Großformatdrucker: Worauf kommt es an?

0

Vor über 20 Jahren führte HP die Tintenstrahltechnologie auch für Formate bis DIN A0 ein. Damit wurden Technologien wie die „Elektrostaten“ oder Stiftplotter abgelöst. Die einen waren extrem teuer; die andern – die Stiftplotter – wurden zu langsam: Für eine Zeichnung im Format DIN A0 konnte man eine Stunde oder mehr warten. Von den Stiftplottern übrig geblieben ist die Druckersprache HP-GL/2, die von HP eigens für deren Ansteuerung entwickelt worden war. HP-GL/2 ist bis heute der Standard beim Druck technischer Zeichnungen.
Tipp 1: Ein technischer Drucker sollte auf jeden Fall HP-GL/2 „verstehen“.

Die Möglichkeit, nicht nur Linien zu definieren, sondern dank der Tintenstrahltechnologie einzelne Punkte ansteuern zu können, erforderte die Entwicklung weiterer Druckersprachen. Auch hier setzte HP Standards mit PCL3, PCL5 und HP RTL. Herstellerübergreifend wurde bald Adobe PostScript zur gängigen Sprache. Da Original-PostScript (PS) durch Lizenzgebühren den Preis von Druckern erhöht, verwenden manche Hersteller eigene PS-Derivate.
Tipp 2: Emulationen bilden nicht immer das ab, was der Konstrukteur beabsichtigt – zum Beispiel kann es sein, dass Fonts nicht richtig dargestellt werden oder Linien falsche Strichstärken oder Farben aufweisen – oder gleich ganz fehlen. Achten sie darauf, bei der Auswahl der Druckersprachen das Original zu bekommen.

Nominale Druckgeschwindigkeiten stellen sich heute nicht mehr in „Stunden pro Zeichnung“ dar, sondern in „Zeichnungen pro Minute“. Schnelle „herkömmliche“ Drucker liefern heute bis zu 4 DIN-A1-Zeichnungen in 60 Sekunden; mit neuen Technologien (zum Beispiel HP PageWide XL) sogar bis zu 30 DIN-A1-Seiten pro Minute. Das Tempo ist allerdings nicht nur abhängig vom so genannten Druckwerk, sondern wesentlich auch davon, wo die Daten für den Druck aufbereitet werden. Bei preiswerten Druckern wird dafür oft die Rechenleistung des PCs oder der Workstation verwendet. Das hat zum einen zur Folge, dass Rechenleistung von dort abgezogen wird, zum anderen, dass unnötig große Dateien über das Netzwerk geschickt werden. Dazu kommt, dass gut programmierte Treiber die Dateien nur einmal schicken, auch wenn mehrere Kopien verlangt werden: Die Anzahl der Kopien wird einfach an den Drucker mitgeschickt. Andere Treiber versenden die Druckdatei so oft, wie es der Anzahl der verlangten Kopien entspricht. Das Datenvolumen erhöht sich dramatisch.
Tipp 3: Achten Sie darauf, dass der Drucker die Arbeit des Renderns übernimmt. Der Drucker kann das schneller, und sowohl PC als auch Netzwerk werden entlastet.

Ein Thema, das wohl alle Anwender beschäftigt, sind die Druckkosten. Ein Vergleich zwischen den Preisen der Tintenpatronen schafft hier keine Entscheidungshilfe. Selbst wenn wir uns auf die Tintenkosten beschränken (und damit Supportkosten oder Kosten für Nachdrucke, die nötig sein können, weil ein erstes Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, außen vorlassen), lohnt sich ein genauer Blick.  Als Faustregel gilt: Je teurer der Drucker, desto preiswerter die Tinte. Allerdings: Nicht alle Tinte landet auf dem Papier. Einige Drucker nutzen viel Tinte, um das Drucksystem zu reinigen. Ein notwendiger, aber unter Umständen recht teurer Vorgang, denn die Tinte, die dafür verwendet wird, ist verloren, ohne dass damit gedruckt wurde.
Tipp 4: Ihr Fachhändler weiß, was der Drucker tatsächlich verbraucht. Schauen Sie direkt am Drucker nach, ob es einen Tintenauffangbehälter gibt. Gibt es ihn nicht, ist das ein gutes Indiz für geringe Tintenkosten. Wenn Sie die Möglichkeit haben, bitten Sie Ihren Fachhändler darum, eine „große Reinigung“ des Drucksystems zu initiieren, eventuell auch mehrmals hintereinander. Schauen Sie sich die Tintenmenge im Tintenbehälter vor und nach dieser Reinigung an. Oder besser noch: wiegen Sie den Behälter mit einer Briefwaage vorher und nachher.

Bleiben wir noch ein wenig bei der Tinte. Es stellt sich die Frage, wie viele Tintentanks (=Farben) nötig sind. Theoretisch reichen 3 Farben aus – Cyan, Magenta und Gelb (CMY). Damit lassen sich durch Weglassen (= Weiß) und Mischen der Farben (zum Beispiel: Gelb + Magenta = Rot) bis hin zur kompletten Deckung (alle drei Tinten = Schwarz) alle Farben darstellen. Theoretisch. Praktisch hat sich gezeigt, dass das zusammengesetzte Schwarz kein wirkliches Schwarz ist. Deswegen sind heutzutage alle Drucker mit einem vierten Tank ausgestattet: Schwarz (K). Was macht der Drucker aber mit grauen Linien oder Flächen? Hier wird oft noch immer gemischt, und kein wirklich neutrales Grau erzeugt.
Tipp 5: Oft sind neutrale Grautöne gewünscht. Achten Sie darauf, dass der Drucker über sechs Farben verfügt. Außer CMYK finden sich dann noch zwei weitere unbunte Farben (zum Beispiel Grau und Fotoschwarz) für die neutralen Grautöne und tiefes Schwarz.

Und noch etwas zur Tinte: Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Tinte: Zum einen pigmentierte Tinten, in denen feste Farbstoffpartikel enthalten sind. Zusammen mit der Trägerflüssigkeit bilden die etwa 50 bis 150 Nanometer kleinen Partikel eine Dispersion. Pigmentierte Tinten erhöhen die Haltbarkeit der Drucke; sie werden hauptsächlich für Poster, Plakate oder Fotografien verwendet. Die andere Tintenart enthält die Farbstoffe in einer Lösung. Die gelösten Partikel sind nur etwa 2 Nanometer klein. Mit dieser „Dye“-Tinte können präzisere Linien gedruckt werden – und sie sind typischerweise etwas preiswerter als pigmentierte Tinten.
Tipp 6: Hersteller teilen ihre Drucker in „technische“ und „grafische“ Geräte ein. Einer der Unterschiede zwischen den beiden Typen ist die Art der verwendeten Tinte. Für CAD-Zeichnungen wählen Sie einen technischen Drucker.

Neben den Anschaffungs- und den Betriebskosten ist entscheidend, wie sich der Drucker in der täglichen Arbeit bewährt. Dazu stellen Sie ein paar grundsätzliche Überlegungen an: Wie hoch ist Ihr Druckvolumen? Drucken Sie jeden Tag ein wenig, oder stoßweise? Wie viele Mitarbeiter schicken ihre Aufträge an das Gerät? Wie viele unterschiedliche Papiere oder Formate drucken Sie? Arbeiten Sie zum Beispiel mit zwei Standardgrößen, kann es sich lohnen, ein Gerät zu beschaffen, das mehr Papierrollen aufweist. Dadurch entfällt ein häufiges Wechseln, Sie sind weniger mit dem Drucker beschäftigt und können sich auf Ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Drucken Sie mehr als ein paar Plots auf einmal? Dann empfiehlt sich ein Drucker mit einem richtigen Ablagefach statt eines Auffangkorbs. Die Zeichnungen purzeln dann nicht unsortiert in den Korb und verknicken womöglich, sondern werden sauber aufeinander gelegt. Moderne, schnelle Geräte weisen sogar den direkten Anschluss an einen Falter auf – die Plots werden gleich nach dem Druck normgerecht gefaltet.
Tipp 7: Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Fachhändler, um alle Fragen vor einer Kaufentscheidung zu klären.

Neben der Hardware sind das Bedienmenü und die Firmware eines Druckers entscheidend für seine Leistung. Über das Control Panel werden unterschiedlichste Einstellungen vorgenommen, oder es können Verbrauchsdaten ausgelesen werden. Auch Funktionen wie „Schachteln“ oder „Warteschlange“ werden über das Menü gesteuert. Über eine Internet-Verbindung wird die Firmware automatisch aktualisiert. Dadurch werden etwa Fehler in der Programmierung behoben; ab und zu „lernt“ der Drucker Neues über ein Update.
Tipp 8: Falls Ihr Großformatdrucker seine Firmware nicht automatisch aus dem Internet installiert, sollten Sie sich alle 3 bis 6 Monate die Zeit nehmen, eine manuelle Aktualisierung durchzuführen. Moderne Drucker nehmen Ihnen über die Internetverbindung diese Arbeit ab.

Fazit

Gerade für CAD-Anwender bleibt der Großformatdruck A1 oder größer) auf Sicht sinnvoll, wenn nicht sogar notwendig. Es lohnt sich, sich genau zu überlegen, welche Eigenschaften der Drucker haben soll. Die Anzahl der Anbieter ist recht übersichtlich, und die Fachhändler sind gut geschult, sodass eine Kaufentscheidung schnell getroffen werden kann. Wie bei allen Investitionsgütern gilt auch hier: Der Preis macht nicht den entscheidenden Unterschied, denn billig entpuppt sich im Nachhinein oft als teuer. (anm)

  • Großformatdrucker sind heute Teil kompletter Arbeitsabläufe.
  • HP PageWide XL 8000 – druckt bis zu 30 DIN-A1-Seiten pro Minute.
  • Moderner Großformatdrucker: zwei Rollen, Ablagefach für die fertigen Plots, internetfähig.
RSS Feed

Kommentare

Es wäre interessant, das Thema Haltbarkeit / Tintenarten / UV-Beständigkeit etwas zu vertiefen.
Eine Alternative zum (meist teuren) Mehrrollendrucker sind auch mehrere (meist günstigere) Einrollendrucker. Doppelte Geräte bringen doppelte Leistung, bei Ausfall eines Geräts immer noch eines vorhanden, mechanisch einfacher, einfacher anzusteuern ...

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags