Compamed 2013: Ein Blick in die Welt der Medizintechnik

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Parallel zur mit mehr als 4.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse Medica 2013 (20. bis 23. November) verzeichnet die Compamed, die international führende Markt- und Informationsplattform für die Zulieferer der medizintechnischen Fertigung, dieses Jahr (20. bis 22. November 2013) einen weiteren leichten Buchungszuwachs auf nun knapp 700 Aussteller. „Steigendes Gesundheitsbewusstsein, eine immer älter werdende Bevölkerung und der Anstieg von Wohlstandskrankheiten sorgen trotz des Kostendrucks in den meisten staatlich geprägten Gesundheitssystemen dafür, dass die Medizintechnik auch in den kommenden Jahren zu den wachstumsstärksten Branchen überhaupt zählen wird“, konstatiert Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf GmbH, Zulieferern sowie „MedTech“-Anbietern vitale Konjunkturparameter.

Medizinische Technologien halten seit 15 Jahren den Spitzenplatz bei den Europäischen Patentanmeldungen. 2012 gingen beim Europäischen Patentamt (EPA) 10.412 Anmeldungen in diesem Gebiet ein, davon entfielen 42 Prozent auf die USA und 38 Prozent auf Europa. Das vermeldet der aktuelle Jahresbericht des EPA.

Die Medizintechnik bleibt somit eine dynamische Branche. Bei Patenten und im Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Der Innovations- und Forschungsstandort Deutschland spielt damit für die „MedTech“-Unternehmen eine besonders wichtige Rolle. Zudem ist Düsseldorf seit Jahrzehnten das weltweit wichtigste „Schaufenster“ für neue Entwicklungen in der Medizintechnik. Denn in ihrer einzigartigen Kombination bilden dort die jeweils führenden Fachmessen Medica und Compamed die gesamte Prozesskette und das vollständige Angebot medizinischer Produkte, Geräte und Instrumente ab.

Weltneuheit: fernsteuerbares Implantat gegen Inkontinenz

Wichtige Themen auf der Compamed bleiben einerseits Implantate, andererseits Elektronikbauteile für die Medizintechnik. Beide Bereiche im besten Sinne zusammengeführt haben die Elektronik-Spezialisten AEMtec und Contec (beide Mitglieder der exceet Group SE) in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen MyoPowers Medical Technologies SA und weiteren Partnern, die gemeinsam ein Implantat zur Behandlungsmöglichkeit von Inkontinenz entwickelt haben. Mit dem Know-how der exceet-Unternehmensgruppe bei der Entwicklung und Fertigung von miniaturisierten elektronischen Komponenten, Modulen und Systemen ist es MyoPowers im Bereich der modernen Therapien für Urologie gelungen, einen modularen künstlichen Harnschließmuskel zur Behandlung von Inkontinenz herzustellen, der die Lebensqualität betroffenen Patienten entscheidend erhöhen kann. Eine Besonderheit des als Artificial Urinary Sphincter (AUS) bezeichneten Implantats ist, dass der Arzt die Schließkraft mittels einer speziellen Fernbedienung postoperativ anpassen kann. Der Patient bekommt eine einfache Fernbedienung zur Steuerung des Implantats. Das Bauteil, das gleichermaßen bei weiblichen und männlichen Patienten eingesetzt werden kann, gilt als Weltneuheit im Bereich medizintechnischer Implantate für die Urologie. „Solche Entwicklungsprojekte belegen, dass unser Technologie-Knowhow im Bereich Medizintechnik, speziell bei Implantaten, ideal auf den Markt zugeschnitten ist. Erneut unterstreichen AEMtec und Contec ihre außergewöhnliche und hervorragende Branchenexpertise“, so Ulrich Reutner, Chief Executive Officer (CEO) der exceet Group SE. 

Bürokratie bremst intelligente Implantate

Intelligente Implantate – inzwischen fester Bestandteil der Compamed – gehören zu den technisch aufwändigsten und risikoreichsten Medizinprodukten und stellen besondere Anforderungen an Forschung, Entwicklung, Zulassung und Erstattung. In der Entwicklung sind derzeit in deutschen Verbundprojekten unter anderem Retinaimplantate mit verbesserter optischer Auflösung und Lebensdauer, ein integriertes Implantat zum Tumor-Monitoring oder eine Hüftprothese  mit Sensorik zur Überwachung von Lockerungszuständen. Dennoch warnt der Verband Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) in einer neuen Studie vor einer Verschlechterung der Innovationsbedingungen für intelligente Implantate in Deutschland. „Die Lust an der Forschung wird durch eine ungenügende Förderpolitik und zu viel Bürokratie erstickt“, klagt Dr. Kurt Hornschild, Autor der Studie. Während die langwierige Prozesskette bis zum fertigen Produkt zehn Jahre und mehr dauert, läuft die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der Regel schon nach nur drei Jahren aus. Gerade für die klinische Erprobung fehlt insbesondere den kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) das Geld, die zwar zentrale Impulse für neue Technologien setzen, aber zugleich für den „Marathon“ nicht genügend Mittel aufbringen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland insgesamt noch ein guter Standort für die Entwicklung von Hightech-Implantaten ist. Jedoch erschweren insbesondere hohe administrative und bürokratische Hürden für Zulassung und Erstattung den Zugang zum Markt. Daher steht zu befürchten, dass die Innovationsdynamik in der Medizintechnik der höchsten Risikoklassen abnimmt. „Damit könnte Deutschland seinen gegenwärtigen Standortvorteil einer breit diversifizierten Landschaft von technologieorientierten KMU verlieren“, fürchtet Dr. Cord Schlötelburg, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE.   

Kunststoffpartikel stoppen Blutzufuhr zu Tumoren

Innovative Materialien sind seit jeher ein wichtiges Thema auf der Compamed. Was man mit neuartigen Partikeln erreichen kann, hat kürzlich Privatdozentin Dr. Ulrike Stampfl, Radiologin am Universitätsklinikum Heidelberg, bewiesen. Ausgangspunkt für ein neues Verfahren zur Krebstherapie sind winzige Kunststoffpartikel mit minimalen Metalleinlagerungen. Mit der so genannten Embolisation werden diese Teilchen über einen Katheter in die Blutgefäße eines Tumors appliziert. Sie verschließen die Gefäße zum Tumorinneren und blockieren die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung – der Tumor wird sensibel für nachfolgende Therapien mit Medikamenten. Platzierung des Katheters und Freisetzung der Partikel werden unter Röntgenkontrolle durchgeführt. Bislang mussten neben den Partikeln Kontrastmittel eingesetzt werden, weil die Partikel in der Röntgendurchleuchtung sich nicht von der Umgebung abhoben. Die neuen Partikel sind dank der Metalleinlagerung für Röntgenstrahlung undurchdringlich, also gut zu sehen, und erzeugen zudem Signale in der Magnetresonanztomographie (MRT). „Unsere Tests haben ergeben, dass die neuen Partikel tatsächlich sehr gut mit den verschiedenen bildgebenden Verfahren darzustellen sind. Sie erleichtern dadurch die Kontrolle während des Eingriffs selbst, aber auch die Nachkontrolle mittels MRT und Computertomografie. Wir können direkt überprüfen, wie sich die Partikel in den Gefäßen verteilen“, erklärt Oberärztin Stampfl, die für ihre Entwicklung mit dem Werner-Porstmann-Preis der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) ausgezeichnet wurde. 

Kleine Chargen flexibel verpacken

Ein „Dauerbrenner“ der Compamed bleibt auch der Verpackungsbereich. Die Produktions- und Verpackungsprozesse in der Medizingüter- und Healthcare-Industrie sind heute vor allem von einem Trend dominiert: der Individualisierung bei Verpackungsinhalt und Kennzeichnung. So werden Medizin- und Healthcare-Produkte vermehrt auf lokale Märkte und Patientenbedürfnisse zugeschnitten. In Folge dieser Entwicklung werden die Produktionslose immer kleiner. Dadurch kommt es zu vermehrten Chargenwechseln. So sind bei den Verpackungen vor allem flexible und prozesssichere Lösungen gefragt. Vor diesem Hintergrund hat Multivac gleich mehrere kompakte Modelle wie den Traysealer T 260, die Spezial-Kammermaschine C 400 TC und die  Tiefziehverpackungsmaschine R 145 entwickelt, die alle in Düsseldorf präsentiert werden. „Eine hohe Prozesssicherheit bei der Verpackung ist ein wesentlicher Bestandteil für die Erzielung einer hohen Qualität bei der Herstellung von Healthcare- und Lifescience-Produkten. Unsere Verpackungs- und Kennzeichnungslösungen, die wir auf die Anforderungen dieser Industrie ausgelegt haben, unterstützen die Verarbeiter bei der sicheren ´Line Clearance´, beim schnellen und einfachen Chargenwechsel sowie hinsichtlich der Fälschungssicherheit der Produkte und der Rückverfolgbarkeit der Prozesse. Ebenso gewährleisten unsere Maschinen eine einfache und sichere Benutzerführung“, erklärt Verena Weiß, Produktmanagerin MCP (Medical, Cosmetics and Pharmaceutial Products) bei Multivac. Bei der Tiefziehverpackungsmaschine wurde das Maschinenkonzept im Sinne einer sicheren Line Clearance optimiert. Prozess- und Technikräume sind weitgehend voneinander getrennt. Sämtliche Installationseinheiten, darunter Schläuche, Kabel und Ventile, wurden aus dem Maschineninneren auf die Rückseite der Maschine verlegt. Damit verringert sich das Risiko, dass Produkte während des Verpackungsprozesses im Maschineninnenraum hängen bleiben und die Maschine angehalten werden muss.

Neue Diagnosesysteme für die Keimbesiedlung der Haut

Dank ihrer großen Vielfalt ist die Compamed auch immer wieder gut für neue Anwendungen mit grundsätzlich bekannten Mitteln. So präsentiert das CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik innovative Einsatzmöglichkeiten von UV-Licht. Unter der Bezeichnung „Advanced UV for Life“ haben sich acht Forschungseinrichtungen und 14 Industrieunternehmen zusammengeschlossen, um die energiereiche Strahlung zu nutzen. Im Rahmen der High-Tech-Strategie fördert das das Projekt, mit dem neue UV-LED-Lichtquellen entwickelt werden sollen, die auch in der Medizin und Medizintechnik Anwendung finden. Einsatzmöglichkeiten bestehen unter anderem in der Dermatologie, Phototherapie, Blutanalyse und Keimdetektion. Das CiS ist mitverantwortlich für die Entwicklung von integrierten optischen und impedimetrischen Sensoren sowie den Aufbau von Mikrosystemen auf der Basis von UV-LED-Bauelementen und Silizium-Detektoren für UV-Strahlung. Insbesondere für eine präzise Diagnostik die Keimbesiedlung auf der Haut werden neue Diagnosesysteme benötigt, die sicher und schnell Qualität sowie Quantität von Keimen bestimmen. Notwendig hierfür sind neuartige miniaturisierte UV-Technologien, gekoppelt mit biomedizinischen Sensoren. So werden hier Sensorlösungen benötigt, die verschiedene optisch-spektroskopische Verfahren nutzen wie UV-Remissions-, Fluoreszenz- oder Impedanzspektroskopie als Multisensorsystem.

IVAM-Forum: Laser, Mikropräzision und gedruckte Intelligenz 

CiS ist Mitglied im IVAM, dem Fachverband für Mikrotechnik, der auch in diesem Jahr wieder einen großen Gemeinschaftsstand mit rund 40 Ausstellern aus neun Nationen auf der Compamed organisiert. Zudem findet  2013 erneut das Compamed HIGH-TECH FORUM statt, das die Messe Düsseldorf gemeinsam mit dem IVAM organisiert. Schwerpunkte der zahlreichen Fachvorträge sind diesmal „Laser and Photonic Applications“, „Microprecision, Manufacturing and Processing“ sowie „Printed Intelligence“. Zudem gibt eine Singapur-Session einen Ausblick in den asiatischen Medizintechnik-Markt. In Planung sind darüber hinaus sind Sessions in Zusammenarbeit mit Microfluidic ChipShop und dem Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM). Mit anderen Worten: Aussteller und Präsentationen machen die Compamed 2013 in den Hallen 8a und 8b wieder zu einem „Muss“ für alle, die an Innovationen und Trends in Bezug auf die Produktentwicklung für die Medizintechnikindustrie interessiert sind.

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