06.05.2022 – Kategorie: Konstruktion & Engineering

AutoCAD-Expertenrunde: Tipps & Tricks

ExpertenrundeQuelle: microstock3D/shutterstock

Die AutoCAD-Expertenrunde mit ausgewählten Leseranfragen und wertvollen Tipps und Tricks rund um AutoCAD.

Alle Tipps der AutoCAD-Expertenrunde sollen zum selbstverständlichen Umgang mit AutoCAD und seinen vertikalen Lösungen animieren, ihn vor allem erleichtern. Aus den vielen Leseranfragen haben wir die zur Veröffentlichung ausgewählt, die allen Anwendern auch einen praktischen Nutzen ­versprechen. Die Fragen der AutoCAD-Expertenrunde beantwortet unser Experte Wilfried Nelkel.

Expertenrunde Tipp 1: Verschieben funktioniert nicht

Wir arbeiten mit AutoCAD 2022 und beim Verschieben von Objekten zu einer fixen Koordinate macht AutoCAD scheinbar was es will. Mal angenommen, wir verschieben Objekte von einem bestimmten Punkt aus auf die Koordinate 0,0,0, dann passiert gar nichts. Wie kann das sein? Dass es grundsätzlich funktionieren kann, zeigt sich am Rechner meines Kollegen, der mit AutoCAD 2018 arbeitet. Gibt es hier einen Unterschied zwischen den beiden Versionen?

Unser Experte der AutoCAD-Expertenrunde: Es gibt nur einen Unterschied in den Einstellungen bei Ihrem Kollegen und Ihnen. Ausschlaggebend für die Interpretation der Koordinateneingabe ist die Systemvariable DYNPICOORDS. Sie steuert, ob die Zeigereinheiten ein relatives oder absolutes Format für die Koordinateneingabe verwenden. Steht diese Variable auf 0, werden die Eingaben relativ interpretiert. Steht sie auf 1, ist die Interpretation absolut. Am einfachsten gelangen Sie zu den Einstellungen dieser Variablen, indem Sie mit der rechten Maustaste auf das Symbol für die dynamische Eingabe klicken und dann „Einstellungen für dynamische Eingabe …“ wählen. (siehe Bild 1)

AutoCAD-Expertenrunde
Bild 1: Einstellungen für die Systemvariable DYNPICOORDS.

Über die Einstellungen der Zeigereingabe gelangt man ins Dialogfenster „Zeigereingabeeinstellungen“. Aktivieren Sie hier anstatt „Absolute Koordinaten“ die Option „Relative Koordinaten“, je nachdem, was Sie bevorzugen. Mein Tipp: Falls Sie häufig mit Absolutkoordinaten arbeiten, stellen Sie diese hier ein (etwa, wenn Sie viel mit Gauss-Krüger-Koordinaten arbeiten, wie im Straßenbau üblich). Arbeiten Sie überwiegend mit relativen Koordinaten, aktivieren Sie genau diese Option. Mit dem @-Zeichen können Sie immer relative Koordinaten erzwingen. Absolutkoordinaten erzwingen sich durch die Eingabe des Doppelkreuzes #.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Relativkoordinaten: relative Absolutkoordinaten und relative Polarkoordinaten. Relative Absolutkoordinaten: Sie zeichnen eine Rampe im Schnitt, die auf einer horizontalen Länge von zehn Metern um einen Meter ansteigt. Der tiefste Punkt ist links unten an der Rampe. Starten Sie den Linienbefehl und klicken Sie einen Punkt. Als zweiten Punkt geben Sie @10,1 ein. Damit verschiebt man den zweiten Punkt relativ zum ersten um X = 10 und Y = 1 Zeichnungseinheit. Angenommen, Sie geben hier @10,-1 ein, so wandert der zweite Punkt nach rechts unten (also -Y). Relative Polarkoordinaten benötigen Sie immer dann, wenn Sie eine Entfernung sowie einen Winkel wissen. Starten Sie wieder den Linienbefehl und geben als zweiten Punkt @10<20 ein. Sie zeichnen also einen zweiten Punkt relativ zum ersten. Dieser zweite Punkt ist zehn Zeichnungseinheiten in einem Winkel von 20 Grad vom ersten Punkt entfernt.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 2: Arbeitsplatzeinstellungen sichern

Wir arbeiten aktuell mit AutoCAD 2022. Nun hat sich unser Team den Arbeitsplatz so eingerichtet, dass gewisse Paletten links am Bildschirm verankert sind, der Hintergrund angepasst ist, usw. Nun hat unser Arbeitgeber entschieden, dass wir neue PCs bekommen. Grundsätzlich eine super Idee, doch scheuen wir die Arbeit, die entsteht, wenn wir unser AutoCAD wieder so konfigurieren müssen, wie wir es aktuell haben. Viele meiner Kollegen haben eigene Einstellungen, was die Anzeige der Symbole in der Statusleiste, die Befehlszeile, die Hintergrundfarbe usw. betreffen. Wäre es eventuell ein richtiger Ansatz, das Profil zu exportieren?

Unser Experte der AutoCAD-Expertenrunde: Beim Profilexport werden ausschließlich die Einstellungen ex- oder importiert, die man in den Optionen auf den verschiedenen Registerkarten konfigurieren kann. Also beispielsweise die Hintergrundfarbe. Da sich in den Optionen nicht einstellen lässt, auf welcher Position die Eigenschaftenpalette angezeigt wird, welche Symbole in der Statusleiste sichtbar sind oder nicht, ist eine Profilsicherung sicherlich schon mal besser als überhaupt keine Sicherung. Vollständig ist der Export benutzerdefinierter Einstellungen, die man im Windows-Startmenü findet. (Bild 2)

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Bild 2: „Einstellungen exportieren“ starten, dann kurz über dem Eintrag verweilen, da „ Exportieren und Importieren“ abgeschnitten ist.

Wenn Sie nicht über das Startmenü auf die Import-/Exportoptionen zugreifen können, lautet der Standardspeicherort für den Ordner: C:\ProgramData\Microsoft\Windows\Start Menu\Programs\AutoCAD Architecture 2022 – Deutsch (German)\Benutzerdefinierte Einstellungen migrieren

Wichtig: AutoCAD muss hierfür geschlossen sein. Wenn Sie dieses Tool starten, werden Sie zunächst aufgefordert, einen Speicherort für eine ZIP-Datei zu wählen. In diesem Paket wird dann ALLES gespeichert, was in den Optionen und an der Benutzeroberfläche eingestellt ist. Sogar möglich definierte Arbeitsbereiche werden so übernommen.

Das Tool ist eine wunderbare Möglichkeit, die eigenen Einstellungen von AutoCAD zu sichern. Man kann so auch ein AutoCAD konfigurieren und dann über „benutzerdefinierte Einstellungen importieren“ auf allen installierten Arbeitsplätzen die gleiche Benutzeroberfläche vorfinden. So ist ein Wechsel der Arbeitsplätze in einem Büro problemlos möglich, da jeder auf jedem Arbeitsplatz immer die gleiche Benutzeroberfläche vorfindet.

Auch bei AutoCAD Architecture oder AutoCAD MEP wird bis auf eine Einstellung alles übernommen. Nach dem Import der benutzerdefinierten Einstellungen ist gegebenenfalls noch folgender Pfad anzupassen, siehe Bild 3.

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Bild 3: Einstellung wird beim Import der benutzerdefinierten Einstellungen nicht verändert; Pfad ist der Verweis auf die Quelle der AutoCAD-Architecture-Stileinstellungen.

Expertenrunde Tipp 3: Layereigenschaftenmanager als Palette zu groß

Seit Autodesk den Layereigenschaftenmanager in Palettenform eingeführt hat, müssen wir uns ein bisschen ärgern. Sobald wir mit der Maus über diese Palette fahren, klappt er auf und verdeckt fast den gesamten Bildschirm. Fixieren ist auch keine Option für uns, da wir dann nur einen kleinen Teil des Managers sehen können. Kurz gesagt, wir vermissen den Layereigenschaftenmanager, den es in früheren Versionen als Dialogbox gab. Kann man diesen alten Layerdialog trotzdem verwenden?

Unser Experte: Es gibt eine Möglichkeit, um den alten, von Ihnen angesprochenen, Layerdialog zu starten. (Bild 4)

Bild 4: Aufgeklappter Layereigenschaftenmanager in Palettenform.

Wenn man den Befehl KLASSLAYER eingibt, startet der herkömmliche Layermanager (Bild 5). Im Dialog Klasslayer fehlen Ihnen jedoch, sofern Sie mit AutoCAD Architecture arbeiten, wichtige Schaltflächen für Layerstandards, Layerschlüsselstil usw. (Bild 6). Wem die Eingabe von KLASSLAYER zu umständlich ist, kann auch der Systemvariable „LAYERDLGMODE“ den Wert 0 (null) zuweisen. 1 bedeutet, dass standardmäßig der Layereigenschaftenmanager in Palettenform startet. Steht die Variable auf 0, startet automatisch der bevorzugte Layermanager in Dialogform.

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Bild 5: Herkömmlicher Layerdialog nach Eingabe von KLASSLAYER.
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Bild 6: Zusätzliche Schaltflächen im Layereigenschaftenmanager in Palettenform.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 4: Objektfang
macht Probleme

Unsere Planungen erstellen wir eigentlich nur in 2D. Die Basis unserer Planung ist jedoch meist eine 3D-Zeichnung, die wir von einem Vermessungsbüro bekommen. Nun möchten wir aus den von uns gezeichneten Plänen, Daten extrahieren, unter anderem auch die Länge von Linien. Wenn wir nun in der Draufsicht eine Linie zeichnen, ist die Z-Höhe der Linie oft völlig unterschiedlich. Aus diesem Grunde stimmen auch die Längen der Linie nicht, da sie schräg im Raum verlaufen und sich somit verlängern. Wir hörten von einem Programm namens FLATTEN, das wir aber laut Systemadministrator nicht installieren dürfen, sofern keine garantierte Kompatibilität mit den von uns eingesetzten Programmen garantiert werden kann. Gibt es denn keine Bordmittel, um diese unliebsamen Ergebnisse zu verhindern?

Unser Experte: Mal ganz abgesehen davon, dass es sich bei FLATTEN um einen Befehl handelt, der in den Express-Tools offiziell mit installiert wird (was bei ihnen vermutlich nicht der Fall ist), gibt es für die von Ihnen gewünschte Problematik eine Onboard-Lösung. Dabei geht’s um die Systemvariable OSNAPZ, die den Objektfang in Richtung Z-Achse regelt. Sie steuert, ob der Objektfang automatisch auf eine Ebene projiziert wird, die parallel zur XY-Ebene des aktuellen BKS verläuft.

Diese Systemvariable kann die Werte 0 (null) oder 1 haben. Ausgangswert ist 0, was bedeutet, dass der aktuelle Z-Wert des „gefangenen“ Punkts verwendet wird. Setzt man die Variable auf den Wert 1, wird der gefangene Z-Wert durch die Erhebung definiert, die für das aktuelle BKS festgelegt ist.

Die Erhebung steuert man über die Systemvariable „ERHEBUNG“, wobei hier sowohl die Erhebung (also der Z-Wert) im ersten Punkt angegeben werden kann, als auch die Objekthöhe, die die Höhe von Linien und sonstigen 2D-Objekten definiert. Die Objekthöhe ist vergleichbar mit einer Extrusion eines 2D-Objekts. Das heißt, auch Objekte mit Objekthöhe verdecken in einem entsprechenden visuellen Stil dahinterliegende Objekte. Auch Materialien lassen sich auf Linien mit Objekthöhe applizieren.

Expertenrunde Tipp 5: Orthogonalmodus ist verdreht

Wir haben von einem Kunden eine Zeichnung bekommen, bei dem der Orthogonalmodus nicht wie gewohnt in 0, 90, 180 und 270 Grad verläuft, sondern irgendwie schief. Wenn ich mit dem Befehl LINIE eine horizontale Linie von links nach rechts zeichnen möchte, zeigt der Orthomodus immer exakt 11 Grad an. Zeichne ich nach oben, dann sind es 101 Grad. Ich kann zwar den Winkel über die dynamische Eingabe eingeben, aber das kann ja nicht Sinn und Zweck des Orthogonalmodus sein. Gibt es hier ein zeichnungsspezifisches Problem? Wir arbeiten aktuell mit AutoCAD 2022.

Unser Experte der AutoCAD-Expertenrunde: Offenbar hat in Ihrer Zeichnung irgendjemand die Systemvariable SNAPANG verstellt. Geben Sie SNAPANG in der Befehlszeile ein und verändern den Wert auf 0. Dann ist Ihr Orthogonalmodus wieder auf 0 Grad. Sollten Sie das Bildschirmraster angezeigt haben, dann wird dies bei einem Wert ungleich 0 ausgeblendet.

Leider gibt es für diese Systemvariable keine Einstellmöglichkeit über eine Dialogbox. Sie müssten sich die Systemvariable SNAPANG also entweder merken oder sie zur Liste der überwachten Systemvariablem mit dem Befehl SYSVARÜBERW hinzufügen und den Standardwert auf 0 einstellen.

Bild 7: Ist SNAPANG ungleich null, wird dieser Wert beim Orthogonalmodus um die eingegebenen Grade verdreht.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 6: BKS lässt sich nicht ausrichten

Wir haben in einer Schulung gelernt, wie wir unser aktuelles BKS an einem anderen Objekt ausrichten, um dann trotz „schiefer“ Geometrie orthogonal zeichnen können. Nachdem ich den Ursprungspunkt nun an ein anderes Objekt verschoben habe, um dann anschließend noch die Drehung um die Z-Achse zu definieren, verspringt das BKS immer in die linke untere Bildschirmecke. Somit kann ich die X-Achse nicht über den Achsengriff um die Z-Achse drehen. Was mache ich falsch?

Unser Experte: Sie machen grundsätzlich alles richtig. Das Problem dürfte wohl sein, dass die Option „BKS-Symbol am Ausgangspunkt anzeigen“ deaktiviert ist. Sobald Sie diese Option aktivieren, bleibt das BKS-Symbol dort, wo Sie es hinschieben. Markieren Sie hierzu das BKS-Symbol und klicken nun mit der rechten Maustaste. Hierbei müssen Sie aufpassen, dass der Rechtsklick exakt über der BKS-Symbol-Geometrie erfolgt. Sie finden die entsprechende Option im untersten Kontextmenü-Eintrag „BKS-Symbol-Einstellungen“. (Bild 8)

Bild 8: Zusätzliche Schaltflächen im Layereigenschaftenmanager in Palettenform.

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