08.09.2021 – Kategorie: Konstruktion & Engineering

Die AutoCAD-Expertenrunde: Tipps und Tricks

ExpertenrundeQuelle: microstock3D/shutterstock
Die AutoCAD-Expertenrunde mit ausgewählten Leseranfragen und wertvollen Tipps und Tricks rund um AutoCAD.

Alle Tipps sollen zum selbstverständlichen Umgang mit AutoCAD und seinen vertikalen Lösungen animieren, ihn vor allem erleichtern. Aus den vielen Leseranfragen haben wir die zur Veröffentlichung ausgewählt, die allen Anwendern auch einen praktischen Nutzen ­versprechen. Die Fragen beantwortet unser Experte Wilfried Nelkel.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 1: Layer mit Objektfilter konvertieren

Mit dem AutoCAD-Befehl LAYKONV (Layerkonvertierungsprogramm) haben wir uns eine automatische Übersetzungsdatei für Fremdzeichnungen erstellt und als *.DWS gespeichert. Mit den AutoCAD-Bordmitteln ist es aber nicht möglich zu einem späteren Zeitpunkt die gespeicherte DWS-Datei zu bearbeiten und zu verändern. Da unsere Fremdanbieter immer wieder auf demselben Layer mit unterschiedlichen Farben zeichnen, ist es sehr aufwändig einzelne Elemente auszufiltern und gleichzeitig auf eine gesonderte Layerebene zu verschieben. Wir suchen daher nach einem Programm, das Elemente anhand von Kriterien wie Layerbezeichnung, Farbe, Linientyp und Linienstärke automatisch aus Layern ausfiltert. Die Elemente sollten gleichzeitig nach der Filterung, unter Anwendung der frei definierten Filterkriterien, in eine neue Layerbezeichnung überführt werden. Ideal wäre es, wenn sich die Kriterien zu einem späteren Zeitpunkt nochmals verändern ließen.

Unser Experte: Eine nachträgliche Änderung der Mapping-Konfiguration und Layer-Einstellungen sind möglich. Wenn Sie das Layerkonvertierungsprogramm starten und die gespeicherte Layerzuweisung über den Button „Laden“ öffnen, ist es wichtig, dass Sie den Dateityp von DWG auf DWS im unteren Bereich des Dateidialogs umschalten. Somit haben Sie immer die Möglichkeit, Ihre einmal erstellte Konfiguration zu verändern und gegebenenfalls unter einem neuen Namen abzuspeichern. (Bild 1)

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Bild 1: eine bereits bestehende Layerzuordnungsdatei laden.

Was Ihre Frage zur Objektwahl betrifft, käme dort eine Programmierung mit dem so genannten Kanonenschuss auf Spatzen gleich. Nutzen Sie doch einfach die Schnellauswahl von AutoCAD über die Eigenschaftenpalette. (Bild 2)

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Bild 2: Schnellauswahl über die Eigenschaftenpalette starten und Objekte wählen.

Sie können hier objektunabhängig nach Eigenschaften suchen. Entweder für die gesamte Zeichnung oder über einen bestimmten Bereich. So ist es möglich, unabhängig Objekte auf einem bestimmten Layer oder in einer bestimmten Farbe auszuwählen. Alternativ können Sie objektbezogen Linien wählen, die auf einem bestimmten Layer liegen. Wenn Sie Objekte ohne Schnellauswahl einfach auswählen möchten, etwa eine Linie auf dem Layer „Abwasser“, einen Bogen auf dem Layer „Abwasser“ und eine Polylinie auf dem Layer „Regenwasser“, können Sie im Kontextmenü ÄHNLICHE AUSWÄHLEN aktivieren. (Bild 3)

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Bild 3: Kontextmenü nach Auswahl von Objekten mit dem Eintrag ÄHNLICHE AUSWÄHLEN.

Das würde in unserem Beispiel dann bedeuten, dass alle Linien und Bogen auf dem Layer „Abwasser“ und alle Polylinien auf dem Layer „Regenwasser“ ausgewählt sind. Anschließend können Sie über die Eigenschaftenpalette die notwendigen Eigenschaften verändern. Der Befehl ÄHNLICHE AUSWÄHLEN wirkt immer auf den Objekttyp in Kombination mit dem Layer des gewählten Objekts.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 2: Flächeninfo in AutoCAD MAP 2021

Ich arbeite mit AutoCAD MAP 2021. Dort habe ich mir einen Block eingerichtet, um geschlossenen Polylinien die Flächeninfo zu entlocken, über „Beschriften und Einfügen“. Er erzeugt allerdings so viele Nachkommastellen wie er finden kann, was dazu führt, dass die Zeichnung unübersichtlich wird. Ich habe bereits versucht, das Ganze über EINHEITEN anzupassen, jedoch wird diese Einstellung offenbar ignoriert. Haben Sie einen Tipp für mich, wie ich mal keine, mal zwei oder ab und zu auch vier Nachkommastellen festlegen kann?

Unser Experte: Sie müssen hier die MAP-Funktion Beschriften/Einfügen aus dem Arbeitsbereich „Planung und Analyse“ nutzen. Hier ruft man den Befehl MAPANNINSERT (MAP-Anmerkung einfügen) auf. Das sind MAP-Blöcke mit Zugriff auf die MAP-Objektdatenfelder und den möglichen Ausdrucken, die nur in AutoCAD MAP oder -Civil 3D zur Verfügung stehen.

1. MAPANTEMPLATE oder MAPANTEMPLATEEDIT aufrufen, um die Anmerkungsvorlage zu bearbeiten; der Blockeditor öffnet sich

2. MAPANNTEXT aufrufen und den zu ändernden Anmerkungstext (Attribut) auswählen

3. LISP-Ausdruck (STRCAT (RTOS.AREA 2 3) „m²“) eintragen, um die Fläche einer Polylinie auf drei Nachkommastellen zu runden und mit der Endung “m²“ zu versehen.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 3: Layoutname im Schriftkopf automatisch übernehmen

Aktuell arbeiten wir mit AutoCAD 2022 und würden gerne in unserem Schriftkopf, der als Block in die Zeichnung eingefügt wird, die Bezeichnung des Layouts übernehmen. Wir finden in der Schriftfeldkategorie „Plot“ aber nur ein Schriftfeld mit dem Namen der Seiteneinrichtung. Da wir viele Layouts nutzen, die die gleiche Seiteneinrichtung verwenden, ist diese Variante für uns nicht so hilfreich.

Aktuell behelfen wir uns mit einem Attribut, das wir mit einem Doppelklick bearbeiten können. Hier müssen wir jedoch den Namen des aktuellen Layouts immer manuell eintippen, was natürlich zu Fehlern und zusätzlichem Aufwand führt. In AutoCAD 2022 haben wir aktuell auch keine neue Möglichkeit gefunden. Wissen Sie eine Lösung?

Unser Experte: Aktivieren Sie die Schriftfeldkategorie „Andere“ und wählen den Schriftfeldnamen „Systemvariable“. Hier finden Sie die Systemvariable CTAB, die immer den Wert des aktuellen Layoutnamens besitzt. Dieses Schriftfeld können Sie auch in Ihren Block integrieren. Nach dem Regenerieren oder dem Plotten wird der Wert des aktuellen Layoutnamens automatisch in diesem Schriftfeld angezeigt. (Bild 4)

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Bild 4: Schriftfeld mit Systemvariablenauswahl CTAB.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 4: Lassoauswahl macht Probleme

Die Freihandwahl in AutoCAD finde ich grundsätzlich nicht schlecht. Ich persönlich bin jedoch eher ein „Drücken-und-Ziehen-Mensch“. Früher habe ich mein Auswahlfenster immer mit einem Druck auf die linke Maustaste aufgezogen. Am anderen Eckpunkt habe ich dann die Maustaste losgelassen und alles war gut. Seit der Einführung der Freihandwahl kommt nun immer das Auswahllasso. Kann ich das ausschalten?

Weiter ist mir aufgefallen, dass es etwas problematisch ist, das richtige Lasso zu starten. Es hängt offenbar davon ab, ob ich das Lasso im Uhrzeigersinn oder entgegen öffne. (Bild 5)

Bild 5: Freihandwahl von Objekten – hier Zaunlasso in grün dargestellt.

Unser Experte: Das Lasso können Sie in den Optionen  Registerkarte „Auswahl“ abschalten. Hierzu deaktivieren Sie einfach die Option im linken Bereich mit der Beschreibung „Drücken und Ziehen für Lasso zulassen“. (Bild 6)

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Bild 6: Lassowahl in den Optionen deaktivieren.

Ich persönlich finde die Freihandwahl praktisch. Ein „Klick-Klick-Mensch“, also jemand, der ein Fenster durch zweimaliges Drücken der linken Maustaste bestimmt, tut sich hier natürlich leichter. Eine Empfehlung von mir: Wenn Sie das Lasso abschalten, können Sie eine alte Objektwahlmethode von AutoCAD nutzen: Sobald AutoCAD die Aufforderung „Objekte wählen“ bringt, haben Sie die Möglichkeit, über Objektwahloptionen eine bestimmte Art der Objektwahl zu erzwingen. Geben Sie etwa ein „F“ ein, erfolgt eine Fensterwahl, egal in welche Richtung Sie ihr Auswahlfenster aufziehen. Ebenso gibt es die erzwungene Kreuzenwahl über die Eingabe von „K“.

Eine mit dem Lasso vergleichbare Objektwahlmethode ist die Option „FP“ oder „KP“. FP startet eine polygonale Fensterwahl, KP eine polygonale Kreuzenwahl.

Was Ihre Einlassung betrifft, dass die Richtung des Lassos ausschlaggebend ist, ob ein Fensterlasso oder ein Kreuzenlasso geöffnet werden, lesen Sie einmal in der Befehlszeile nach: Egal, welches Lasso Sie geöffnet haben, lässt sich durch Drücken der Leertaste zwischen Fensterlasso, Kreuzenlasso und Zaunlasso durchschalten.

AutoCAD-Expertenrunde Tipp 5: Eigene Blattformate „mitnehmen“

Ich habe in AutoCAD 2019 diverse Drucker installiert, um zusätzliche Blattformate zu erzeugen. Nun bin ich auf AutoCAD 2022 umgestiegen und bekomme auch einen neuen Rechner mit Windows 10. Auf diesem PC hätte ich gerne wieder genau die gleichen Drucker und Blattformate zur Verfügung. Geht das?

Unser Experte: Grundsätzlich gibt es in AutoCAD zwei Arten von Druckern. Zum einen die Windows-Systemdrucker und die reinen AutoCAD-Drucker (PC3-Drucker benannt). Diese AutoCAD-Drucker finden Sie in der Systemsteuerung „Autodesk-Plotter-Manager“. Ein Klick darauf, führt zu folgendem Verzeichnis: C:\ProgramData\Autodesk\ACA 2022\deu\Plotters. Diesen Pfad könnten Sie über die Option „verbiegen“ zum Beispiel auf einen Server legen. So ist sichergestellt, dass jeder Benutzer mit den gleichen Plotter-Konfigurationen arbeitet. (Bild 7)

Bild 7: Suchpfad für Druckerkonfiguration in den AutoCAD-Optionen.

Um dies zu bewerkstelligen, kopieren Sie einfach den gesamten Ordner „Plotters“ des obigen Pfads an einen Netzwerkspeicherort und verändern an jedem AutoCAD-Rechner in den Optionen den entsprechenden Pfad. Sie sehen, dass sich hier beispielsweise der PDF-Treiber von AutoCAD als PC3-Datei befindet: „DWG to PDF.pc3“. Jede PC3-Datei lässt sich mit einem Doppelklick öffnen und der Drucker hier näher definieren.

Blattformate filtern: Sie haben im Plotter-Dialog, zu dem wir später kommen, einen Plotter ausgewählt und wollen sich das richtige Blattformat suchen. Gefühlte 100 Formate tauchen auf, die mehr verwirren als helfen. Filtert man hier nun die Blattformate dahingehend, dass nur die ISO-Formate ausgewählt werden, die wichtig sind, werden diese sowie eventuell manuell hinzugefügte Blattgrößen im Verzeichnis PMP-Files gespeichert.

Öffnen Sie „DWG to PDF.pc3“ mit einem Doppelklick, dann werden Informationen zum Plotter, Treiber usw. angezeigt. Das bedeutet auch, dass bei einer Konfiguration im Netzwerk jeder Windows-Drucker den gleichen Treiber verwenden sollte, damit die PC3-Netzwerkdrucker auch auf den korrekten Windows-Drucker zugreifen können (Anschluss, Druckername usw.). Die Registerkarte „Anschlüsse“ erlaubt die Festlegung des Anschlusses, an den gedruckt wird. Normalerweise ist hier nichts einzustellen.

Interessanter ist hier schon die nächste Registerkarte „Geräte- und Dokumenteinstellungen“. Die Dialogbox lässt sich auch größer ziehen. (Bild 8)

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Bild 8: Geräte und Dokumenteneinstellungen.

Gehen Sie im Bereich „Kalibrierung & benutzerdefinierte Papiergrößen“ auf den Eintrag „Papierformate filtern“. Ich bevorzuge es, hier zunächst alle Markierungen aufzuheben, um dann im nächsten Schritt nur die Papierformate auszuwählen, die ich wirklich sehen möchte. Nun markiere ich in einem zweiten Schritt die Formate, die ich verwenden will. Beim PDF bevorzuge ich die „ISO-full-bleed-Ax“-Formate, da diese ohne Rand definiert sind.

Sollten Sie Konstruktionen teilweise als PDF, mal in Blattform weitergeben wollen, so empfehle ich, sich zunächst am druckbaren Bereich des Plotters zu orientieren und die PDF-Formate ebenso mit Rand zu definieren.

Damit nun jeder Benutzer auch auf die gleichen Blattformate (und auch die gefilterte Auswahl) zugreifen kann, muss zunächst mal eine PMP-Datei erzeugt werden. Das geschieht in der Regel automatisch, sobald Papierformate gefiltert wurden. Sie können das in der pc3-Datei selbst überprüfen, indem Sie auf den Eintrag „PMP-Dateiname“ klicken. Hier sollte nun ein Pfad stehen. Wichtig: Verändern Sie vor dem Filtern der Papierformate den Pfad in den Optionen auf allen Rechnern. Sollte man das vergessen, müsste man die PMP-Datei manuell über den Button „Zuordnen“ wieder mit der PC3-Datei verknüpfen.

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