Benefit für BIM

Smart Building und buildingSMART vereint: Der 9. BIM Anwendertag des buildingSMART e.V. fand am 24. Mai 2012 im Fraunhofer-Zentrum in Duisburg statt. Sponsor der – mit mehr als 130 Teilnehmern ausgebuchten – Veranstaltung war die Hochtief ViCon GmbH, die das 2008 fertig gestellte Gebäude von den ersten Entwürfen bis zur Montageplanung mit BIM-Methoden und -Technologien unterstützt hatte.

Der Kommunikations- und Informationsbedarf zum Thema BIM (Building Information Modeling) ist nach wie vor hoch. Darüber sind sich alle Akteure einig. Das belegen auch die teils hitzigen Diskussionen um Ängste, Vorurteile und Verantwortlichkeiten seitens Politik, Kammern, Verbänden und Bauherren. Mehrmals an diesem Tag war die Rede von der Britischen Regierung, die die Vorteile der BIM-Methode bereits erkannt habe und gerade verkündet hätte, damit beim Öffentlichen Bauen ein Einsparpotenzial von 20 Prozent auszuschöpfen. Zudem wollen die Briten weltweiter BIM-Leader werden, so dass 2016 jedes öffentliche Projekt schon BIM anwende. In Deutschland ist die Öffentliche Hand noch weit davon entfernt, entsprechende Normen und offene Standards für openBIM einzuführen, die den Anschein erweckten, nicht HOAI-konform zu sein. Inzwischen sind die Vorreiter von buildingSMART e.V. hier nicht mehr der einsame Rufer in der Wüste, Unterstützung gibt es unter anderem von den Kammern einzelner Bundesländer.    
 

„Es gibt keinen Weg zurück zu einfachen Systemen!“, stellte Gerd von Spiess, Vorstand der Ingenieurkammer-Bau NRW und Ing.-Büro von Spiess&Schäfer, Dortmund, dann auch in seinem Grußwort fest. „Die fünf Dimensionen des Bauens und wachsende Ansprüche an Standsicherheit, Brandschutz, Schallschutz oder Energieeffizienz führen dazu, dass 3D-CAD durch objektorientiertes BIM ersetzt werden wird.“ Eine der Aufgaben seiner Kammer sei es, den Mitgliedern die Vorteile von BIM und modellorientierter Planung zu vermitteln. Dafür stehe neben BIM Seminaren auch die Deubau mit einer eigenen Fachtagung.

„Wichtig für eine integrierte Projektabwicklung sind nicht nur die Werkzeuge, sondern auch die Methoden, Prozesse, Rollen und die Daten.“ sagte Thomas Liebich, buildingSMART e.V. und AEC3, München. Er sieht Einsparpotenziale von bis zu 15 Prozent auf der Basis eines ganzheitlichen, partnerschaftlichen Planens und Bauens mit konsistenten Daten. Ziel von buildingSMART als dem BIM-Wissensträger sei es, openBIM als offenen internationalen Standard, auch im föderalistisch organisierten deutschen Sprachraum, zu etablieren.

Dirk Schaper, Geschäftsführer von HOCHTIEF ViCon, Essen, der kürzlich bei einer BIM-Veranstaltung in Katar war, stellte fest: „Hier kommt der Druck auf den Markt von den Bauherren, die ihre Gebäude besser verstehen wollen.“ Schaper sprach über BIM-gestützte Produktion und mobile Endgeräte und Applikationen, die den BIM-Prozess, aufbauend auf einem Datenpool, zunehmend und effizient unterstützen. „Ich denke, dass dies der richtige Weg ist.“, sagte Schaper. „Mit mobilen Endgeräten lässt sich viel Arbeit sparen, gleichzeitig können die Projektdaten besser vernetzt werden. Die Prozesse werden messbarer und schneller.“ Aber es sei auch wichtig, dass sich jemand bei einem größeren Projekt ausschließlich mit der BIM-Koordination beschäftige, und dafür brauchte man BIM-Manager.    

BIM aus der Sicht eines Herstellers, der neben seinen Produkten auch BIM/CAD-Objekte für die verbesserte Planung liefert, beleuchtete Matthias Ebneter von Hilti, Schaan, Liechtenstein: „Wir wollen auch in der virtuellen Welt der beste Partner für unsere Kunden sein.“ Die Vorteile von intelligenten Objekten und zentraler Datenhaltung liegen für ihn auf der Hand: die Vorfertigung wird effizienter, die Bauabläufe in einem immer noch sehr schnittstellenlastigen Prozess mit vielen Barrieren im Workflow werden verbessert, die Planung detaillierter und die Kostenabschätzung genauer. Hilti ist seit kurzem Mitglied im buildingSMART e.V. und will die Standards in der Anwendergruppe aktiv mit vorantreiben.

„Niemand hat uns überredet mit BIM zu arbeiten, ich bin fest davon überzeugt, dass das die Zukunft ist“, sagte Mirjam Borowietz von der ZWP Ingenieur AG, Berlin. Sie skizzierte anschaulich den Workflow bei der interdisziplinären Planung der technischen Gebäudeausrüstung unter Verwendung von BIM am Beispielprojekt „Gesundheitscampus NRW“ in Bochum. Ihr Fazit: „Die IFC-Schnittstelle für die Konstruktion funktioniert in beide Richtungen, sowohl Architektur als auch TGA. Verbesserungsbedarf besteht bei der Kopplung zu Berechnungsprogrammen, ein Musterdatenaustausch bei Projektbeginn empfiehlt sich.“

Baumeister Anton Gasteiger, Aga-Bau,  b.i.m.m. GmbH, Kufstein, unterhielt und überzeugte mit internationalen, interdisziplinären und nicht zuletzt interfamiliär ausgeführten BIM-Projekten. „Wir beginnen dort, wo ‚out of the box‘ aufhört.“ Für ihn, der auch BIM-Konstrukteure ausbildet, ist es ein Gewinn, dass jeder seine Informationen in ein „geballtes Modell“ einbringen und wiederum daraus schöpfen darf. Sein Wunsch ist es, dass nur noch modellierte Bauteile errichtet und bezahlt werden.

Diese Auffassung vertrat auch Hans-Georg Oltmanns vom Büro Oltmanns & Partner und Professor an der Jade Hochschule in Oldenburg. Er tritt konsequent wie eh und je für einen Paradigmenwechsel und durchgängiges 3D-Modellieren im Planungsprozess ein: „Alle sehen das Gleiche, die Fehlerquote sinkt, die Kette schließt sich.“ Eine Live-Session zeigte die Vorteile des konsequenten Arbeitens im 3D-Modell und bei der 3D-Tragwerksplanung auf. Dafür müsse noch nicht mal die HOAI geändert werden, so Oltmanns. Große Lücken sieht er nach wie vor bei der Ausbildung und in der aktiven Nachwuchsförderung.

Über BIM und die Baudurchführung des in diesem Jahr fertig gestellten Hamburger Hochtief-Hauses mit knapp 22.000 Quadratmetern BGF sprach Oberbauleiter Stefan Szemkus von Hochtief Hamburg. Szemkus, der zugab, vor ein paar Jahren noch gar nicht gewusst zu haben, wozu er BIM überhaupt einsetzen kann, ist inzwischen davon absolut überzeugt. Was nicht zuletzt an der „Anschaulichkeit der Daten“ liegt, denn sowohl Projektbeteiligte als auch Nichttechniker verstehen Projekte schnell, zudem stehen die Projektdaten unmittelbar zur Auswertung zur Verfügung und ermöglichen eine individuelle Analyse.

Last but not least skizzierte Uli Bockholt, Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt künftige Anwendungsszenarien für Smartphone Augmented Reality beim Planen und Bauen, die dank der rasanten Hard- und Softwareentwicklung sicherlich schneller Eingang in das Baugeschehen finden würden, als wir uns das im Moment vorstellen könnten. Und für alle, die noch tiefer in das Thema BIM einsteigen wollen, trug Konrad Stuhlmacher, der Geschäftsführer von buildingSMART e.V., Berlin, detaillierte Informationen zu Fachbüchern in deutscher, englischer und holländischer Sprache zusammen.

Ausführliche Informationen, Impressionen von der Veranstaltung und die Vorträge zum Download gibt es im Internet unter www.buildingsmart.de


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