09.01.2024 – Kategorie: Komponenten & Systeme

Fahrzeugsoftware: Automobilhersteller entwickelt virtuelles Cockpit

virtuelles CockpitQuelle: chartphoto

Gamechanger für die Entwicklung von Fahrzeugsoftware: Stellantis, BlackBerry QNX und AWS bringen ein virtuelles Cockpit auf den Markt.

  • Stellantis führt ein virtuelles Cockpit als das erste seiner Art als Schlüsselkomponente der Stellantis Virtual Engineering Workbench (VEW) ein.
  • Die branchenweit erste Lösung ihrer Art beschleunigt die Entwicklungszyklen von Infotainment-Technologien von Stellantis.
  • BlackBerry QNX kündigt Start des Early Access von QNX Hypervisor in der Cloud auf dem AWS Marketplace an. Die Lösung beschleunigt die Entwicklung von Embedded-Anwendungen mit unterschiedlichen funktionalen Sicherheitsanforderungen sowie mehreren Betriebssystemen

Der Automobilhersteller Stellantis N.V. entwickelt mit seiner Stellantis Virtual Engineering Workbench (VEW) die weltweit erste Plattform für ein virtuelles Cockpit. Sie soll es ermöglichen, Infotainment-Technologien bis zu hundertmal schneller bereitzustellen. Die neue Plattform nutzt den QNX Hypervisor in der Cloud von BlackBerry. Dieser ist ab sofort über den AWS Marketplace im Rahmen des QNX Accelerate Portfolios cloudbasierter Tools als Early Access Release verfügbar. Stellantis kann jetzt realistische Versionen von Fahrzeugsteuerungen und -systemen, die sich wie in einem realen Fahrzeug verhalten, virtuell erzeugen. Dabei ist es jedoch nicht mehr erforderlich, die Hauptsoftware zu verändern, auf der sie laufen. Dadurch verkürzt sich die Entwicklungszeit von mehreren Monaten auf bis zu 24 Stunden.

Der Zugang zu QNX Hypervisor über den AWS Marketplace versetzt Stellantis in die Lage, eine High Performance Compute (HPC)-Simulation für ein virtuelles Cockpit in ihre digitale Zwillings-Cloud-Umgebung einzubinden, und zwar mit einem frühzeitigen Zugang zu QNX Hypervisor über AWS Marketplace. Diese branchenweit erste Plattform für die Entwicklung eingebetteter Anwendungen mit unterschiedlichen funktionalen Sicherheitsanforderungen und mehreren Betriebssystemen umfasst QNX Hypervisor Amazon Machine Images (AMI) und Hardware-Schnittstellen nach Industriestandard, wie sie im VirtIO-Standard Trout v1.2 definiert sind. Mit Tools zur Virtualisierung von Grafik, Audio und Touchscreen- oder Maus- bzw. Tastatureingaben lässt sich kaum ein Unterschied zwischen der Ausführung von QNX Hypervisor-basierten Systemen in der Cloud und auf physischer Hardware ausmachen. 

Software als zentraler Baustein für optimierte Mobilität

Software ist ein zentraler Faktor für gute, sichere und erschwingliche Mobilität durch Stellantis, wie im Strategieplan Dare Forward 2030 dargelegt. Sie ist zudem die treibende Kraft hinter den KI-gestützten Technologieplattformen STLA Brain, STLA SmartCockpit und STLA AutoDrive. Im Jahr 2022 wählte Stellantis AWS als bevorzugten Cloud-Anbieter für Fahrzeugplattformen aus und die Unternehmen begannen mit der Arbeit an der eigens von Stellantis entwickelten VEW.

Mit einem softwaregesteuerten Ansatz und dem Einsatz des QNX Hypervisors in der Cloud lassen sich Feedback-Zyklen beschleunigen. Das Cockpit eines bestimmten Fahrzeugs und einer bestimmten Marke ist mit minimalem Aufwand nachzubilden. Änderungen zur Optimierung des Fahrerlebnisses können in Echtzeit vorgenommen werden. Dieses Echtzeit-Feedback, unterstützt durch den latenzarmen Zugriff auf die Cloud, ermöglicht es Stellantis, für die Entwicklung zukünftiger Infotainment-Funktionen und -Anwendungen wertvolle Rückmeldungen von seiner Kunden- und Entwicklerbasis einzuholen.

Virtuelles Cockpit verändert auch den Arbeitsansatz der Zulieferer

„Da Software in Fahrzeugen zunehmend an Bedeutung gewinnt, müssen wir die Art und Weise, wie wir sie entwickeln und testen, innovativ gestalten“, so Yves Bonnefont, Chief Software Officer bei Stellantis. „Mit unserem virtuellen Cockpit verändern wir nicht nur unseren Arbeitsansatz, sondern auch den unserer Zulieferer und Partner in der Branche. Die Technologie versetzt uns in die Lage, näher an die Bedürfnisse unserer Kunden zu rücken, mit kürzeren Entwicklungszyklen, schnelleren Feedback-Schleifen und einer schnelleren Bereitstellung der Technologie, die sie nutzen und schätzen. Das ist ein großer Schritt in Richtung kundenorientierte Innovation und Effizienz in der Automobilbranche.“

„Wir freuen uns, unsere bewährte QNX-Hypervisor-Plattform frühzeitig in der Cloud verfügbar zu machen und dabei den hersteller- und plattformneutralen VirtIO-Standard zu nutzen, den QNX seit Langem wegen seiner Bedeutung für eine praxisorientierte virtuelle Entwicklungsumgebung für eingebettete Software unterstützt“, sagt Mattias Eriksson, President, BlackBerry IoT. „Die Zusammenarbeit mit Stellantis dient dem Ziel, den weltweit ersten kommerziellen Hypervisor in der AWS-Cloud auf den Markt zu bringen, und trägt dazu bei, Komplexität zu reduzieren, Innovationen zu beschleunigen und die Kosten für die Entwicklung von In-Car-Software während des gesamten Produktlebenszyklus zu senken.“

Wie Stellantis die Cloud für sich zu nutzen weiß

„Software-Virtualisierung und Abstraktion in der Cloud sind entscheidend, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und sicherzustellen, dass die Funktionsbereitstellung mit der Kundennachfrage Schritt hält“, sagt Wendy Bauer, Vice President und General Manager, Automotive and Manufacturing, AWS. „Mit dem QNX Hypervisor von BlackBerry auf dem AWS Marketplace kann Stellantis auf effiziente Weise die Leistung der Cloud nutzen, um Forschungs- und Entwicklungsprozesse neu zu gestalten, aufschlussreichere Wege zur Einholung und Integration von Feedback zu entwickeln und Funktionen schneller als bisher bereitzustellen, die Fahrer begeistern und die Branche voranbringen.“

Standard-VirtIO-Schnittstellen werden bereits von zahlreichen Partnern in der Automobilindustrie eingesetzt. Somit können sie ihre Angebote über OEMs hinweg skalieren und Plug-and-Play in der OEM-Landschaft ermöglichen. AWS erkennt die Vorteile und unterstützt dabei den VirtIO-Branchenstandard für die Cloud-Simulation von Cockpit-HPCs vollständig.

BlackBerry auf der CES

BlackBerry QNX präsentierte QNX Accelerate erstmals im Januar 2023. Das Portfolio umfasst zunächst QNX Neutrino RTOS 7.1 und das QNX OS for Safety 2.2.3. Sie werden jeweils als Amazon Machine Images bereitgestellt werden. Somit können Kunden QNX OS nativ auf AWS-Cloud Hardware betreiben. Die Early-Access-Version von QNX Hypervisor in der Cloud ist ab sofort verfügbar. Die allgemeine Verfügbarkeit hingegen wird im Lauf des Jahres 2024 bekannt gegeben.

Eine markenunabhängige Demonstration der Technologie ist auf der Consumer Electronics Show (CES) vom 9. bis 12. Januar 2024 im Las Vegas Convention Center verfügbar. BlackBerry ist am Stand #4224 in der West Hall zu finden.

Weitere Informationen: https://www.blackberry.com/de/de und https://www.stellantis.com/en

Erfahren Sie hier mehr über virtuelles Prototyping für das softwaredefinierte Fahrzeug.

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