08.09.2021 – Kategorie: Hardware & IT

Mit der richtigen ERP-Anbindung effizienter konstruieren

ERP-AnbindungQuelle: NicoElNino, shutterstock.com
Die Konstruktion neuer Artikel steht für zahlreiche Fertiger im Kern ihrer Wertschöpfung. Doch damit aus Plänen auf effiziente Weise fertige Produkte werden, muss die Konstruktion nahtlos in den Gesamtgeschäftsprozess eingebunden…

ERP-Anbindung: Der benötigte Artikel ist fertig konstruiert, die Stückliste steht – doch bevor die Produktion anlaufen kann, gilt es zunächst, die generierten Artikeldaten an die nachfolgenden Prozessstufen weiterzugeben. Nicht selten bedeutet dies: händisches Übertragen der Daten, bei Bedarf Ausdrucken der Konstruktionszeichnungen. Die Folge dieses Medienbruchs sind Verzögerungen im Produktionsprozess, die nicht zuletzt in Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks zum Nachteil im Rennen um Wirtschaftlichkeit und Kundenzufriedenheit werden können.

Der direkte Draht zum ERP

Durch die digitale Anbindung des CAD-Systems an das im Einsatz befindliche ERP-System lässt sich der Aufwand der Datenerfassung deutlich reduzieren, das Risiko manueller Übertragungsfehler sinkt. Die gesamten Konstruktionsinformationen werden so automatisiert vom CAD- an das ERP-System weitergegeben, von den dreidimensional konstruierten Modellen über die zugehörigen Stücklisten und PDF-Ansichten bis hin zu Metadaten wie Abmessungen, Material oder Farben. All diese Informationen stehen anschließend im Artikelstamm der ERP-Lösung zur Verfügung und können so für die weiteren Geschäftsprozesse verwendet werden.

Bei Bedarf lassen sich im Rahmen der Anbindung auch spezielle Viewer der CAD-Hersteller in die ERP-Lösung integrieren. Dadurch sind beispielsweise Mitarbeiter in der Fertigung in der Lage, den konstruierten Artikel aufzurufen und interaktiv zu betrachten, ohne dass diese selbst ein CAD-System auf ihrem jeweiligen Arbeitsplatz installiert haben müssen.

ERP-Anbindung via Integration oder Schnittstelle?

Wie die Anbindung einer CAD-Lösung in der Praxis funktioniert, lässt sich am Beispiel der Asseco-Lösung APplus verdeutlichen. Diese stellt für die Anbindung von CAD-Lösungen zwei Varianten zur Verfügung: via Schnittstelle sowie in Form einer umfassenden Integration.

Im Gegensatz zur Schnittstelle sorgt die Integration für ein besonders enges Zusammenspiel zwischen CAD-Lösung und ERP-System und bietet folglich einen breiteren Funktionsumfang. Zum Beispiel können Anwender so über Verlinkungen unmittelbar vom CAD- in das ERP-System wechseln. Speziell für AutoCAD bietet APplus eine maßgeschneiderte Integration, die vom Asseco- und Autodesk-Gold-Partner N+P entwickelt wurde. Auch für Inventor und Revit besteht so eine entsprechende Integrationsmöglichkeit. Für alle anderen CAD-Lösungen wird die Integration durch das Partnerprodukt Pro.File von Procad ermöglicht. Dabei handelt es sich um ein Multi-CAD-PLM-System, das in der Lage ist, sich mit nahezu allen gängigen CAD-Systemen zu verbinden. Dies ist insbesondere für Firmen nützlich, deren Kunden viele unterschiedliche CAD-Systeme im Einsatz haben.

Gilt es hingegen, nur ein einziges CAD-System anzubinden, oder ist eine umfassende PLM-Funktionalität für ein Unternehmen nicht erforderlich, empfiehlt sich die Anbindung per Schnittstelle. Die Schnittstellentechnologie wird von APplus im Standard zur Verfügung gestellt, vor ihrem Einsatz jedoch auf den individuellen Anwendungsfall hin zugeschnitten. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, flexibel zu definieren, welche Produktdaten konkret übertragen werden sollen und welche nicht.

Die Konstruktion wird Teil des Unternehmensworkflows

Unabhängig von der Art der Anbindung profitieren Unternehmen auf diese Weise von der unmittelbaren Einbettung der Konstruktion in den gesamten Unternehmensworkflow. Dadurch stehen die aktuellsten Konstruktionsdaten jederzeit für alle relevanten nachfolgenden Prozessstufen digital zur Verfügung – von Einkauf über Fertigung und Qualitätssicherung bis hin zu Lieferanten.

Doch nicht nur die Verfügbarkeit, sondern auch die Aktualität der Daten wird durch die CAD-Anbindung sichergestellt: Ergibt sich eine Änderung an einem konstruierten Artikel, wird die neue Version des Produkts durch die Anbindung unmittelbar an die folgenden Prozessstufen weiterkommuniziert, sodass beispielsweise die Fertigung jederzeit über den aktuellen Konstruktionsstand des Produkts verfügt und nicht versehentlich eine überholte Version des Produktes herstellt.

ERP-Anbindung
Über die Integration (ERP-Anbindung) von N+P lassen sich unter anderem Stücklisteninformationen aus Auto-CAD oder über Vault direkt an APplus geben. Bild: N+P Informationssysteme GmbH

Keine Einbahnstraße

Der maximale Nutzen lässt sich jedoch dann aus der CAD-Integration ziehen, wenn der Informationsfluss nicht nur vom CAD- in das ERP-System erfolgt, sondern Daten auch zurückfließen. Auf diese Weise können beispielsweise Einkaufspreise, Wiederbeschaffungszeiten oder Lagerverfügbarkeiten unmittelbar bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Konstrukteure erhalten die Möglichkeit, bevorzugt die Artikel zu verwenden, die kostengünstig eingekauft werden können oder bereits auf Lager liegen, um Bestände abzubauen sowie Produktionskosten und -zeit zu optimieren.

Schließlich profitiert auch die Datenhaltung: In der Regel agiert das ERP-System als das führende System bei der Vergabe von Artikelnummern. Verläuft die Anbindung bidirektional, ist das CAD-System in der Lage, sich beim Anlegen eines neuen Artikels aus dem Pool der verfügbaren Artikelnummern aus dem ERP-System zu bedienen und damit sicherzustellen, dass die vergebenen Artikelnummern der Systematik und den Anforderungen des übrigen Geschäftsprozesses entsprechen.

Die richtigen Voraussetzungen für die ERP-Anbindung schaffen

Damit die CAD-Integration in der Praxis jedoch tatsächlich gelingt, gilt es, bereits im Vorfeld die richtigen Voraussetzungen zu schaffen. Ein entscheidender Aspekt hierbei ist die sinnvolle Verbindung der unterschiedlichen Systematiken aus Konstruktion und Fertigung. Oft arbeitet die Konstruktion deutlich granularer als die Produktion und unterteilt Artikel in separate Komponenten, die jeweils über ihre eigenen Stücklisten und Zeichnungen verfügen.

Für die Fertigung hingegen spielt nur der Gesamtartikel eine Rolle. Um beide Welten zu verbinden, sollte bereits zu Beginn festgelegt werden, welche Ebenentiefe für die tägliche Praxis zu bevorzugen ist. Handelt es sich bei den Artikelkomponenten tatsächlich um Bauteile, die auf Lager gelegt werden müssen, oder um Konstrukte, die lediglich aus technischer Sicht relevant sind? In der Regel empfiehlt sich ein Kompromiss aus beiden Systematiken, auf die dann die Anbindung ausgelegt wird.

In vielen Fällen muss man zudem eine praktikable Lösung für den Umgang mit wachsenden Stücklisten finden. Hersteller, die bereits mit der Fertigung einzelner Baugruppen beginnen müssen, bevor die Konstruktion vollständig abgeschlossen ist, sollten darauf achten, dass die ERP-Anbindung bzw. das ERP-System eine Funktion bereitstellt, die wachsende Konstruktionsstücklisten periodisch mit der Produktionsstückliste abgleicht. Auf diese Weise wächst die Stückliste im ERP-System mit dem Fortschritt der Konstruktion mit, woraufhin Konstrukteure ihre Komponenten Schritt für Schritt für die Fertigung freigeben können.

Wer auf diese Weise bereits in der Planungsphase die richtigen Weichen stellt, schafft eine solide Basis für das Zusammenspiel von CAD und ERP-Anbidung in der Praxis und beseitigt im Endergebnis den zu Lasten von Effizienz und Produktivität gehenden Medienbruch zwischen beiden Systemen.

Von Stefan Kiesel.

Lesen Sie auch: Digitalisierung im Maschinenbau: Die Krise beschleunigt den Wandel


Teilen Sie die Meldung „Mit der richtigen ERP-Anbindung effizienter konstruieren“ mit Ihren Kontakten:

Scroll to Top