07.09.2021 – Kategorie: Hardware & IT

Daten konsolidieren: So werden Geschäftsprozesse erfolgreich synchronisiert

Daten konsolidierenQuelle: Lechler GmbH
Im Kernland schwäbischer Tüftler nutzte die Lechler GmbH den Umstieg auf Pro.File zur Konsolidierung ihrer Produktdaten und zur Synchronisation globaler Geschäftsprozesse. Die Migration auf das neue PDM-/ PLM-System verknüpfte Europas…

Daten konsolidieren, ein Praxisbeispiel. Von Schneekanonen über Stahlwerke und Kreuzfahrtschiffe bis hin zu Pflanzenschutz und Nahrungsmittelproduktion: Lechler-Produkte bringen Flüssigkeiten in der richtigen Form präzise dosiert an den richtigen Ort. Mit über 25.000 Düsenvarianten ermöglicht das baden-württembergische Unternehmen optimierte Anwendungen in vier Geschäftsbereichen: allgemeine Industrie, Agrartechnik, Metallurgie sowie Umwelttechnik. 750 Mitarbeiter weltweit erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von 107 Millionen Euro – aktuell erwartet die Geschäftsführung ein Wachstum von 20 Prozent auf 125 bis 130 Mio. Euro.

Daten konsolidieren: Wachstum erfordert Organisation

Unterstützung an einem neuralgischen Punkt erfährt die Wachstumsstory vom neuen PDM-/PLM-System Pro.File. Seit dem erfolgreichen Go-live verwaltet, lenkt und verbindet Pro.File als technisch führendes System alle Produktdaten und Dokumente wie Zeichnungen, Modelle und Stücklisten. Das neue Product Data-Backbone ist Informationsbasis für alle Abteilungen und Standorte und synchronisiert durch die Kopplung an das SAP ERP Zeichnungen und Teiledaten automatisch. Via Schnittstelle wird zudem das bei Lechler als Dokumentenmanagementsystem (DMS) genutzte SharePoint mit Zeichnungen aus Pro.File bedient.

Aus vier mach eins

Lechler stampfte mit der Einführung von Pro.File die historisch gewachsene Heterogenität der Systeme ein. Dr.-Ing. Siegfried Foshag, Abteilungsleiter Entwicklung & Konstruktion, erläutert: „Faktisch hatten wir es vor der Umstellung auf Pro.File mit vier Einzellösungen im PDM zu tun. Da legten die vier Vertriebsbereiche über Jahre hinweg unterschiedliche Datenhaushalte, Strukturen und Prozesse an. Das betraf auch absolut gleiche Teile und Erzeugnisse, denen marktbezogen unterschiedliche Namen zugeordnet waren.“

Das Mindset sei inzwischen ein anderes – Konsolidierung ist angesagt: „Mit der Einführung von Pro.File wollten wir das PDM nah am Standard betreiben, damit die Release-Fähigkeit erhalten bleibt.“ Tatsächlich erfolgte im Dezember 2018 an allen Lechler-Standorten die erste Umstellung auf die nächste Version des PDM-Systems. Die Aktualisierung der eingesetzten CAD-Systeme Autodesk Inventor und AutoCAD wäre ohne den Wechsel auf das neue PDM-/PLM-System nicht mehr möglich gewesen, da das alte PDM-System die neuen CAD-Releases nicht mehr unterstützt hätte. Die Runderneuerung umfasste als letzte Maßnahme die Einführung des SAP ERP.

Daten konsolidieren
Asymmetrische Air-Injektor Dop- pelflachstrahldüse IDTA für den Pflanzenbau in Flächenkulturen.
Bild: Lechler

Partizipation von Beginn an

Klar ist, dass ein solcher Umbruch Fingerspitzengefühl, die richtigen Maßnahmen und einen beim Thema Daten konsolidieren versierten Implementierungspartner – Cideon – erforderte. Dr. Foshag: „Schon bei der Auswahl des neuen PDM-Systems waren Beteiligte aus allen relevanten Bereichen eingebunden.“

Daten konsolidieren
Dr.-Ing. Siegfried Foshag, Abteilungs- leiter Entwicklung & Konstruktion bei der Lechler GmbH. Bild: Lechler

Dass die Wahl der Verantwortlichen auf Pro.File fiel, hat laut Dr. Foshag zwei Gründe: „Pro.File hat durch das perfekte Zusammenspiel zwischen DMS- und PDM-Funktionalität in einem System mit internationalem Ansatz genau den Umfang, den wir benötigen. Zweiter Aspekt: Wir brauchen Investitionssicherheit, also eine Software, die auf lange Sicht unterstützt wird.“ Gleiches gelte für die externe Expertise bei der Umstellung/Einführung, wie Geschäftsführer Kunzmann betont: „Die Beratungsqualität bei der Einführung ist maßgeblich. Da wollten wir keinen schwachen Nischenanbieter, sondern ein wirtschaftlich solide aufgestelltes, erfahrenes Unternehmen wie Cideon. Es ist sehr hilfreich, dass Cideon auch Unternehmen aus anderen Branchen bei der PDM-/PLM-Einführung unterstützt und ein tiefes Verständnis von SAP und Autodesk mitbringt.“

Cideon schloss nach diversen Testläufen das Headquarter in Metzingen an Pro.File an. Eine Schnittstelle zu SharePoint war zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv. Im Anschluss erfolgte die Anbindung an SAP mit dem Cideon ERP-Connector. „Klar waren wir froh, dass eine solche Schnittstelle existiert“, bestätigt Dr. Foshag, „denn als feststand, dass es Pro.File werden würde, war das SAP ERP noch kein Thema.“ In der Niederlassung Aachen wurde die PDM-Lösung eingeführt. Es folgten die Niederlassungen in den USA sowie in England und Indien.

Erfolgreich Daten konsolidieren: Migration mit Augenmaß

Kontrollierte Offensive prägte den eigentlichen Migrationsprozess. Dr. Foshag rückblickend: „Selbstverständlich wollten wir alle Daten und Dokumente sowie einige Arbeitsweisen, an die wir uns über Jahre gewöhnt hatten, übernehmen. Zugleich gab es auch Anforderungen, die sich im alten System nicht umsetzen ließen.“ Die Lechler-Abteilungen definierten zuerst alle Prozesse, die für ein effektives und sicheres Tagesgeschäft notwendig sind. „

Alle standen hinter der Vereinheitlichung, jeder war im Boot.“ Für die Implementierung durchgängiger Standardprozesse kam die Cideon Toolbox zum Einsatz. Mit diesen Werkzeugen können die Prozesse im Unternehmen noch besser abgebildet werden und somit werden festgelegte Abläufe auch im Praxisalltag eingehalten. Indes zeigte sich, dass sich die Produktdaten und Workflows von vier Vertriebsbereichen nicht im Handumdrehen verschlanken und hinsichtlich PDM/PLM unter einen Hut bringen ließen. „Es ist eben doch ein deutlicher Unterschied“, so Dr. Foshag, „ob man eine Düse bestehend aus wenigen Bauteilen oder einen kompletten Ventilstand mit vielen Bauteilen zu konstruieren hat. Im Segment Umwelttechnik geht es schon Richtung Anlagenbau.“

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Guido Kunzmann, Geschäftsführer der Lechler GmbH. Bild: Lechler

Geschäftsführer Guido Kunzmann ergänzt: „Wir bewegen hier allein 100.000 Materialstammsätze. Die Vielfalt unserer 25.000 Produkte ist per se ein Thema. Sie unterscheiden sich in vielen technischen Sachmerkmalen, sei es Werkstoff, Durchfluss, Sprühwinkel oder Anschlussparameter.“ Obwohl Sonderlösungen bei der Umstellung minimiert werden sollten, waren einige spezifische Anpassungen unumgänglich, „um Prozesse sicherer zu machen oder die Arbeit zu erleichtern“, so Dr. Foshag.

Cideon übernahm: Eine in Pro.File realisierte Anpassung stellt sicher, dass die korrekte Reihenfolge der Arbeitsschritte eingehalten wird. Der Konstrukteur muss zuerst das 3D-Modell freigeben, bevor er die Zeichnung freigeben kann. Erst dann ist auch die Weitergabe an SAP und SharePoint zulässig. Eine andere Anpassung erzeugt bei Freigabe der Zeichnung – abhängig von der Produktnummer – zusätzlich eine Stückliste als PDF. Unterstützung erhält der Konstrukteur zudem bei der Versionierung von Zeichnungen. Es ist sichergestellt, dass die jeweils neueste freigegebene Zeichnung automatisch an SAP übertragen wird und überholte Versionen den Stempel „veraltet“ erhalten.

Pro.File meets SAP

Klare Verhältnisse schaffte Lechler in enger Kooperation mit Cideon bei der Übernahme der Altdaten. Zwar fand die eigentliche Datenaufbereitung erst nach der Urladung direkt in Pro.File statt. Davor aber wurden die Merkmale der Klassen überarbeitet und ergänzt. Cideon selbst baute rund 330 Sachmerkmale neu auf und legte für alle CAD-Dokumente einen Teilestamm in der PDM-Software an, damit auch die schnittstellengestützte Übergabe der Stücklisten an Inventor reibungslos funktioniert. „Die Entscheidung, die Stückliste in Pro.File zu speichern, war eine wesentliche Neuerung“, erörtert Dr. Foshag, „in der Vergangenheit war die Stückliste in der Regel nur als Text auf der Zeichnung vorhanden, ohne Verbindung zum PDM-System.“

In der PDM-Lösung liegt sie nun digital vor und kann in die Zeichnung eingefügt, als eigenständiges Dokument gedruckt und an andere Systeme weitergegeben werden. Die Schnittstelle zu SAP ermöglicht eine weitere Workflow-Anpassung, die für mehr Nachhaltigkeit sorgt: Alle konstruktiv benötigten Teile werden im PDM-System angelegt und an SAP zur weiteren Bearbeitung übertragen. Dr. Foshag: „Sind Änderungen notwendig, erfolgen sie zuerst in Pro.File und werden anschließend an SAP übertragen. Damit ist sichergestellt, dass zukünftig die Teilebezeichnung, Werkstoffe sowie technische Daten in beiden Systemen übereinstimmen.“

Mit der Einführung von Pro.File beendete Lechler die historisch gewachsene Heterogenität der PDM-Systeme. Bild: Lechler GmbH

Saubere End-to-End-Prozesse von Konstruktion über Arbeitsvorbereitung und Einkauf bis Fertigung und Vertrieb im Stammhaus Metzingen sind das eine. Kollaborationsszenarien in der Zusammenarbeit mit Engineering-Partnern sowie den ausländischen Töchtern sind das andere. „Auch deswegen haben wir uns beim Thema Daten konsolidieren für Pro.File entschieden“, so Dr. Foshag, „da ist die Mehrsprachigkeit nur ein Aspekt. Die Replika­tionslösung von Procad mit ihrem permanent ablaufenden Datenabgleich ermöglicht es auch an unseren ausländischen Standorten, schnell auf Daten und Dokumente zuzugreifen.“

Für den ganzheitlichen Ansatz ist ein Berechtigungskonzept erforderlich, das sich mit der PDM-/PLM-Software umsetzen ließ. Digitalisierungspartner Cideon ergänzte die Authentifizierung inklusive Rechtevergabe im Replikationsmodul um eigene Lösungen für die Administration der Benutzerberechtigungen in Pro.File. „Das System läuft stabil, schon die Einführung war vergleichsweise geräuscharm“, konstatiert Lechler-Geschäftsführer Guido Kunzmann. Ihm bereitet auch die perspektivische Einführung des PDM-/PLM-Systems am neuen Standort in China 2020/2021 kein Kopfzerbrechen. Guido Kunzmann: „Cideon verbindet Prozessverständnis und Empathie mit einer fundierten Aufwand-Nutzen-Abwägung. Das macht es wertig.“

Von Birgit Hagelschuer.

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