Inventor HSM 2016: Industrie 4.0 praktisch

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Kann es sein, dass die aktuellen Tools und Werkzeuge nur teilweise richtig eingesetzt werden? Eine These, die Sie für sich praktisch überprüfen können! Denn gerade jetzt hat Autodesk die neuen Varianten der verschiedenen Suiten veröffentlicht. Sehen wir uns den neuen Funktionsumfang für CAD/CAM an und prüfen, was sich aus dem Industrie-4.0-Ansatz in Ihrem Betrieb mit angeschlossener Fertigung umsetzen lässt.

AnyCAD – die Modelle der anderen CAD-Systeme

Die technische Kommunikation und der damit verbundene Datenaustausch zwischen den verschiedenen CAD-Systemen führen oft zu einem Mehraufwand durch Konvertierung. Daraus folgt, dass sich Änderungen nicht so schnell umsetzen lassen, wie es ohne Konvertierung möglich wäre.
An dieser Stelle gab es Optimierungspotenzial, das nun durch die neue AnyCAD-Funktionalität von Inventor 2016 umgesetzt wurde. Wenn Sie zum Beispiel ein Pro/E-Bauteil erhalten, das Sie in Ihrer CNC-Fertigung produzieren sollen, stehen Ihnen nun während des Öffnens einer Baugruppe zwei Optionen zur Verfügung. Sie können hierbei entscheiden, ob Sie die Baugruppe importieren oder nur referenzieren möchten.

Modelle importieren oder referenzieren?

Der Unterschied liegt darin, dass Sie bei der Referenz, ähnlich wie beim STEP-Import, eine Basis, plus die Möglichkeit, bei einer neuen Version das Modell aktualisieren zu können, erhalten. Diese Funktionalität kennen Sie von der Inventor-Funktion „Abgeleitete Komponente“. So bleibt die Verbindung zum Original-Konstruktionszyklus erhalten. Gilt es, eine kurzfristige Änderung umzusetzen, ist es nicht notwendig, alles neu zu definieren. Mit Inventor 2016 verlinken Sie ihre Produktionsplanung  mit den originalen Konstruktionsdaten und Sie können dabei auch eine Auswahl treffen, welche Bauteile oder Baugruppen Sie verwenden möchten. Bei Bedarf kann der Link auch gelöst werden. Bei diesem Vorgang werden nur die Teile und Baugruppen, die Sie genutzt haben, importiert. So können dann auch allgemeine Änderungen durchgeführt werden.

Adaptive Fertigung – das 3D-Drucken

Der 3D-Druck ist für viele die Zukunft; aber es gibt schon heute Bauteile, die gedruckt anstatt aufwendig gegossen werden. Doch bis jedes Maschinenbauunternehmen in seiner Serienproduktion den 3D-Druck nutzt, wird noch etwas Zeit vergehen. Allerdings liegen die Vorteile klar auf der Hand. In der Herstellung eines Prototypen empfiehlt sich der 3D-Druck als günstige Alternative zur klassischen Fertigung. Die Firma Autodesk unterstützt diesen Trend, wie Sie wissen, mit einer eigenen 3D-Druckertechnik. So ist es leicht zu verstehen, dass Inventor mit dem 2016-Release um eine 3D-Druck-Aufbereitungsumgebung erweitert wurde. Die 3D-Druckumgebung bietet eine Reihe von Werkzeugen für die adaptive Fertigung und den 3D-Druck. Modelle können je nach verwendetem 3D-Drucker als Ganzes oder in Teilen gedruckt werden. Bitte berücksichtigen Sie, dass die 3D-Druckumgebung nur im Bauteildokument zur Verfügung steht. Inventor unterstützt eine ganze Reihe von 3D-Druckern. Unter anderem finden Sie neben dem Autodesk-eigenen 3D-Drucker „Ember“ auch allseits beliebte Drucker wie den „Makerbot“. Möchten Sie einen 3D-Druckdienstleister beauftragen, können Sie eine STL-Datei Ihrer Druckaufbereitung erzeugen und diese direkt verschicken.

Drehen und Drehfräsen

Drehen und Fräsen gehören zu den grundlegenden Fertigungsabläufen in einem produzierenden Maschinenbauunternehmen. Mit dem Update auf 2016 wurde nun der Bereich Drehen in die HSM-Lösungen integriert. So können Sie schon bei dem Setup Ihres Bauteils festlegen, mit welcher Bearbeitungsmethode Sie den Rohling bearbeiten wollen. Danach können Sie dann mit den Drehstrategien Flächenplanen, Profilkonturen Schruppen / Schlichten, Nuten setzen, Bohren, Gewinde schneiden und das Drehfräsen für das Fasen von scharfen Ecken einsetzen, die vorher im Design nicht gefast wurden.
Beim Innendrehen oder Bohren können Sie zwischen vorprogrammierten Bearbeitungszyklen oder Festzyklen wählen. Bei Bedarf steht auch eine Kombination aus beiden Zyklusarten bereit. Übrigens, Inventor HSM unterstützt die Programmierung von Zweispindel-Drehmaschinen mit Doppelrevolverkopf in allen gängigen Bearbeitungsverfahren. Die Drehfräsbearbeitungen können in Kombination mit 2-Achsen- oder 3-Achsen-Fräsoptionen durchgeführt werden. Darüber hinaus ist wichtig zu erwähnen, dass die Drehstrategien nicht in den kostenfreien Expressvarianten der Autodesk-HSM-Lösungen enthalten sind.

Inventor HSM Pro Version

Die Inventor-HSM-Pro-Variante ist seit November 2014 auf dem Markt verfügbar und rundet die einsetzbaren Strategien mit Funktionen für die 5-Achsen-Simultanbearbeitung ab.  Das bedeutet: Mit der 5-Achsen-Kontur-/5-Achsen-Wälzfräsbearbeitung sowie der Mehrachsen-Schwenk-Option für die 3D-Kontur-Bearbeitung können Sie ihre 5-Achsen-Bearbeitungszentren optimal nutzen. Hierdurch wird es möglich, hochkomplexe Bauteile zu fertigen, die Rüstzeiten zu verkürzen und eine optimale Oberflächenqualität zu erzielen. In Verbindung mit der FEM-Berechnung und der Formenbau-Bibliothek von Inventor Professional 2016 sind Sie dann für die Konstruktion im Formenbau passend ausgestattet.

A360 für Industrie 4.0

Die Cloud! – Ärgernis oder Heilsbringer? – Die rechtliche Seite ist für viele deutsche Unternehmen nicht ausreichend geklärt. Aber diese Diskussionen werden wahrscheinlich  nie zu einem Ende kommen. Die Cloud und die darin realisierten Dienste bilden jedenfalls einen sehr wichtigen Bestandteil des Industrie-4.0-Ansatzes. A360 ist im Autodesk-Softwareportfolio das Bindeglied zwischen den Projektbeteiligten. Ein sehr wichtiger Aspekt stellt bei A360 die Sicherheit Ihrer Daten dar. Sie können hier Projekte anlegen, Berechtigungen verwalten und auch ohne CAD die Konstruktionsdaten betrachten. Das ist einer von zwei Punkten, die A360 von anderen allgemeineren Lösungen anderer Anbieter unterscheidet. Des Weiteren unterstützt A360 über 100 verschiedene Dateiformate, dazu gehören die Formate der Autodesk-Produkte wie AutoCAD, Revit und Inventor. Auch Dateiformate von anderen CAD-Systemen wie Solidworks, Catia und Pro/E gehören dazu. Das bedeutet, dass Ihre Kunden die zu fertigenden Modelle  in einem vorher mit Ihnen vereinbarten Projekt auf A360 ablegen und Ihre Mitarbeiter, die für dieses Projekt eingeteilt wurden, darauf zugreifen können. Anschließend steht der Produktionsplanung via AnyCAD oder direktem Öffnen nichts mehr entgegen. Das ist möglich, weil A360 ein Bestandteil der Inventor-HSM-Installation ist. Zum Subskriptionsvertrag haben Sie nämlich einen kostenfreien Cloud-Speicherplatz inklusive. Also, warum diesen nicht für den Datenaustausch nutzen und so die Zusammenarbeit sicherer und einfacher machen? Wichtig ist noch zu erwähnen, dass Sie auf Projekte über Ihre Autodesk-Software zugreifen und Mobilgeräte wie Smartphones oder Tablettsysteme nutzen können, um Modelle zu evaluieren und zu präsentieren. Sie brauchen keine Zeichnungen mehr bei einem Kunden-Meeting mit sich zu führen.

Fazit

Industrie 4.0 und das Internet der Dinge sind gerade erst im Aufbruch. Unternehmen in  Deutschland haben den Zug noch lange nicht verpasst. Von der Idee am „Grünen Tisch“ bis zu der praktischen Umsetzung dauert es einfach etwas. Doch wenn Sie in einem  Maschinenbauunternehmen die Möglichkeiten ihrer Suite passend einsetzen und die damit verbundenen Möglichkeiten der grundlegenden Kommunikation mit Ihren Auftraggebern nutzen, dann können Sie gerade mit Inventor HSM 2016 den Zeitbedarf vom Entwurf bis zum produzierten Bauteil in Ihren Projekten drastisch verkürzen, und Ihre Kunden werden noch zufriedener sein. (anm)

  • Die Inventor-HSM-Pro-Variante rundet die einsetzbaren Strategien mit Funktionen für die 5-Achsen-Simultanbearbeitung ab.
  • Selektive Auswahl beim Import.
  • Mit dem Update auf 2016 wurde nun der Bereich Drehen in die HSM-Lösungen integriert.
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