Bauhaus-Architektur: Warum eine Idee vor dem Vergessen bewahrt wird

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In Dessau wird ein originalgetreues Bauhaus-Gebäude eingeweiht. Seine preiswerte, erweiterbare Holzbauweise, ungewöhnlich für die Bauhausarchitektur, könnte wieder ganz aktuell sein.
Bauhaus-ArchitekturQuelle: Foto: Uni Kassel.

In Dessau wird ein originalgetreues Bauhaus-Gebäude eingeweiht. Seine Holzbauweise, ungewöhnlich für die Bauhaus-Architektur, könnte wieder ganz aktuell sein.

Wissenschaftler und Studierende der Universität Kassel haben in der zum Weltkulturerbe gehörenden Laubengang-Siedlung Dessau-Törten ein Wohnhaus nach den Plänen des Architekten und Bauhaus-Lehrers Ludwig Hilberseimer errichtet.

Bauhaus-Architektur, mal nicht mit Stahl und Beton

Es handelt sich um ein L-förmiges einstöckiges Wohnhaus in Holzbauweise. Hilberseimer (1885 – 1967) hatte diesen Typus 1930 entworfen. 400 Exemplare sollten nach den Plänen von Bauhausdirektor Hannes Meyer und Hilberseimer das Ensemble der Laubenganghäuser in Dessau ergänzen. Während die Laubenganghäuser realisiert wurden und seit 2017 Welterbe-Status haben, verhinderte die 1929 einsetzende wirtschaftliche und politische Krise den Bau der ergänzenden Flachbauten. Es wurde 1932 lediglich ein Exemplar für die Ausstellung zum wachsenden Haus in Berlin realisiert.

„Der mit Abstand innovativste Beitrag des Bauhaus zum Wohnungsbau ist heute nahezu vergessen“ sagt der Kasseler Architektur-Professor Philipp Oswalt, der von 2009 bis 2014 die Stiftung Bauhaus Dessau leitete. „Zumal er auch nicht in das gängige Bauhaus-Cliché passt: Nicht aus Glas, Stahl und Beton, sondern in einfacher Holzbauweise, preiswert, ökologisch und erweiterbar.

“Wir korrigieren ein einseitiges Bild des Bauhaus”

Oswalt hat die Realisierung nachgeholt und in den vergangenen drei Wochen eines der Gebäude mit Studierenden prototypisch errichtet, auf einem vakanten städtischen Grundstück (Mittelbreite 12) direkt neben einem der Laubenganghäuser. „Damit wird erstmalig die innovative städtebauliche Gesamtkonzeption verdeutlicht wie zugleich der nicht minder anregende Haustyp von Hilberseimer präsentiert. Wir korrigieren ein einseitiges Bild des Bauhaus und geben einen Impuls zu heutigen Wohnungsbaudebatte. Zugleich ist dies im Jubiläumsjahr des Bauhaus ein Art Reenactment“, so Oswalt. 

Am kommenden Sonntag wird das Gebäude feierlich eröffnet und der Schlüssel an den Betreiber, den Deutschen Werkbund Sachsen-Anhalt, übergeben. Neben Oswalt nehmen Prof. Joachim Krausse vom Deutschen Werkbund, Dr. Robert Reck, Beigeordneter für Wirtschaft und Kultur der Stadt Dessau-Roßlau, und Nicky Meißner, Vorstandsvorsitzender Wohnungsgenossenschaft Dessau eG, daran teil. 

Das Haus ist demontierbar und soll nach anderthalbjähriger Nutzung in Dessau weiterziehen. Als zweiter Standort ist die Umgebung des Hauses Lemke von Mies van der Rohe in Berlin-Hohenschönhausen geplant. Mies hat hier den Gebäudetyp von Hilberseimer aufgegriffen und in einer luxuriösen Variante als Villa realisiert.

Bauhaus-Architektur am sozialen Gebrauch orientiert

Oswalt leitet das Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel. Ein Schwerpunkt in der Forschung des Fachgebiets ist das Werk von Hannes Meyer (1889 –1954) und dessen Wirkung. Als zweiter Bauhausdirektor 1928–1930 orientierte Meyer das Bauhaus neu, indem er die enge Zusammenarbeit mit der Industrie forcierte und eine eigene Bauabteilung etablierte. Er suchte nach einer am sozialen Gebrauch orientierten Architektur. Sein Direktorat folgte dem Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“.

An dem Projekt waren neben dem Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen der Universität Kassel folgende Partner beteiligt: Constructlab, Plattform für kollaborative und experimentelle Konstruktionen; Walter-Gropius-Gymnasium Dessau; Hochschule Anhalt/ Internationales Masterprogramm Design; Firma Wilkhahn; Werkbund Sachsen-Anhalt; Stadt Dessau-Roßlau. 

Weitere Informationen: 
www.bauhausbauen.de

Die Eröffnung findet am 11. August, 12 Uhr, in Dessau-Törten statt, Mittelbreite 12.

Lesen Sie mehr zur Verwendung von Holz im Wohnungsbau.

Bild: Studierende der Uni Kassel mit dem Haus (Baustand 8. August). Foto: Uni Kassel.

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