19.01.2015 – Kategorie: Technik

Serviceroboter: Der Gentleman aus dem Baukasten

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Freundlich und sympathisch und unsichtbar, wenn man ihn nicht braucht. So stellt man (oder Frau) sich womöglich den Butler von morgen vor und so soll auch der „Care-O-bot 4“ sein, den das Fraunhofer IPA in Stuttgart entwickelt hat. Auf den Schunk Robotics Expert Days (25. bis 26. Februar in Hausen) feiert er seine offizielle Weltpremiere.

Freundlich und sympathisch und unsichtbar, wenn man ihn nicht braucht. So stellt man (oder Frau) sich womöglich den Butler von morgen vor und so soll auch der „Care-O-bot 4“ sein, den das Fraunhofer IPA in Stuttgart entwickelt hat. Auf den Schunk Robotics Expert Days (25. bis 26. Februar in Hausen) feiert er seine offizielle Weltpremiere.

Dank hohem Standardisierungsgrad soll Care-O-bot 4 ein Meilenstein im Bereich der mobil einsetzbaren Serviceroboter sein. Zumindest unterstreich dies Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & CO. KG aus Lauffen am Neckar, bei der Ankündigung der Premiere. Sowohl die Armgelenke als auch die 1-Finger-Hand stammen aus dem standardisierten Modulprogramm für mobile Greifsysteme des Greifsystem-Anbieters. „Da Servicerobotiklösungen in der Regel mobil eingesetzt werden, müssen die Komponenten leicht, kompakt und energieeffizient sein“, erklärt Schunk weiter. „Die Komponenten lassen sich in industriellen Anwendungen ebenso einsetzen wie in Mess- und Prüfapplikationen oder in Assistenzsystemen, die Menschen im Alltag unterstützen.“

Charmanter als der Vorgänger

Während bei den Vorgängern des aktuellen Care-O-bot noch Grundlagen wie Objekterkennung oder sichere Navigation im Vordergrund der Weiterentwicklungen standen, ist laut Fraunhofer IPA jetzt ein wichtiger Schritt in Richtung Kommerzialisierung gelungen. „Die vierte Generation ist nicht nur agiler, vielseitiger und charmanter als seine Vorgänger, sondern zeichnet sich auch durch den Einsatz kostendämpfender Konstruktionsprinzipien aus“, sagt Ulrich Reiser, Gruppenleiter am Fraunhofer IPA. So besteht ein Großteil des inneren Aufbaus aus Blechfaltkonstruktionen, die bereits bei geringen Stückzahlen kostengünstig zu fertigen sind.

Modularität senkt Kosten

Sein modulares Konzept erlaubt die unterschiedlichsten Konfigurationen. Beispielsweise kann man auf einen Arm verzichten oder sogar beide Arme weglassen. Standardisierte Powerball-ERB-Module von Schunk werden als Armgelenke eingesetzt und ließen sich auf-grund ihrer kompakten Kugelform hervorragend integrieren. Die komplette Steuer- und Regelelektronik ist bei diesen Komponenten bereits in die Gelenkantriebe integriert. Position, Geschwindigkeit und Drehmoment sind flexibel regelbar. Da die Versorgungsleitungen für Greifer und Tools komplett im Inneren der Arme verlaufen, entfallen störende und fehleranfällige Kabel an der Peripherie. Dank integrierter Intelligenz, universellen Kommunikationsschnittstellen und Kabeltechnik für Datenübertragung und Spannungsversorgung können sie als einzelne Module oder komplett vorkonfiguriert schnell und einfach in übergeordnete Einheiten, wie den Care-O-bot, eingebunden werden. Einzigartig ist in diesem Zusammenhang auch die 24-V-DC-Versorgung, mit der es möglich ist, die Module auch unabhängig vom Stromnetz ortsveränderlich oder sogar komplett mobil per Akku zu betreiben. Konsequenter Leichtbau und Torquemotoren gewährleisten einen geringen Energieverbrauch. Das senkt die Energiekosten, zahlt sich bei Akkubetrieb in Form langer Laufzeiten aus und ermöglicht die Verwendung kleinformatiger Batterien.

Unterschiedliche Varianten realisierbar

Auch die aufwendigen Kugelgelenke in Hals und Hüfte sowie viele der Sensoren sind optional. Geht es nur um das Servieren von Getränken, könnte man auch eine Hand durch ein Tablett ersetzen oder nur die mobile Basis als Servier- und Transport-wagen nutzen. Die gezielte Anpassung an die jeweiligen Aufgaben schafft kostengünstige Lösungen. Viel Wert haben die Entwickler auf eine einfache Handhabung gelegt. Denn Nutzer sind nur dann bereit, sich von einem Roboter helfen zu lassen, wenn sie damit problemlos umgehen können. Über eine leicht zugängliche Interaktionsfläche am Kopf kann Care-O-bot 4 sowohl im Sitzen als auch im Stehen intuitiv bedient werden. Es ist selbstverständlich, dass man mit ihm auch durch Worte oder Gesten in Dialog treten kann – Kameras sowie Mikrofone dienen zur Sprach-, Personen- und Gestenerkennung. Dabei gibt er durch Gesten wie Nicken oder Kopfschütteln klar zu verstehen, ob er die Botschaft verstanden hat. Auch Lichteffekte und ein Laserpointer in der Hand dienen dem Informationsaustausch.

Design-Schmiede mit an Board

„Care-O-bot® 4 ist eine gelungene Symbiose von Design und Engineering, von Funktion sowie Emotion und verführt den Anwender schnell zur Interaktion“, meint Andreas Haug, Geschäftsführer des an der Entwicklung beteiligten Designstudios Phoenix Design aus Stuttgart. Mit seiner schlanken Gestalt, den beiden seitlich angebrachten Armen und einer Art Kopf erinnert der Roboter an einen Menschen. Ein zu menschliches Aussehen war allerdings nicht erwünscht, weil das beim Nutzer „falsche Erwartungen wecken würde“, so Ulrich Reiser. Menschlich sind nur seine „inneren Werte“: So hält er stets dezent Abstand, macht deutlich, was er verstanden hat und was er vorhat, beherrscht einfache Gesten und kann sogar Gefühle zeigen. Soziale Umgangsformen, das haben Untersuchungen gezeigt, sind unabdingbar für die Akzeptanz zukünftiger Nutzer. Während Care-O-bot 3 ein Butler war, sei sein Nachfolger ein Gentleman.


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