05 2012

AUTOCAD & Inventor Magazin 2012/05

Liebe Leser,

wie sieht die Arbeit der Ingenieure in der Praxis aus und was sollte ihrer Meinung nach verbessert werden? Genau dies haben in einer groß angelegten Studie das Fraunhofer IPK, der VDI und CONTACT Software untersucht. Die Ergebnisse der Online-Umfrage, an der über 1.400 Ingenieure teilgenommen haben, liegen nun vor.

Eine der zentralen Fragen der Studie ist die nach den Tätigkeiten im Konstruktionsalltag. Man würde annehmen, dass Ingenieure sich in der Hauptsache der Produktentwicklung widmen könnten. Dies ist aber nicht so. Vielmehr wenden fast zwei Drittel der Befragten 20 Prozent und weniger ihrer Zeit für die Kernaufgaben Entwickeln, Konstruieren und Absichern auf. Der hohe Wert überrascht mich doch. Unterstrichen wird dieses Ergebnis durch die ergänzende Frage, ob für die eigentlichen Kernaufgaben ausreichend Zeit zur Verfügung stünde. 54 Prozent antworteten, dass dies weniger oder gar nicht zutreffe.

Benötigt wird die fehlende Zeit vor allem für Aufgaben wie Kommunizieren und notwendige Abstimmungen. Hier drängt sich die Frage auf, wie gut die Versorgung mit notwendigen Daten für die eigene Aufgabe funktioniert. Bemerkenswert ist dabei, dass der Anspruch des Simulta­neous Engineering nach einer frühzeitigen Bereitstellung der Informationen oft nicht erfüllt wird. Mehr als 40 Prozent geben an, Daten nicht rechtzeitig vorliegen zu haben, und 45 Prozent, dass sie über nachträgliche Änderungen – die ihre Aufgaben betreffen – nicht rechtzeitig informiert würden. Eine Mehrheit der Befragten bemängelte außerdem, dass mit den Daten nicht sofort weitergearbeitet werden könne, da diese nicht in der richtigen Form verfügbar wären.

Im Ingenieursalltag dominiert neben Meetings die Arbeit am Rechner. Einfache und universelle Werkzeuge spielen bei den Befragten eine wichtigere Rolle als integrierte Informationssysteme wie PDM und ERP. Und selbst CAx-Tools landen nur an dritter Stelle. Den Herstellern von PDM- und PLM-Lösungen sollte dies übrigens zu denken geben. Verstärkt wird dieses Bild durch die Antworten auf die Frage, wie CAD- und Produktdaten im Unternehmen und mit Partnern und Zulieferern ausgetauscht werden. Hier nutzen rund 40 Prozent PDM-Systeme beziehungsweise spezielle Datenaustauschplattformen. Aber E-Mails (mit Ausnahme der Automobilindustrie) sowie zusätzlich Netzlaufwerke für die interne Kommunikation spielen die wesentlich dominanteren Rollen.

Nicht wirklich erstaunt hat mich, dass 43 Prozent der Befragten die Verfügbarkeit von Daten außerhalb des Büros, also „offline“, als sehr nützlich bewerten. 44 Prozent stufen gemeinsame CAx-Datenformate ebenfalls als sehr wichtig ein.

Sie sehen, es gibt noch genügend Optimierungspotenzial im Bereich der digitalen Produktentwicklung. Besonders Werkzeuge, die vor allem Routine- und Abstimmungsaufgaben erleichtern, können und müssen künftig Ingenieuren das Entwicklerleben erleichtern. Jetzt liegt es an den Softwareanbietern, diese drängenden Kundenwünsche zu erfüllen.
 
Rainer Trummer, Chefredakteur
rt@win-verlag.de

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