Werkstoffwoche: Neuer Kongress für Werkstoffanwender und -verbraucher

Materialien und Werkstoffe sowie ihre Entwicklungen und Erschließung für neue Anwendungsgebiete sind starke Triebfedern, auf denen die meisten technischen Fortschritte basieren. Die Bewältigung der großen Herausforderungen der Zukunft in den Bedarfsfeldern Energie, Verkehr, Kommunikation, Gesundheit oder Sicherheit hängt maßgeblich von der Entwicklung innovativer Werkstoffe ab. Es gibt nahezu kein Industriezweig in Deutschland, dessen nationaler wie internationaler Erfolg nicht direkt oder indirekt mit neuen Werkstofflösungen zusammenhängt. Umso wichtiger ist es, die Werkstofferkenntnisse einem breiten Kreis von Wissenschaft und Industrie zu vermitteln und ihnen so die Möglichkeiten der Qualitätssteigerung nahezubringen.
Die Deutsche Gesellschaft für Materialkunde e. V. (DGM) veranstaltet daher vom 14. bis 17. September 2015 in Dresden eine Konferenz zu allen anwendungsorientierten Fragen rund um das Schlüsselthema „Werkstoffe für die Zukunft“: Die „Werkstoffwoche – Kongress für innovative Werkstoffe, Verfahren und Anwendungen“
mit begleitender Industrieausstellung. Alle technologieorientierten Fachausschüsse der DGM integrieren ihre Tagungen in die „Werkstoffwoche“. Parallel zu diesen Tagungen und neu initiierten Symposien erhält der Besucher auf Wunsch in Vertiefungsseminaren einen detaillierten Einblick in einzelne Themen. Die „Werkstoffwoche“ wartet mit einem Tagungskonzept auf, das von der herkömmlichen Praxis abweicht. Im Zentrum stehen die Fragen und Probleme der Werkstoffanwender und -verbraucher, deren Lösung maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens beiträgt. Doch entspricht dieses Konzept auch den Vorstellungen und Erwartungen der Werkstoffanwender? Welche Themen sind für Werkstoffanwender von Relevanz?

Kongress „Werkstoffwoche 2015“ soll konkrete Lösungen bieten

Prof. Anja Geigenmüller, Leiterin des Fachgebiets Marketing an der Technischen Universität Ilmenau, befragte im Auftrag der DGM von Anfang November 2013 bis Ende Januar 2014 Führungskräfte aus der Industrie etwa aus Maschinenbau, Fahrzeugbau, Luftfahrt, Energietechnik, Elektrotechnik und Bauwesen nach ihren Erwartungen und Anregungen, Problem- oder Fragestellungen. Die Ergebnisse präsentierte Geigenmüller am 11. Februar auf dem Vorbereitungstreffen der DGM zur „Werkstoffwoche“. Eine der zentralen Fragen war, ob Bedarf an einem lösungsorientierten Kongress besteht, der auf die Bedürfnisse und Fragestellungen der Unternehmen eingeht, die Werkstoffe verbrauchen und anwenden. Diese Frage beantworteten die Teilnehmer der Anwenderumfrage eindeutig mit „Ja“. Mehr als 400 Anwender hatten sich die Zeit genommen und die 35 Fragen beantwortet. Die Haupterkenntnis: Anwenderunternehmen sind an konkreten Lösungen interessiert. Die Teilnehmer erhoffen sich von der Tagung Unterstützung bei der individuellen Lösungsfindung und eine entsprechende Qualifizierung. Gerade für Kleinunternehmen ist es relevant, konkrete werkstoffbezogene Anwendungsprobleme zur Diskussion zu stellen. Neue Materialien und Werkstoffentwicklungen haben für alle beteiligten Unternehmen, Institute und Hochschulen einen hohen Stellenwert. Sie helfen ihnen konkrete Werkstoffprobleme in den Griff zu bekommen, steigenden Kundenerwartungen gerecht zu werden und nicht nur gesetzliche Auflagen zu erfüllen, sondern auch Kosten konkret einzusparen. Die Tagung sollte neue Produkt- und Prozessentwicklungen präsentieren und die Möglichkeit zum Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft sowie der individuellen Diskussion von Anwenderproblemen bieten. Auch sollte Raum für die Behandlung typischer Problemstellungen und genereller Lösungsansätze vorhanden sein.

Die Werkstoffwoche als Vernetzungsplattform

Insbesondere kleine Unternehmen versprechen sich von der Tagung den Zugang zu neuen Forschungspartnern. Thematisch wünschen sich große Firmen eher den Fokus auf den Prozessen Walzen, Ziehen, Strangpressen und Stranggießen, wohingegen etwa für Forschungsinstitute auch die Behandlung von Hochleistungs- oder zellularen Werkstoffen wichtig sind. Als relevante Themen werden darüber hinaus Konstruktionswerkstoffe, Werkstoffprüfung, Metallographie, Umform-, Fertigungs- und Produktionstechnik, Reibung und Verschleiß identifiziert. Gegenstand könnten auch Messverfahren, Werkstoffdatenbanken, Modellierung und Simulation, Qualitätssicherung und Recycling sein. Letzteres ist insbesondere für die Energie- und Luftfahrttechnik von Relevanz. Auch die globalen Herausforderungen wie Rohstoffsicherheit, Energiepolitik, Emissionsreduzierung und politische Rahmenvorgaben interessierte vornehmlich die Energietechnikbranche.
Als Präsentationsform werden neben Vorträgen Workshops, Ausstellungen und Exkursionen zu Firmen und Forschungseinrichtungen gewünscht. Insbesondere Unternehmen der Energie- und Luftfahrttechnik sind offen für ergänzende Programmelemente wie Online-Tutorials, Webinare und Videokonferenzen. Insgesamt erhoffen sich die Teilnehmer von der Werkstoffwoche Kontakte zu Anwenderunternehmen, Vertretern von Hochschulen oder Verantwortlichen aus Forschungsinstituten sowie Technologietransfer-Einrichtungen. Kleinere Unternehmen versprechen sich insbesondere Vorteile von der Vernetzung mit Förderinstitutionen und Interessensvertretungen. Die Tagung sollte nicht länger als drei bis vier Tage dauern, alle zwei Jahre und eher im zweiten Quartal stattfinden. Die Einrichtung eines Anwenderbeirats, der gemeinsam mit den Arbeitsausschüssen sowie den Programmausschüssen der in der Werkstoffwoche integrierten Tagungen und Symposien das Programm ausarbeitet, halten die meisten für sinnvoll. Viele der Umfrageteilnehmer können sich sogar vorstellen, sich darin zu engagieren.

Historisches Vorbild: Werkstofftagung und -schau 1927

Die Bedeutung der Werkstoffe für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Notwendigkeit des Wissenstransfers erkannten die Materialwissenschaftler und Werkstofftechniker schon 1927. Die Community veranstaltete damals erstmals eine Großveranstaltung zu Werkstoffen, die insgesamt drei Wochen lang lief: Die „Werkstoffschau“ mit angegliederter Tagung. Mehr als 235.000 Besucher nahmen an der Werkstoffschau teil, etwa 80.000 Teilnehmer hörten 225 Vorträge im Rahmen der Werkstofftagung.
Technisch und wissenschaftlich ausgearbeitet wurden damals die Themen der Tagung durch Arbeitsausschüsse der drei Gruppen Stahl und Eisen, Nichteisenmetalle und Elektronische Isolierstoffe. Der Beirat der Verbraucher setzte sich aus Vertretern der technischen Behörden, der weiterverarbeitenden Industrien und des Handwerks zusammen. Er sammelte die Fragen und Wünsche der Industrie und des Handwerks ein, die dann in den Arbeitsgruppen bearbeitet wurden. Ein Teil der Vortragsreihen basierte ausschließlich auf diesen Ergebnissen.Neben der Werkstofftagung mit ihren Vorträgen über wichtige Werkstoffgruppen wurde 1927 eine große und wissenschaftlich aufgebaute Werkstoffschau durchgeführt. Sie war unterteilt in eine Werkstoffprüfschau und eine Werkstoffübersicht. Während der Werkstoffprüfschau wurden in einer voll funktionstüchtigen Versuchsanstalt Prüfmethoden vorgeführt und aufgezeigt, wie sie eingesetzt werden. Die Werkstoffübersicht vermittelte die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Werkstoffe und deren wichtigsten Anwendungsgebiete, die richtige Auswahl, die falsche und richtige Behandlung sowie das Verhalten bei verschiedenen Formgebungs- und Benutzungsarten.

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