Mit 3D-Modellen Kosten und Zeit sparen

Virtuelle Fabrikplanung

Die Automobilwelt verändert sich nachhaltig, von automatisierten Produktionslinien bis hin zu strengeren Sicherheits- und immer schärferen Abgasbestimmungen. Die wahrscheinlich signifikanteste Veränderung ist jedoch der Marsch in Richtung Virtueller Realität – sie scheint der neue beste Freund der Automobilindustrie zu werden.

07 2016

AUTOCAD & Inventor Magazin 07/2016

Liebe Leser,

als Airbus-Chef Tom Enders vor ein paar Monaten anlässlich der Vorstellung des Elektromotorrads „Light Rider“ selbst eine Runde mit dem ungewöhnlichen Gefährt drehte, ist ihm damit ein vielbeachteter PR-Coup gelungen. Sogar Tages- und Wirtschaftszeitschriften berichteten darüber. Dies lässt schnell erahnen: Hier geht es um mehr als um ein gewöhnliches E-Motorrad. Und das ist in der Tat der Fall: Das besondere am E-Bike der Airbus-Tochter APWorks ist nämlich der Rahmen, der mittels 3D-Druck gefertigt wurde. Durch Topologieoptimierung und konsequente Leichtbau-Konstruktionsverfahren wiegt der aus einer speziellen Aluminium-Legierung bestehende Rahmen nur sechs Kilogramm. Der fahrfertige Motorrad-Prototyp bringt nur 35 Kilogramm auf die Waage.

Das Besondere am Rahmen ist, daß er mit neuesten Design- und Produktionstechnologien entwickelt und gefertigt wurde. Ein Großrechner ermittelte algorithmenbasiert die bestmögliche Struktur, um die bei der Fahrt auftretenden Belastungen aufzunehmen. Das Rahmendesign erinnert nicht zufällig an ein Exoskelett. Schließlich haben die Konstrukteure von APWorks einen Algorithmus angewandt, der bionisch arbeitet. Das Design entspricht nur noch entfernt einem herkömmlichen Motorradrahmen. Und die komplex verzweigte Hohlstrukur ist mit konventionellen Fertigungsverfahren wie Schweißen oder Fräsen auch gar nicht realisierbar.

Meiner Meinung nach zeigt das „Light-Rider“-Projekt vielmehr eindrucksvoll, wie wichtig es ist, sich bei der Entwicklung von additiv zu fertigenden Produkten von den herkömmlichen Design- und Konstruktionsgewohnheiten zu lösen. Denn nur wenn Simulation und Optimierung bereits am Anfang des Entwicklungsprozesses zum Einsatz kommen, lassen sich innovative und besonders leichte Produkte entwickeln, die man später mit dem passenden additiven Fertigungsverfahren herstellen kann.  
 
Übrigens: Nach erteilter Straßenzulassung will APWorks vom „Light Rider“ eine auf 50 Stück limitierte Version herstellen und für 50.000 Euro pro Exemplar verkaufen. Da bleibe ich doch lieber bei meinem Motorrad mit herkömmlichem Verbrennungsmotor – auch wenn es mit 330 Kilogramm mit Leichtbau wahrlich nichts am Hut hat.

Rainer Trummer, Chefredakteur

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