Lichtblicke in der Krise

Die Product Life live, ein Anwenderkongress rund um das Thema Produkt-Lebenszyklus-Management, wächst gegen den Strom und konnte deutlich mehr Besucher verbuchen als zuletzt. Während allenthalben Reisestopps verhängt und Budgets zusammengestrichen werden, hatte der Anwenderkongress rund um das Thema Produkt-Lebenszyklus Management, die Product Life live, am 17. und 18. März 2009 in Bochum rund 30 Prozent mehr Teilnehmer zu verzeichnen als eineinhalb Jahre zuvor. Die Industrie setzt offensichtlich auf Innovation und nutzt die allgemeine Krise, statt sich vor ihr zu ducken. Dafür benötigt sie vor allem intensiven Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau. Und den gab es auch in diesem Jahr reichlich.

Der Kongress ist etwas Besonderes. Nicht die Wissenschaft lädt ein, und nicht die Anbieter von IT oder Systemintegration. Das Ziel ist nicht die Ankurbelung von Verkaufszahlen oder das Anstoßen von Beratungsprojekten, auch wenn sowohl die IT als auch das Projektgeschäft eine wichtige Rolle spielen. Das vorrangige Ziel ist, erfahrene Experten industrieller Produktentstehung zu treffen, ihre Berichte zu hören, mit ihnen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen für ähnliche Problemstellungen zu suchen.

221 Teilnehmer waren gekommen, um 22 teils parallel gehaltenen Vorträgen zu folgen. Vier Workshops fanden ebenso regen Zuspruch wie die vier erstmals durchgeführten Diskussionsgruppen unter dem Motto ‚Meet the Experts‘, in denen die Kongressteilnehmer gezieltes Brainstorming zu Fachthemen praktizierten.

Prof. Dr.-Ing. Michael Abramovici, Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Programmkomitees der Product Life live, eröffnete die Veranstaltung wieder mit einem Kompaktseminar über Grundlagen, Trends und Einführungsstrategien für PLM. Es war erneut eine der begehrtesten Veranstaltungen des zweitägigen Kongresses. Nach wie vor fehlt es an allgemein anerkannten Definitionen, nach Standards für Prozesse und Methoden moderner Produktentstehung. Und mit seiner Zuspitzung des Themas auf die Frage, wie mit der Einführung und Umsetzung von PLM-Konzepten gerade in der Krise umzugehen sei, traf er exakt den Nerv der Teilnehmer:

PLM in diesen Zeiten? Erst recht!

"Nur 4,8 Prozent deutscher Unternehmen sind älter als 50 Jahre. Sie haben schon etliche Krisen überlebt und sind sogar gestärkt daraus hervorgegangen. Heute müssen sich alle Firmen fragen, wie sie auf die aktuelle Herausforderung antworten. Sie sollten dabei nicht vergessen: PLM ist eine Basistechnologie, die einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der Produktivität, zur Beschleunigung der Engineeringprozesse und zu höherer Qualität leistet. Für Innovation ist PLM unverzichtbar."

Untermauert wurde dieser Rat durch einige Keynotes von führenden Industrieunternehmen, die bereits mitten in der Umsetzung umfangreicher PLM-Konzepte stehen. Gerd-Dietmar Pokraka etwa berichtete von der Agenda 2012 beim Landmaschinenhersteller CLAAS. Die Firma hat sich Zeit genommen, um alle in Frage kommenden Abläufe zu untersuchen und auf Verbesserungspotenzial abzuklopfen. Das Programm, das jetzt in Angriff genommen wurde, hat nichts Theoretisches und wird den Mitarbeitern nicht übergestülpt. Weil alle involviert sind, ist die Akzeptanz groß. Positive Signale kamen auch von Dr. Gamal Lashin, Vaillant Group, und Dr. Peter Gutzmer, Schäffler, in ihren Plenumsvorträgen.

Bei etlichen Vorträgen entstand der Eindruck: Selbst wenn das eine oder andere Teilziel oder Teilprojekt nun gestreckt und in der Realisierung etwas verlangsamt werden muss–der Vorsprung, den sich die Vorreiter in Sachen PLM geholt haben, lässt sie der Krise deutlich gelassener begegnen. Umso wichtiger wird es für andere, aufzuholen. Wo PLM jetzt dem Rotstift zum Opfer fällt, stimmen die Prioritäten nicht.

Die Themen der einzelnen Sessions waren so vielfältig wie das Thema PLM. Sie umfassten das Anforderungs- und das Prozessmanagement, die Zusammenarbeit in der verteilten Entwicklung generell und innerhalb der Zulieferketten im besonderen, das Komplexitäts- und Konfigurationsmanagement ebenso wie die Integration der Systeme und Datenbanken. Dabei unterschieden sich die Diskussionen deutlich von anderen Veranstaltungen. Hier ging es nicht um Meckern über Schwierigkeiten, sondern um Ratschläge für die Verbesserung der Prozesse

Auch die IT-Anbieter und Beratungshäuser sehen den besonderen Charakter und die wachsende Bedeutung des Kongresses. 20 beteiligten sich dieses Jahr in der Partnerarena als Aussteller. Vier führende Anbieter von Systemen zur Umsetzung von PLM – Contact Software, Dassault Systèmes, PTC und Siemens PLM Software – unterstützen den Kongress darüber hinaus als Strategische Partner. Sie präsentierten am zweiten Tag in einer mit circa 80 Teilnehmern gut besuchten Session nicht nur ihre Visionen für PLM im Jahre 2015, sondern stellten sich auch den kritischen Fragen des Plenums.

Nach dieser Veranstaltung ist klar: PLM ist keine Eintagsfliege und kein Hype, sondern als Thema in der Fertigungsindustrie gesetzt. Und die Product Life live wird auch in den kommenden Jahren dazu beitragen, den Bedarf nach realisierbaren Lösungen und passenden IT-Systemen zu formulieren und die Erfahrungen–positiv wie negativ–in die Breite zu tragen.

Die nächste Product Life live findet vom 02. bis 03. März 2010 in Stuttgart-Fellbach statt. Weitere Informationen unter www.productlife.de. Dort kann auch der Tagungsband zur Veranstaltung bestellt werden.


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