Vom Pilotprojekt zum Standard: Wolff & Müller setzt im Rahmen seiner Digitalisierungsstrategie bei allen Projekten im Hochbau in der Rohbauphase auf BIM.
(Quelle: Wolff & Müller)
Wolff & Müller setzt bei allen Projekten im Hochbau auf BIM.
Seit Jahresbeginn bearbeitet das Unternehmen mit BIM jedes Hochbauprojekt in der Rohbauphase.
Mit dem unternehmensweiten, prozessintegrierten Einsatz BIM-Einsatz justiert Wolff & Müller zudem seine Digitalisierungsstrategie neu.
Während viele Planungsbüros und Baubetriebe noch erste Erfahrungen mit der BIM-Methode sammeln, ist das digitale Planen und Bauen bei Wolff & Müller schon Standard: Das Bauunternehmen wickelt seit Jahresbeginn 2020 jedes Hochbauprojekt in der Rohbauphase mit BIM ab. „Im Hochbau ist die durchgängige Digitalisierung aller planungs- und realisierungsrelevanten Informationen besonders wichtig, weil es hier viele Beteiligte und entsprechend viele Schnittstellen gibt“, erklärt Heinz Wölper, Leiter der Service-Einheit Unternehmensentwicklung bei Wolff & Müller.
Durch das Datenmodell des Bauwerks haben alle Beteiligten, etwa Projektentwickler, Architekt, Fachplaner und Bauunternehmen, in einem einheitlichen Datenraum zur gleichen Zeit dieselben Informationen. Dadurch können sie sich viel enger abstimmen als bei der herkömmlichen Planung mit 2D-Plänen. Das verbessert die Qualität, Termin- und Kostensicherheit der Bauprojekte – Vorteile, die dem Bauherrn und den späteren Nutzern zugute kommen.
BIM für die Rohbauphase im Hochbau
Mit dem unternehmensweiten, prozessintegrierten Einsatz der Methode justiert Wolff & Müller seine BIM-Strategie neu: Während der vergangenen Jahre konzentrierte sich das Unternehmen auf ausgewählte BIM-Projekte wie das Rathaus Leonberg oder das Porsche-Casino Weissach. Um das interne BIM-Know-how zu stärken und die nötigen Prozesse aufzubauen, wurden diese Projekte möglichst durchgängig und sehr aufwändig mit BIM bearbeitet. Zum Beispiel haben Planer und Bauunternehmen neben dem Rohbau auch den Ausbau samt Gebäudetechnik im Datenmodell abgebildet.
Die in den Pilotprojekten gesammelten Erfahrungen sollen nun möglichst jedem Bauwerk zugute kommen. Damit BIM in den Büros und auf den Baustellen gängige Praxis wird, geht das Unternehmen schrittweise vor. Wolff & Müller hat das Jahr 2019 genutzt, um die Methode sukzessive auf die Rohbauphase aller Hochbauprojekte auszuweiten. „Natürlich bestimmt auch weiterhin der Kunde, wie viel BIM er in seinem Projekt haben will und ob wir die Methode auch über den Rohbau hinaus anwenden. Wir freuen uns über jeden Bauherrn und Projektpartner, der BIM aktiv einfordert und vorantreibt“, sagt Dr. Albert Dürr, Geschäftsführender Gesellschafter der Wolff & Müller-Gruppe.
Hochbau: Standardisierte Anwendungsfälle
BIM lässt sich vor allem dann optimal anwenden, wenn Wolff & Müller beide Leistungen – das Planen und das Bauen – verantwortet. „Wir haben im Laufe der Jahre einen Pool von BIM-versierten Planern aufgebaut, mit denen wir schon viele Projekte realisiert haben und entsprechend gut eingespielt sind“, sagt Heinz Wölper. In der Regel werden die Datenmodelle von den Architekten und Fachplanern erstellt und vom Projektteam je nach Planungs- oder Bauphase für unterschiedliche Zwecke genutzt. Dafür hat das Unternehmen sogenannte BIM-Anwendungsfälle definiert.
Während der Projektentwicklung lassen sich beispielsweise verschiedene Entwurfsvarianten dreidimensional durchspielen und die jeweiligen Kosten schätzen. Während der Planung hilft die Kollisionsprüfung mit BIM, die Arbeit der Planer zu koordinieren. In der Bauvorbereitung und -ausführung kommen weitere Anwendungsfälle hinzu. So leitet Wolff & Müller etwa die Materialmengen für die Ausschreibung und Vergabe der verschiedenen Gewerke aus dem Bauwerksdatenmodell ab, erstellt automatisierte Terminpläne und simuliert den Bauablauf. Die Methode wird auch eingesetzt, um den Soll-Ist-Zustand des Rohbaus zu kontrollieren und Mängel zu dokumentieren.
(Die Verknüpfung von BIM und Virtual Reality ermöglicht Bauherren, ihr Bauwerk schon vor der Fertigstellung virtuell zu besichtigen. Bildquelle: Wolff & Müller)
Optional: digitaler Zwilling für die Betriebsphase
Wenn der Bauherr es wünscht, reicht BIM auch über den Rohbau hinaus: Die von Wolff & Müller beauftragten Planer können den gesamten Ausbau, von der Trockenbauwand über die Klimaanlage bis zum Lichtschalter, im digitalen Modell hinterlegen. Noch nutzen nur wenige Bauherren diese Möglichkeit, einen digitalen Zwilling der realen Immobilien zu bekommen. Dabei zeigt sich der Mehrwert von BIM gerade in der langen Betriebsphase. Der Facility Manager kann etwa die Energieversorgung, Wartung und Reinigung anhand der digital hinterlegten Informationen planen. Auch für Umbauten, die bei modernen Gewerbeimmobilien häufig sind, ist das Modell sehr hilfreich. „Wo genau BIM bei einem Projekt zur Anwendung kommt, muss in der Anfangsphase festgelegt werden, damit wir die entsprechenden Richtlinien setzen und Informationen hinterlegen können“, sagt Zeynep Kaplan, BIM-Managerin bei Wolff & Müller.
Stand: 16.12.2025
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Digitalisierung ist mehr als BIM
BIM ist das Herzstück der Digitalisierungsstrategie bei Wolff & Müller. Seit 2008 arbeitet das Unternehmen mit der Methode und hat sukzessive die dafür nötigen Säulen aufgebaut: Software, Richtlinien, Prozesse und – am wichtigsten – Menschen. Parallel zu BIM führt Wolff & Müller weitere digitale Werkzeuge ein, wie Drohnen zur Geländevermessung, Virtual Reality, das mobile Planungs- und Echtzeitsystems BPO und vernetzte Baumaschinen. Die Verknüpfung des BIM-Modells mit der Baulogistik und der Einsatz der RFID-Technologie könnten in Zukunft weitere Vorteile bringen.
Bild oben: BIM-Modell des Bauprojektes EUREF-Campus, Haus 23-24. Quelle: Wolff & Müller