Wettbewerb: Architektur für die Sinne

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Wettbewerb: Architektur für die Sinne

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caparol_juryfoto

2004 verlieh Caparol den ersten „Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche“, im zehnten Jahr seines Bestehens zeigt der Wettbewerb einmal mehr, dass Architektur nicht nur aus Volumen besteht, sondern sinnlich wahrnehmbar sein kann, ja, sein muss. Zugleich verweisen die ausgezeichneten Projekte auf jene drängenden gesellschaftlichen Themen, für die das Bauen zukunftssichere Konzepte anbieten muss. Sei es im Umgang mit der demografischen Entwicklung, der urbanen Verdichtung oder der kulturellen Vielfalt – Planen bedeutet stets, Verantwortung zu übernehmen.

Dafür bietet der aktuelle, von Caparol zusammen mit den Fachzeitschriften AIT sowie xia ausgelobte „Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche“, ganz besondere Beispiele, deren Relevanz sich mitunter erst auf den zweiten Blick zeigt, die dafür aber umso substanziellere Impulse anbieten.

„Der Wettbewerb gibt einen spannenden Einblick in das, was originäre Architektur auszeichnet – und dass es nicht die eine, sondern eine große Bandbreite an Ideen, konzeptionellen Ansätzen und Lösungen gibt“, fasst Maic Auschrat, Leiter Objektmanagement der Caparol-Firmengruppe, seine Eindrücke als Juror zusammen. „Diese Vielfalt hängt vor allem damit zusammen, dass der Wettbewerb produktneutral ausgeschrieben wird. Als Auslober geben wir nicht vor, dass bei den Projekten unsere Produkte zum Einsatz gekommen sein müssen“, erläutert Reinhard Franz, der als Key Account Manager bei Caparol unter anderem für den Wettbewerb verantwortlich zeichnet.

Erster Preis: Ein Friedhof

Bernardo Bader Architekten aus Dornbirn zeigen, wie sich zwei kulturelle Welten harmonisch verbinden lassen – und das anhand eines ausgesprochen sensiblen Aspektes, dem des islamischen Begräbnisses. Für das vorarlbergische Altach konzipierten die Architekten in enger Abstimmung mit der islamischen Gemeinschaft einen Friedhof, der sich mit seiner Schlichtheit wie selbstverständlich in die Landschaft integriert. Sowohl für den offenen Andachtsraum als auch für die das Gräberfeld gliedernden Wandscheiben wird rot eingefärbter und horizontal strukturierter Beton verwendet. Holzstabwerk mit dem islamischen Achteckmotiv öffnet den Andachtsraum nach draußen und erzeugt ein orientalisch anmutendes Licht- und Schattenspiel. Der Gebetsraum mit seinen weißen Betonflächen öffnet sich gen Mekka, das große Fenster wird von drei versetzten Metallgewebe-Vorhängen verdeckt, in die vergoldete Schindeln eingeflochten sind. Einerseits schlicht, erhält der Raum so kontemplative Würde und verbindet Modernität mit Tradition.

Zweiter Preis: Ein Hörsaal

Nicht von Dauer wird der Audimax der Technischen Universität in Garching sein – lediglich eine schnelle und wirtschaftliche Interimslösung. Dennoch gelang es den Architekten Deubzer König + Rimmel (München), einen ganz eigenständigen Baukörper zu schaffen. Im Prinzip ein geschlossener Kubus mit quadratischem Grundriss, eine strenge Kiste also, wirkt der Hörsaalbau völlig anders, geradezu beschwingt. Das statische Volumen wird allein durch die Ausbildung der Fassade dynamisiert, freundlich und lebendig. Dafür sorgen schwarz lasierte Fichtenholzleisten, die horizontal auf die Unterkonstruktion montiert sind – und durch die Variation des Abstandes eine dreidimensionale, regelmäßige Wellenbewegung absolvieren. Das Ergebnis ist eine simple, aber erfrischend bewegte Gebäudehülle, die bei genauer Betrachtung einem klar festgelegten dreidimensionalen Muster folgt.

Dritter Preis: Das Betagtenzentrum

Eine Altenwohnanlage zu erweitern stellt Planer gleich vor zwei wesentliche Fragestellungen: Wie baut man den Bestand angemessen weiter und wie muss ein Gebäude für die ältere Generation aussehen? Auf jeden Fall nicht unscheinbar, so entschied das Büro Konstrukt aus Luzern bei der Erweiterung des Betagtenzentrums Staffelnhof in Luzern. Der Bestand aus den 1960er-Jahren wurde fortgeschrieben – alt und neu verschmelzen miteinander nahtlos. Dem gegenüber steht aber die vom Künstler Jörg Niederberger konzipierte Farbigkeit, die mit kräftigen Tönen und Kontrasten ein Statement aus der Jetztzeit abgibt. Basis dafür ist ein sehr grobkörniger Kellenwurfputz, der der Fassade mit seiner prägnanten Plastizität eine ganz eigene Anmutung verleiht und die Farben immer wieder anders erscheinen lässt.

 

Lobende Erwähnungen

Drei weiteren Objekten sprach die Jury jeweils eine lobende Anerkennung zu: dem genossenschaftlich erstellten Wohnaus „Avellana“ in Zürich-Schwammendingen (Edelaar Mosayebi Inderbitzin, Züruch), der Wohnanlage „Am Lokdepot“ am Berliner Gleisdreieck (Robertneun Architekten, Berlin) und dem Forschungsinstitut „:envihab“ des Institute für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln (Glass Kamer Löbbert Architekten mit Uta Graff, Berlin). Letzteres verbindet schimmerndes Weiß mit grünen und roten Akzenten – eine Novität für ein wissenschaftliches Bauwerk. Farbe ist hier übrigens auch Forschungsgegenstand – besser gesagt, die Auswirkungen farbigen Lichts auf die Befindlichkeit des Menschen.

74 Nominierungen

Auch in diesem Jahr folgt der Wettbewerb einem mehrstufigen Verfahren. In der ersten Phase wählen unabhängige Nominierungsjuroren jeweils zehn persönliche Favoriten aus, die während der letzten beiden Jahre in Deutschland, Österreich oder der Schweiz realisiert wurden. Im zweiten Schritt dann stimmt die eigentliche Bewertungsjury über die Preisvergabe ab – aktuell standen dafür 74 Nominierungen zur genauen Betrachtung an. Die siebenköpfige Bewertungsjury setzte sich zusammen aus Philipp Auer (Auer+Weber+Assoziierte, Stuttgart und München), Gordian Blumenthal (Capaul & Blumenthal, Ilanz), Johannes Ernst (Steidle Architekten, München), Tiina Parkkinen (Berger + Parkinnen, Wien), Klas Wischmann (RKW Rhode Kellermann Wawrowsky, Düsseldorf), Petra Stephan (Chefredakteurin AIT, Leinfelden-Echterdingen) sowie Maic Auschrat (Leiter Objektmangement der Caparol-Firmengruppe).

Studentische Ideen

Auch der Nachwuchs bekommt beim „Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche“ zum zweiten Mal ein eigenes Forum. Die studentischen Konzepte, meist Abschlussarbeiten, werden zunächst hochschulintern vorausgewählt und dann zum Wettbewerb eingereicht. So repräsentieren die Arbeiten immer auch die Hochschule – in diesem Jahr standen insgesamt 41 Einreichungen zum anonymisierten Bewertungsverfahren an. Drei Arbeiten wurden von der Jury mit Preisen gewürdigt, drei erhielten lobende Erwähnungen. Mit diesem Preis im Preis fördert Caparol bereits während der Ausbildung der Planer deren Sensibilität für Strukturen, Farben, Oberflächen – für sinnliche Qualitäten des Bauens.

Bild: Die Jury des Caparol-Architekturpreises 2014: (hinten von links) Petra Stephan, Klas Wischmann, Gordian Blumenthal, Johannes Ernst, Tiina Parkkinnen, (vorne von links) Maic Auschrat und Philipp Auer. Foto: Britta Hüning, Ober-Ramstadt

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