Gebäudeautomation: Martin Mentzel, LonMark Deutschland e. V., im Gespräch

AUTOCAD Magazin: Was zeichnet den LON-Standard für die Gebäudeautomation besonders aus?

Martin Mentzel: LON ist vom Grundsatz her eine Technologie, die fast universell einsetzbar ist. Gründe dafür sind die Offenheit der Technologie, ihre Interoperabilität und die Möglichkeit, flache Architekturen für die klassische Betrachtung der Management-, Automations- und Feldebene zu realisieren. Diese Eigenschaften zeichnen LON seit der Markteinführung Anfang der 90er Jahre aus. LON lässt sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Ein Standard, hunderte Funktionen und Hersteller, tausende Geräte, hunderttausende Applikationen, Millionen Nutzer.

AUTOCAD Magazin: Wo liegen die Vorteile der Technologie?

Martin Mentzel: Die Vorteile von LON liegen in den technischen Eigenschaften der Technologie begründet. LON bietet eine sichere, gesicherte und leistungsfähige Übertragung und zeichnet sich durch eine hohe Paketrate, Sicherung der Daten, Authentifizierung und eine Vielfalt von Datentypen aus. Bei LON stehen für die unterschiedlichsten Anwendungen passende Medien zur Verfügung. Üblich ist die Installation in freier Topologie, was eine einfache, drahtgebundene Verdrahtung erlaubt. Für die Anforderung an größere Projekte kann das LON-Protokoll per IP übertragen werden. Auch die Stromleitung ist als Übertragungsmedium für LON geeignet. Über alle unterschiedlichen Medien ist das LON-Protokoll immer absolut identisch. Die Komponenten können unabhängig vom Medium immer miteinander kommunizieren. Über LON können alle Systeme eines Gebäudes in einem einzigen Netz zusammengefasst werden, was auch von den verwendeten Integrationstools komplett unterstützt wird. Der Markt bietet Komponenten für die unterschiedlichen Gewerke wie Raumautomation, HKL, Primäranlagen, Sicherheitstechnik, Aufzüge und Rolltreppen und viele weitere.

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Martin Mentzel, Mitglied im Vorstand von LonMark Deutschland: „Mit der gewerkeübergreifenden Kommunikation und Zusammenarbeit stellt der Standard aber auch eine gewisse Anforderung an die Architekten und Planer. Diese kommen zu den besten Lösungen, wenn sie das gewohnte gewerkeorientierte Denken hinter sich lassen.“

AUTOCAD Magazin: Inwiefern profitieren die Architekten und Planer davon?

Martin Mentzel: LON ist ein international bewährter und etablierter Standard. Weltweit gibt es viele erfolgreiche Projekte. Wer auf LON setzt, kann sicher sein, dass er mit einer soliden und leistungsfähigen Technologie effizient und wirtschaftlich gute Projekte realisieren kann, unterstützt durch viel Fachverstand. Es gibt zahlreiche gut ausgebildete Fachleute mit umfangreicher Erfahrung.

Auch planerisch erweitert die intelligente Gebäudeautomation die Möglichkeiten. Das ist für Architekten und Planer vielleicht besonders wichtig. Ein Thema dabei ist Flexibilität: LON ist ideal für offene, flexible Grundrisslösungen, weil entsprechende Systeme mit wenig Aufwand jederzeit an neue Raumaufteilungen angepasst werden können. Entsprechende Systeme sind auch in hohem Maße skalierbar; sie lassen sich einfach erweitern. Da die Technologie große Skalierungen zulässt und die am Markt zur Verfügung stehenden LON-Produkte hohe Flexibilität liefern, sind auch Planungsänderungen während eines Projekts in den allermeisten Fällen einfach und erfolgreich umzusetzen.

Wer ein Gebäude mit LON ausstattet, hat aber auch weitere Mehrwerte. Über LON können die unterschiedlichsten Systeme und Komponenten im Gebäude oder einer Liegenschaft miteinander kommunizieren. Dank dieser Kommunikation können sie koordiniert arbeiten und auch gemeinsam Aufgaben erledigen, die sowohl lokal im Gebäude als auch für das gesamte Gebäude mehr Energieeffizienz, höheren Komfort und bessere Sicherheit zum Ergebnis haben.

Mit der gewerkeübergreifenden Kommunikation und Zusammenarbeit stellt der Standard aber auch eine gewisse Anforderung an die Architekten und Planer. Diese kommen zu den besten Lösungen, wenn sie das gewohnte gewerkeorientierte Denken hinter sich lassen. Wer ein Gebäude mit LON-Gebäudeautomation realisieren will, ist gut beraten, wenn das Thema Gebäudeautomation schon in einer frühen Phase der Planung berücksichtigt wird. In einem integrierten Planungsprozess lassen sich die Potenziale der Gebäudeautomation am besten erschließen.

Das Ergebnis sind intelligente Gebäude, die sich durch hohe Energieeffizienz und gute Wirtschaftlichkeit auszeichnen. Das freut jeden Bauherren und Nutzer, schont die Umwelt und nutzt sicher auch dem Architekten und Planer, die für die Planung verantwortlich sind.

AUTOCAD Magazin: Gibt es für den Facility Manager eine Anbindung an entsprechende Softwarelösungen?

Martin Mentzel: Für den Facility Manager ist es wichtig, dass der Gebäudebetrieb energieeffizient, wirtschaftlich und sicher ist. Genau das bringt Gebäudeautomation mit LON. Ein gutes System leistet hier die Hauptarbeit selbstständig. Selbstverständlich gibt es Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, über die ein Zugriff zur Überwachung und Bedienung möglich ist. Hilfreich ist auch, dass die Daten, die im System entstehen, archiviert werden. Diese Daten können analysiert und für weitere Optimierungsprozesse genutzt werden. Jederzeit stehen Verbrauchsdaten, Trendkurven und Ähnliches zur Verfügung. Für alles das und weitere Funktionen gibt es selbstverständlich entsprechende Softwarelösungen.

AUTOCAD Magazin: Können Sie uns, bitte, ein Beispiel für den alltäglichen Einsatz und das Zusammenspiel der Automationskomponenten nennen?

Martin Mentzel: Das Standardbeispiel für LON ist die Raumautomation. Hier gibt es Komponenten in verschiedenen Gewerken wie Heizung, Lüftung/Klimatisierung, Beleuchtung und Sonnenschutz, die über LON zu einem System zusammenwachsen. LON verfügt über sogenannte Funktionsprofile, das sind festgelegte Standards, wie diese Komponenten zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit ist in Raumautomationsfunktionen beschrieben.

Zum Beispiel kann Beleuchtungsenergie eingespart werden, wenn die Komponenten für Beleuchtung und Beschattung so zusammenspielen, dass sie das Licht genau nach Bedarf regeln. Gleichermaßen kann das bedarfsgesteuerte Zusammenspiel von Heizung und Lüftung Heiz- und Kühlenergie sparen. Dazu kommen Funktionen wie die freie Nachtkühlung, also das automatisierte Öffnen der Fenster zum Nutzen der kühlen Nachtluft oder die Nutzung der Sonneneinstrahlung im Winter als Unterstützung der Heizung, durch eine entsprechende Steuerung der Jalousien.

LON ist aber auch für viel komplexere Systeme einsetzbar, zum Beispiel zur Optimierung der Wärmeversorgung, wenn neben konventionellen Kesseln auch Wärmepumpen und Wärmespeicher eingesetzt werden – und viele andere Beispiele.

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AUTOCAD Magazin: Inwiefern spielen bei der Weiterentwicklung des Standards auch die Erfahrungen der Anwender hinein?

Martin Mentzel: Die treibende Kraft für die Weiterentwicklung von LON ist die LonMark, eine internationale Organisation mit selbstständigen, regionalen Organisationen. Eine dieser sogenannten Affiliates ist die LonMark Deutschland. In der LonMark sind alle organisiert, die irgendwie mit LON zu tun haben, also Entwickler, Hersteller, Systemintegratoren und selbstverständlich auch die Anwender. Es findet ein intensiver Austausch statt, und die Erfahrungen und das Know-how, das hier zusammenkommt, fließen auch in die Weiterentwicklung des Standards ein. Ein ganz aktuelles Thema ist die Nutzung von LON im Internet of Things. Hier sind LON und LonMark prädestiniert, weil wir uns schon seit langem mit der Kommunikation von Geräten beschäftigen.

AUTOCAD Magazin: In welcher Form arbeiten die Mitglieder von LonMark Deutschland zusammen?

Martin Mentzel: Wir haben wie jeder Verein eine Mitgliederversammlung, die legt die Grundsätze der Arbeit fest. Der Vorstand repräsentiert den Verein nach außen und kümmert sich um übergreifende Themen. Die Facharbeit findet in Themen-Arbeitskreisen und in Task Groups zu speziellen Fragestellungen statt. Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit war zum Beispiel, dass LON als erster Gebäudeautomationsstandard nachweisen konnte, dass Gebäudeautomation die Energieeffizienz verbessert, und auch konkrete Einsparpotenziale benennen konnte.

AUTOCAD Magazin: Wie schätzen Sie das Marktpotenzial für die Gebäudeautomation vor allem auch in Hinblick auf die Anforderungen an die Energieeffizienz in den nächsten zwei bis drei Jahren ein?

Martin Mentzel: Mit steigenden Anforderungen an Energieeffizienz, aber auch an Komfort und Sicherheit wächst auch das Markpotenzial für Gebäudeautomation. Bei Neubauten im Zweckbau geht es heute gar nicht mehr ohne Gebäudeautomation, wenn man Qualität und Wertbeständigkeit will. Aber auch bei der Verbesserung der Energieeffizienz im Bestand spielt Gebäudeautomation eine immer wichtigere Rolle. Der Vorteil ist, dass Gebäudeautomation kaum Eingriffe in die Bausubstanz notwendig macht und ein schneller Return on Invest möglich ist.

Weitere Potenziale können sich dadurch ergeben, dass die Akzeptanz der Gebäudeautomation wächst. Wichtig dafür war und ist, dass die Branche viel gelernt hat, was Nutzerbedürfnisse, Bedienerfreundlichkeit und Transparenz angeht.

Zahlen kann ich allerdings nicht liefern; dazu gibt es keine Erhebungen, die mir bekannt wären. Ich habe aber den Eindruck, dass es der Branche ganz gut und immer besser geht, zumindest in Deutschland. In anderen europäischen Ländern sieht es anders aus, auch wegen der Entwicklung der Baukonjunktur. 

AUTOCAD Magazin: Herr Mentzel, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Andreas Müller. 

 

 

info: Über LON und LonMark

Die LON-Technologie – mit ANSI/EIA-709.x und EIA-852 standardisiert sowie als EN14908 in das europäische und als ISO/IEC14908 in das internationale Normenwerk übernommen – ermöglicht den neutralen Informationsaustausch zwischen Anlagen und Geräten von verschiedensten Herstellern und unabhängig von den Anwendungen. Ein Hauptanwendungsgebiet ist die Gebäudeautomation. LonMark Deutschland e.V. versteht sich als Interessenvereinigung aller Anwender und Entwickler rund um LON im deutschsprachigen Raum.

 

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