienung und eindeutige, informative Rückmeldungen. Somit können auch Inbetriebnehmer ohne Expertenwissen die Funktion quasi per Knopfdruck ausführen.

Das Feedback der Lenze-Kunden, die dieses Verfahren bereits in ihren Maschinen eingesetzt haben, ist positiv. Insbesondere das einfache, robuste Prinzip und die hohe Geschwindigkeit der Optimierung wurden als großer Vorteil gegenüber dem bisherigen manuellen Vorgehen genannt. Für Zufriedenheit sorgte weiterhin der Umstand, dass sich zusätzlich die Taktzeiten und damit der Output der Maschine verbessern ließen. Um bis zu zehn Prozent höhere Taktraten konnten die Entwickler von Lenze in Vor-Ort-Tests bei Anlagenbetreibern durch die Optimierung der Umrichterparametrierung erzielen.

Die Auto-Tuning-Funktion ist seit der Hannover Messe im April 2021 verfügbar. Mit allen seitdem gekauften Servo-Umrichtern i950 und i700 kann das Auto-Tuning bereits durchgeführt werden. Geräte, die vorher verkauft wurden, lassen sich per Firmware-Update um die Auto-Tuning-Funktion erweitern.

Weitere Informationen: https://www.lenze.com/de-de/

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