Trends in der additiven Fertigung, Teil 5: Jörg Dimler, medacom GmbH

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Trends in der additiven Fertigung, Teil 5: Jörg Dimler, medacom GmbH

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Additive Fertigungsverfahren gelten als wahre Multitalente, nicht nur, wenn es um Prototypen, sondern auch, wenn es dann in die Serie geht. Aber sind die Hoffnungen, die in sie gesetzt werden, denn auch gerechtfertigt? Und wo werden sie heute schon erfolgreich eingesetzt? Darüber spricht hier: Jörg Dimler, Geschäftsführer der medacom GmbH. Von Andreas Müller

AUTOCAD Magazin: In welchen Phasen der Produktentstehung sehen Sie den größten Nutzen von additiven Fertigungsverfahren?

Jörg Dimler: Während in den Anfangszeiten des 3D-Drucks vorwiegend reine Prototypen (ursprünglich als Anschauungsmuster, später auch als Funktionsmuster) mittels additivem Verfahren erstellt wurden, geht die heutige Nutzung weit darüber hinaus. Neben Prototypen werden mehr und mehr Sonderwerkzeuge, Montage- und Fixierhilfen, aber auch Kleinserien gefertigt. Der größte Nutzen liegt sicherlich in der Reduzierung von Kosten und Zeit. Ohne hohe Kosten für Werkzeuge usw. können Teile ab Stückzahl 1 kostengünstig und schnell gefertigt werden.

Jörg Dimler, Geschäftsführer der medacom GmbH: „Durch das additive Verfahren und den schichtweisen Aufbau eines Modelles können Geometrie und Komplexität geschaffen werden, die mit keinem anderen Verfahren erzeugt werden können. Speziell dies auszunutzen und damit neue Ideen umzusetzen ist ein Trend, der sicherlich erst am Anfang steht.“

Derzeit ist aus keiner Phase der Produktentwicklung der 3D-Drucker wegzudenken.Durch den Einsatz verschiedenster Materialien und die stetige Verbesserung von Stabilität und Oberflächengüte können immer mehr Bereiche der Produktentwicklung und Fertigung abgedeckt werden.

Es ist heute möglich, 3D-Drucker für die ersten Designentwürfe eines Produktes einzusetzen, weiterführend für erste Prototypen und nachfolgend für erste Funktionsmodelle. Neben den Modellen der Vorserie können die ersten Stücke (1 bis 1.000) der Serienfertigung gedruckt werden. Dazu Werkzeuge, Aufnahmen, Fixierungen für den Fertigungsbereich. Verpackungen könnten ebenso gedruckt werden wie später benötigte Ersatzteile. Eine Fixierung auf eine spezielle Phase der Produktentstehung erscheint damit nicht mehr zeitgemäß. Generell jedoch ist beim Einsatz für die Fertigung von Endprodukten künftig die größte Steigerung zu erwarten.

AUTOCAD Magazin: Können Sie uns hierfür, bitte, ein Beispiel nennen?

Jörg Dimler: Deutlich zunehmend dürfte in nächster Zeit sicherlich der Einsatz der 3D-Drucker für eigentliche Endprodukte sein. Höhere Stabilität der gedruckten Modelle und Reduzierung der Druckzeiten machen 3D-Drucker dafür immer interessanter.

Wir denken, wir haben die Produkte, die wir benötigen. Wir vergessen dabei, dass wir nur die Produkte haben, die wir auch produzieren können. Und genau hier liegt das große Potenzial der 3D-Drucker. Diese verschieben deutlich die technologischen Grenzen der Fertigung und ermöglichen die Produktion völlig neuer Erzeugnisse. Dadurch lassen sich Modelle fertigen (drucken), die mit keiner anderen Technologie erstellt werden können. Man denke hierbei zum Beispiel an biomorphe Formen, die nutzbar sind, um Gewicht und Energie zu sparen oder die die Stabilität deutlich erhöhen können.

AUTOCAD Magazin: Welche Faktoren stehen der Verbreitung dieser Verfahren in der Industrie noch entgegen?

Jörg Dimler: Begrenzend wirken sicherlich immer noch Geschwindigkeit, Stabilität, Oberflächengüte, Materialeigenschaften wie chemische oder thermische Beständigkeit. Eine (über-)hohe Erwartung in die aktuellen Möglichkeiten des 3D-Drucks wirkt bei manchen Entscheidern auch verzögernd hinsichtlich einer Investition in diese Technologie. In naher Zukunft werden sich Erwartung und Realität angleichen und die Anschaffung eines 3D-Druckers zu einem Prozess machen wie viele andere Investitionen auch.

AUTOCAD Magazin: Wie lassen sich diese Herausforderungen meistern?

Jörg Dimler:  Herstellerseitig wird sicherlich viel getan und noch vieles getan werden müssen, um die angesprochenen Limitierungen (Geschwindigkeit, Stabilität, Oberflächengüte usw.) zu verbessern. Seitens Marketing und Vertrieb müssen deutlich die bereits bestehenden Möglichkeiten publik gemacht werden. Der derzeit standfindende und vor allem von den Medien getragene Hype um die 3D-Drucker sollte sich abkühlen und der Realität annähern.

Rechtlich sind viele Fragen, etwa hinsichtlich des Copyrights usw., völlig ungeklärt. Hier besteht noch großer Nachholbedarf, die aktuelle Gesetzgebung den neuen Möglichkeiten anzupassen.

Natürlich wird sich die Gesellschaft auch mit ethischen Fragen, ich denke hier nur an den 3D-Druck von Waffen oder auch an das Drucken von menschlichen Organen, auseinandersetzen müssen.

AUTOCAD Magazin: Welche Trends zeichnen sich bei der Nutzung der additiven Verfahren ab?

Jörg Dimler: Nachdem ursprünglich der 3D-Druck genutzt wurde, um Prototypen, die später mit anderen Fertigungsverfahren gedruckt werden sollen, zu fertigen, findet sich bei Anwendern verstärkt der Trend, speziell die Möglichkeiten des 3D-Druckers auszunutzen. Durch das additive Verfahren und den schichtweisen Aufbau eines Modelles können Geometrie und Komplexität geschaffen werden, die mit keinem anderen Verfahren erzeugt werden können. Speziell dies auszunutzen und damit neue Ideen umzusetzen ist ein Trend, der sicherlich erst am Anfang steht. Verstärkt wird dies durch die 3D-Drucker, die von den Anschaffungskosten her für die Nutzung im Bastelkeller oder der Hobbywerkstatt geeignet sind. Damit kann diese neue Technologie quasi vom “kreativem Schwarm” genutzt werden, dessen Potenzial nicht zu unterschätzen ist.

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