22.07.2021 – Kategorie: Hardware & IT

Kugelhähne einfach am Bildschirm konfigurieren – so geht’s!

KugelhähneQuelle: Peter Meyer & Co. AG
Kugelhähne für chemische und pharmazeutische Anlagen gibt es in schier unendlicher Vielfalt. Die Peter Meyer & Co. AG in Schaffhausen löst den bisherigen umfangreichen, analogen Katalog durch eine digitale Konfigurationslösung…

Die Peter Meyer & Co. AG aus Schaffhausen blickt auf eine lange Geschichte zurück: Das 1946 gegründete Unternehmen produzierte zunächst Modelldampfmaschinen und spezialisierte sich dann auf die Herstellung von Spinnringen für die Textilindustrie. Die Bearbeitung von austenitischen Stählen brachte den Einstieg in den Armaturenbau für die Chemie- und Lebensmittelindustrie, und 1960 brachte das Unternehmen die ersten Kugelhähne Europas auf den Markt.

Kugehähne für internationale Kunden

Der Kugelhahn wurde stetig weiterentwickelt und erfüllt heute höchste Anforderungen der internationalen Kundschaft: Auch bei extremen Drücken und Temperaturen öffnen und sperren die Hähne zuverlässig. Europäischer Vertriebspartner ist die Avintos AG, und gemeinsam gelingt es, schnell auf Kundenwünsche zu reagieren.

Unzählige Varianten

Kugelhähne gibt es in unzähligen Varianten: Sie werden ein- oder beidseitig angeflanscht oder in die Leitung eingeschweißt; sie bestehen aus Edelstahl, Titan oder anderen hochwertigen Materialien; sie unterscheiden sich in Größe und Leitungsdurchmesser; sie können von Hand oder durch automatische Antriebe bedient werden und zahlreiche Sonderausstattungen aufweisen. Die Kunden – Anlagenbauer für die Chemie- und Pharmaindustrie, aber auch Chemie- und Pharmaunternehmen selbst – bestellten die Kugelhähne bislang anhand des Katalogs oder lassen Sonderanfertigungen entwickeln.

Konfigurator statt Katalog für Kugelhähne

Zunehmende Digitalisierung ermöglicht schlankere Prozesse und bessere Dienstleistungen rund um die Bestellung. Die Peter Meyer & Co. AG wollte diese Vorteile nutzen und den Kunden ermöglichen, die 3D-Daten der Kugelhähne auch digital zu beziehen und für die Anlagenplanung zu nutzen. All das sollte mit Hilfe eines digitalen Baukastens geschehen. Dieser elektronische Konfigurator sollte möglichst aus der Autodesk-Welt kommen und in die Webseite der Avintos AG integriert werden.

Kugelhähne
„Ausgezeichnet“, findet Juniorchef Franz Meyer die Zusammenarbeit mit MuM und CustomX. Bild: Peter Meyer & Co. AG

Franz Meyer lernte durch Vermittlung der MuM-Geschäftsstelle in Suhr CustomX kennen. Die Software erwies sich von allen Konfiguratoren, die er sich zeigen lassen hatte, als leistungsstärkste. Sie ermöglicht, ein Regelwerk aufzubauen, mit dessen Hilfe sich variantenreiche Produkte generieren lassen. Die definierten Abhängigkeiten stellen sicher, dass Kunden nur solche Produkte „bauen“, die auch gefertigt werden können. Die Software arbeitet eng mit Autodesk Inventor zusammen.

Konfiguration der Kugelhähne: Mehr als CAD

Franz Meyer stellte hohe Ansprüche an die Software: Es ging nicht nur um digitale Konfiguration; der Konfigurator sollte sich optisch und technisch auch nahtlos in die Webseite von avintos einfügen. Über eine Schnittstelle zum ERP-System sollten die vom Kunden bestellten Kugelhähne automatisch als neue Produkte angelegt werden.

CI und Optik seien wichtig, meint Franz Meyer und verweist augenzwinkernd auf die „Sanduhr“, die im Konfigurator aussieht wie das Avintos-Logo. Für den Nutzer ist die Bedienung des Konfigurators intuitiv: Nach grundlegenden Angaben wie Abmessungen, Material und Anschlüsse lassen sich die nötigen Sonderausstattungen, wie Heizmantel, Oberflächenrauheit, Entlastungs- oder T-Bohrung, dann der Antrieb und zuletzt das Zubehör, z. B. Spindelverlängerung, Steuerventil oder Endschalterbox auswählen. Das System stellt viele Hilfen zur Verfügung: Wenn man etwa die Maximaltemperatur und den Druck der durchfließenden Medien angibt, wählt das System selbst die in Frage kommenden Materialqualitäten aus und zeigt sie in der Reihenfolge ihrer Eignung an.

Hilfen für korrekte Eingaben

Wenn ungültige Daten eingegeben werden oder aufgrund der Eingabe eine nicht produzierbare Konfiguration entsteht, weist eine Fehlermeldung im Klartext auf Korrekturmöglichkeiten hin. Mit jeder Auswahl berechnet der Konfigurator auch den Preis und die voraussichtliche Lieferzeit und zeigt sie an; der konfigurierte Kugelhahn wird als 3D-Visualisierung dargestellt. Der Nutzer kann jederzeit die Konfiguration unterbrechen und auf Knopfdruck ein Angebot anfragen, eine Bestellung auslösen oder eine 3D-PDF-Datei, eine STEP-Datei, die Liste der technischen Daten oder ein Maßbild herunterladen.

Wenn der Kunde bestellt, schickt das System Stücklisten und Zeichnung automatisch in die Arbeitsvorbereitung; der neue Kugelhahn wird mit einer Artikelnummer versehen und bei avintos im ERP abgespeichert. „Wir legen nicht direkt mit der Produktion los, sondern prüfen die Bestellung noch einmal“, sagt Franz Meyer. „Nicht immer sind logisch korrekte Eingaben auch das, was der Kunde will.“ Wenn ein Stammkunde z. B. ein Maß oder ein Material angibt, das bisher nie bestellt wurde, fragt man nach und stellt damit sicher, dass der Kunde die richtige Armatur erhält.

Kugelhähne
Der Benutzer verfolgt jederzeit, wie sein neu konfiguriertes Produkt aussieht – natürlich dreidimensional. Bild: Peter Meyer & Co. AG

Neue Ideen, neue Kunden

Mit dem Go-live des Konfigurators ist längst nicht alles fertig. Franz Meyer und sein Team haben noch viele Ideen, wie sie den digitalen Zusammenbau der Kugelhähne verbessern können – z. B. durch eine umfangreiche Mediendatenbank. Der Nutzer wählt per Mausklick aus, was durch die abzusperrende Leitung fließt, und das System wird nur noch die passenden Materialien anzeigen.

Die Geschäftsführung der Peter Meyer & Co. AG möchte mit dem Konfigurator nicht nur ein zeitgemäßes Werkzeug anbieten, sondern auch neue Kunden gewinnen, vor allem im Ausland. customX hat sich bei der Digitalisierung als unverzichtbares Hilfsmittel erwiesen. Logisches Denken und Kenntnis der eigenen Produktpalette seien erforderlich, aber dann sei das Erstellen der Regeln kein Hexenwerk, findet Franz Meyer. „Die Zusammenarbeit war ausgezeichnet. Besonders beeindruckend: Wenn wir eine Idee eingebracht haben, die auch für andere Anwender interessant sein könnte, wurde sie direkt in die Software aufgenommen.“

Von Roswitha Menke.

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