Ein Blick auf das BAS Discovery Building Baumanagementsoftware: Digitale Tools für extreme Bauvorhaben

Ein Gastbeitrag von Marvin Theissen 4 min Lesedauer

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Wer wettbewerbsfähig bleiben will, kommt um die Nutzung von Baumanagementsoftware nicht herum. Von der Automatisierung aufwändiger Prozesse bis hin zur Optimierung des Materialverbrauchs bietet sie eine ganze Reihe an Vorteilen. Das Beispiel des Discovery Building-Projektes der British Antarctic Survey in der Antarktis zeigt, wie digitale Tools Bauvorhaben selbst unter extremen Bedingungen zum Erfolg verhelfen können.

Neubau einer Forschungsstation in der Antarktis und die Errichtung des zugehörigen Forschungsschiffs und seiner Werft. (Bild:  Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)
Neubau einer Forschungsstation in der Antarktis und die Errichtung des zugehörigen Forschungsschiffs und seiner Werft.
(Bild: Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)

In Europas Bauwirtschaft arbeiten 2,6 Millionen Beschäftigte. 88 Prozent der Unternehmen, in denen diese Menschen europaweit arbeiten, haben akuten Nachholbedarf, wenn es um das Thema Datennutzung geht. Das zeigen die Zahlen des kürzlich veröffentlichten Deloitte-Reports, der von Autodesk in Auftrag gegeben wurde. Der Report ermittelte den Status quo der Datenkompetenz in der europäischen Bauindustrie und die Ergebnisse der Befragung zeigen: Die strategische und systematische Nutzung von Daten wird in der modernen Baubranche zunehmend notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die wachsenden Anforderungen und Herausforderungen effizient zu bewältigen.

Vorteile der Baumanagementsoftware für Effizienz und Präzision

Baumanagementsoftware unterstützt, wenn Funktionalitäten für die künstliche Intelligenz implementiert sind, Unternehmen dabei, aus Daten Erkenntnisse zu ziehen und diese direkt für die Optimierung des Bauprozesses zu nutzen. Gleichzeitig vereinfachen die Anwendungen auch die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure, und Baumanagementsoftware wird damit zum Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft. KI kann zeitaufwändige manuelle Prozesse wie Terminplanung, Ressourcenzuweisung und Fortschrittsüberwachung automatisieren, wodurch sich Bauprojekte schneller und mit weniger Personalaufwand durchführen lassen. Auch die Erstellung von Bauplänen kann dank der KI-Analyse großer Datenmengen signifikant beschleunigt werden. Qualität und Sicherheit steigen, weil KI-Anwendungen potenzielle Risiken in Echtzeit identifizieren können. Durch die Analyse historischer und aktueller Projektdaten kann KI genauere Kostenschätzungen und Zeitpläne erstellen, was zu besserer Budgetierung und weniger Verzögerungen führt.

Auch mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit punktet KI-basierte Baumanagementsoftware: Durch die Analyse von Umwelt- und Projektdaten kann KI Materialverbrauch und -nutzung optimieren, Abfall reduzieren, somit Kosten sparen und dabei helfen, umweltfreundliche Praktiken zu implementieren. KI-Systeme sind skalierbar und können an die spezifischen Anforderungen unterschiedlichster Bauprojekte angepasst werden, von kleinen Renovierungen bis hin zu großen Infrastrukturprojekten.

Baumanagement unter Extrembedingungen

Aber wie sieht der Einsatz von Baumanagementsoftware mit KI-Funktionalitäten tatsächlich in der Praxis aus? Und bringt ihre Nutzung wirklich so viele Vorteile? Gut sichtbar wird das Spektrum der Möglichkeiten am Beispiel eines einzigartigen Bauprojekts: Der Neubau einer Forschungsstation in der Antarktis und die Errichtung des zugehörigen Forschungsschiffs und seiner Werft. Auftraggeber für dieses ganz besondere Mammutprojekt ist die British Antarctic Survey (BAS), das nationale Polarforschungsprogramm Großbritanniens. Sie beauftragte für den Bau der erwähnten Werft, des Schiffes und des 4.500 Quadratmeter großen Zentralgebäudes ein Konsortium aus Ramboll als technischen Berater, das Ingenieurbüro Sweco und BAM als Baupartner.

Die Partner wollen das Projekt innerhalb von zehn Jahren realisieren– unter schwersten Bedingungen. (Bild:  Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)
Die Partner wollen das Projekt innerhalb von zehn Jahren realisieren– unter schwersten Bedingungen.
(Bild: Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)

Gemeinsam sollen die Partner das Projekt innerhalb von zehn Jahren realisieren– unter schwersten Bedingungen. Denn die Bauzeit, in der vor Ort überhaupt Arbeiten vorgenommen werden können, beschränkt sich aufgrund der klimatischen Verhältnisse auf die Monate von November bis April. Die Bauteams haben es mit gefrorenen Böden, Schnee, starken Winden und sehr begrenzten Platzverhältnissen zu tun. Außerdem ist die Antarktis ein einzigartigen Ökosystem, dessen Integrität es zu erhalten gilt, weswegen Baugeräte und alle eingesetzten Materialien zunächst einen Reinigungsprozess durchlaufen müssen, bevor sie vor Ort verwendet werden können. Und wenn ein Bauteil oder eine Maschine auf der Baustelle fehlt, gibt es keine Infrastruktur vor Ort dank derer sich schnell Ersatz besorgen ließe.

Zentrales Modell für alle Projektbeteiligten

Gerade diese Bedingungen sind es, die die Kooperationspartner dazu zwingen, neue Wege zu gehen und sich das volle Potenzial digitaler Möglichkeiten zunutze zu machen. Ein zentraler Aspekt des Discovery Building-Projekts ist deshalb die Implementierung moderner Baumanagementsoftware, die eine effiziente Planung, Zusammenarbeit und Durchführung des Bauprojekts sicherstellt. Eine der wichtigsten Funktionen dieser Software ist die Bereitstellung eines zentralen Modells, auf das alle Projektbeteiligten zugreifen können. Diese gemeinsame Plattform ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern und gewährleistet, dass alle auf dem gleichen Stand sind und effizient zusammenarbeiten können, weil sie jederzeit auf dieselben Informationen und Daten zugreifen.

In diesem Fall wurde Autodesk BIM 360 für das Baumanagement genutzt. Die Software erlaubt die klare Festlegung der Lieferabfolge und die gemeinsame Nutzung von Modellen. Außerdem besteht die Möglichkeit, virtuelle Bauphasen durchzuführen, bevor die physischen Bauarbeiten beginnen. Dies hilft, Bauaktivitäten vorhersehbar und wiederholbar zu machen, was in extremen Umgebungen wie der Antarktis besonders wichtig ist. Fehler und Verzögerungen müssen so gut es geht reduziert werden, bevor die Teams vor Ort sind, die Erprobung der Abläufe und Prozesse im digitalen Raum sorgt deshalb für einen entscheidenden Vorteil. Außerdem ermöglicht die Software die Nutzung der Modelle auf unkonventionelle Weise: So entwickelten die Projektpartner beispielsweise ein digitales Spiel, das es den Baggerfahrern ermöglicht, den Aushub um die Zugstangen der Werft virtuell zu üben. So konnten diese auch 15.000 Kilometer entfernt von der tatsächlichen Baustelle Know-how ausbilden und ein besseres Verständnis für die Arbeit in der Praxis entwickeln

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Ein zentraler Aspekt des Discovery Building-Projekts ist die Implementierung moderner Baumanagementsoftware. (Bild:  Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)
Ein zentraler Aspekt des Discovery Building-Projekts ist die Implementierung moderner Baumanagementsoftware.
(Bild: Pete Bucktrout, British Antarctic Survey)

Die Erfahrungen aus dem Discovery Building-Projekt zeigen auch, wie moderne Baumanagementsoftware zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beiträgt. Durch ihre frühzeitige Integration in den Planungsprozess kann der ökologische Fußabdruck des Projekts minimiert werden: In diesem Fall wurde das Ziel gesetzt, den Verbrauch von Schiffsdiesel um 25 Prozent zu reduzieren und langfristig auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen. Die Software unterstützt zudem dabei, den Materialverbrauch zu optimieren und nachhaltige Baupraktiken zu fördern.

Baumanagementsoftware: Ein Modell für die Zukunft

Baumanagementsoftware ist nicht nur ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, sondern bildet die Basis für innovative Lösungen und nachhaltiges Bauen. In einer Zeit, in der der Klimawandel eine immer größere Bedrohung darstellt, zeigt das Projekt der BAS, wie technologische Fortschritte eine neue Art des Bauens und Kons­truierens ermöglichen, dazu beitragen, reibungslose Zusammenarbeit zu fördern, die Herausforderungen des Bauens in extremen Umgebungen zu meistern und gleichzeitig die Umwelt zu schützen.