Trends in der additiven Fertigung, Teil 4: Armin Mann, Mann Datentechnik

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Trends in der additiven Fertigung, Teil 4: Armin Mann, Mann Datentechnik

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Additive Fertigungsverfahren gelten als wahre Multitalente, nicht nur, wenn es um Prototypen, sondern auch, wenn es dann in die Serie geht. Aber sind die Hoffnungen, die in sie gesetzt werden, denn auch gerechtfertigt? Und wo werden sie heute schon erfolgreich eingesetzt? Das erklärt Armin Mann, Geschäftsführer von Mann Datentechnik. Von Andreas Müller

AUTOCAD Magazin: In welchen Phasen der Produktentstehung sehen Sie den größten Nutzen von additiven Fertigungsverfahren?

Armin Mann: Aus meiner Sicht profitiert vor allem das Prototyping und die Individual- und Kleinserienfertigung. Bei Prototypen sind es vor allem die kostengünstigen FDM-Geräte, die es einzelnen Abteilungen und kleinen wie mittelständischen Betrieben erlauben, die Technologie direkt am Arbeitsplatz einzusetzen. Dabei muss das Thema Prototyping wesentlich größer gefasst werden: Der haptische Prototyp verändert sich vom finalen Präsentationsmodell als Nachweis der Produktionsreife zum Arbeitsobjekt des Entwurfsprozesses. Über viele Modellstufen und reale Tests wie Bauraumanalysen stärkt der 3D-Druck die interdisziplinäre Produktentwicklung und das Verständnis zwischen Ingenieuren, Designern und Kunden. Bei der Individual- und Kleinserienfertigung profitieren vor allem Medizin- und Zahntechnik, Automobilindustrie, Luft-und Raumfahrt sowie Konsumgüter.

AUTOCAD Magazin: Können Sie uns hierfür, bitte, ein Beispiel nennen?

Armin Mann: Ein gutes Beispiel ist der Luxusgütersektor: Individualisierte Add-ons oder hochwertige Ersatzteile für Oldtimer werden zunehmen.

AUTOCAD Magazin: Welche Faktoren stehen der Verbreitung dieser Verfahren in der Industrie noch entgegen?

Armin Mann: „Additive Fertigungsverfahren werden im Automobilbau schon seit Jahrzehnten eingesetzt. In kleinen und mittelständischen Betrieben fehlt oft das Know-how zu den neuen Fertigungsverfahren und zur  richtigen Aufbereitung der Dateien. Es besteht aktuell ein hoher Beratungsbedarf, da durch die unterschiedlichen Verfahren und Möglichkeiten schnell der Überblick verloren geht. Der Endkonsument wiederum hat beim Design und der Funktion sehr hohe Anforderungen an die Produkte. Die Materialeinschränkung und Auflösung  der kostengünstigen additiven Verfahren entsprechen teilweise nicht dem, was er gewohnt ist.“

AUTOCAD Magazin: Wie lassen sich diese Herausforderungen meistern?

Armin Mann: Der 3D-Druck mit dem FDM-Verfahren erlebt aktuell einen Hype, da sowohl Leistungsfähigkeit der Geräte als auch das Preis-Leistungsverhältnis sehr attraktiv geworden sind. Gerade MakerBot mit seinen sofort einsatzfähigen Geräten hat viel zu einer schnellen Verbreitung in der Industrie beigetragen. Mit dem Auslaufen des Patentes für selektives Lasersintern hoffen wir auf eine zweite Entwicklungswelle in der Open-Source-Bewegung, die die komplette Materialbreite wie Metall, Glas und Keramik zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis verfügbar macht.

AUTOCAD Magazin: Welche Trends zeichnen sich bei der Nutzung der additiven Verfahren ab?

Armin Mann: 

B2C-Bereich: Die oft von der Maker-Bewegung propagierte dritte industrielle Revolution, bei der in wenigen Jahren jeder Haushalt mit einem eigenen 3D-Drucker seine Produkte herstellen wird, sehe ich eher kritisch. Dagegen sehe ich bei den 3D-Copyshops, ob lokal oder als Webanbieter wie Shapeways, große Wachstumschancen.

Inhaltsanbieter: Die Zukunft liegt in den Ideen, weniger in der Technik. Das könnten Plattformen mit kostenpflichtigem Download von 3D-Modellen sein, die man dann im Copyshop mit dem Material seiner Wahl ausdrucken lassen kann. Die ersten Anwendungen werden individualisierte Objekte wie Konsumartikel, Gadgets, Schmuck oder auch Werbeartikel sein. Ganz neue Geschäftsmodelle könnten Ersatzteilbörsen und andere Produkt-Downloads werden, die die bisherige Ersatzteilabwicklung komplett überflüssig machen. Warum sollte man in Produktion, Distribution und Logistik investieren, wenn man ein Teil überall ausdrucken kann? Natürlich kommen damit ganz neue Herausforderungen auf Unternehmen zu, was Urheberrechte betrifft, die ähnlich wie bei den Musik-Downloads erst mal geklärt werden müssen.

Medizintechnik: Was jetzt schon mit Zahnersatz Standard ist, wird in Zukunft auch bei individualisierten Prothesen, Stützverbänden, orthopädischen Schuheinlagen Realität werden.

Druckraumdimensionen: Die Dimensionen der 3D-Drucke werden zunehmen. War es gestern eine Turbine oder Felge, ist es heute ein kompletter V6-Motor und morgen ein Motorrad.

Zweite Revolution: Mit dem Auslaufen des Patents für selektives Lasersintern wird der Markt sich noch einmal stark verändern. SLS-Maschinen bieten viele Vorteile gegenüber den aktuellen günstigen Filament-Printern: unendliche Materialvielfalt wie Glas, Keramik, Metall und eine hochqualitative Auflösung. Die Frage wird sein, ob in der Open-Source-Bewegung ähnlich zur ersten 3D-Druck-Revolution so günstige Geräte entstehen, die sowohl den Qualitätsanforderungen professioneller Anwender genügen wie auch im Preis-Leistungsverhältnis Heimanwender ansprechen.

Ein Blick auf die Webseite http://www.3dprintingindustry.com gibt ein Ausblick auf Startups und Trends.

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