Bei der Konstruktion von Linearsystemen kann die Entscheidung zwischen Rundwelle und Profilschiene die Kosten, Leistung und Langlebigkeit beeinflussen. Die oft kostspieligere Profilschiene bietet höhere Tragzahlen und mehr Präzision. Demgegenüber bieten Rundwellen mancherorts Vorteile in puncto Kosten und Zuverlässigkeit. Das hängt von der Auswahl des passenden Linearlagers ab.
(Quelle: Thomson Industries)
Was Linearlager betrifft, stehen Konstrukteure häufig vor der Wahl zwischen Gleitlager- und Kugellagerbuchsen. Und jede Variante bietet weitere Optionen, die sich auf Preis, Leistung, Wartungsfreundlichkeit und Langlebigkeit auswirken. Die Kenntnis dieser Optionen im frühen Planungszyklus optimiert Leistung und Kosteneffizienz des Linearsystems.
Linearlager: Bestechend einfach
Da Gleitlager im Unterschied zu Kugellagern keine Wälzkörper enthalten, sind sie am einfachsten herzustellen und daher besonders kostengünstig in der Anschaffung. Zudem übertreffen sie Einheiten mit Wälzkörpern in Bezug auf die Laufruhe und Geräuscharmut. Und da weniger oder keine beweglichen Teile verbaut sind, machen ihnen Staub und Schmutz kaum etwas aus. Gleitlager mit Polymerauskleidung verstärken diese Vorteile sogar noch. Ihre hochbelastbaren Auskleidungswerkstoffe in Lagerqualität, aufgebracht auf Aluminium oder anderen Trägerschichten, bieten eine gute Tragzahl (20 Prozent einer Kugelbuchse) und einen relativ geringen Reibungskoeffizienten von üblicherweise 0,05 bis 0,25.
Da Gleitlager über eine große Kontaktfläche verfügen, lassen sie sich auch mit Führungsrundwellen aus ungehärtetem Material verwenden. Somit profitieren Planer von mehr Flexibilität und können Wellenwerkstoffe auswählen, die andere konstruktiven Vorgaben wie hohe Korrosionsfestigkeit oder geringes Gewicht erfüllen. Einige Hersteller bieten zudem Gleitlager aus selbstschmierenden Polymeren an, um den Wartungsbedarf zu minimieren (Bild 1).
Die eingesparten Kosten und hohe Laufruhe von Gleitlagern gehen jedoch zulasten der Tragzahl, Präzision und Geschwindigkeit. Prädestiniert sind sie für Anwendungen, bei denen Ausrichtung und Momentlast unkritisch sind, oder wenn Führungswellen verbaut werden müssen, die sich nicht für klassische Ball Bushing-Kugelbuchsen eignen, etwa aus Aluminium oder 316er-Edelstahl. Gleitlager verfügen üblicherweise über Tragzahlen bis 50 kN statisch und 9 kN dynamisch. Sie erlauben Geschwindigkeiten von bis zu 0,5 m/s. Somit bewähren sich Gleitlager – insbesondere solche mit Polymer-Auskleidung – in schmutzsensiblen und schmutzbelasteten Umgebungen.
Darf es etwas mehr sein?
Anwendungen, die mehr Tragzahl, Geschwindigkeit oder Präzision erfordern, benötigen mit Wälzkörpern ausgestattete Lager. Die Art des spezifizierten Lagers variiert im Wesentlichen bezogen auf die Anzahl der verwendeten Wälzkörper oder Kugeln, die sich direkt auf die zulässige Last und Geschwindigkeit auswirkt. Die Ausführung mit Präzisionsstahl (Bild 2a) verwendet Kugeln aus gehärtetem Stahl, die einen fest definierten Punktkontakt aufweisen. So ergeben sich dynamische Tragzahlen bis 22 kN und Durchmesser von 6 bis 100 mm.
(Während alle hier abgebildeten Linearlager umlaufende Kugeln verwenden, liegen die Unterschiede darin, dass 2a eine gehärtete Hülse mit eingefräster Lagerfläche verwendet, während 2b und 2c über schwimmend gelagerte Lagerplatten verfügen. Bild: Thomson Industries)
Die nächste Leistungsstufe bildet eine einzelne Kugellaufbahn mit geformter Rille auf einer schwimmend gelagerten Lagerplatte (Bild 2b). Dieses Lager verfügt über einen niedrigen Reibungsbeiwert, kann die Tragzahl gegenüber einer starren Lagerplatte verdreifachen und bietet eine 27-mal so lange Lebensdauer wie Präzisionslager. Diese Konfiguration eignet sich für Wellen mit 5 bis 50 mm Durchmesser und dynamische Lasten bis 13 kN.
Je mehr Kugeln sich im lasttragenden Bereich befinden, umso höher die Tragzahl und Langlebigkeit des Lagers. Die Nutzung von zwei Kugellaufbahnen mit geformter Rille auf einer schwimmenden Lagerplatte erreicht die sechsfache Tragzahl eines Präzisionslagers (Abbildung 2c). Diese Konfiguration eignet sich für Wellen mit 12 bis 38 mm Durchmesser und dynamische Lasten bis 17 kN.
Selbstausrichtende Linearlager
Wenn es hauptsächlich auf hohe Tragzahl, Geschwindigkeit und Präzision ankommt, sorgt ein selbstausrichtendes Lager für einen geringen Reibungskoeffizienten bei höherer Langlebigkeit. Einige Hersteller erreichen dies, indem sie die Lagerplatte so konstruieren, dass der Radius der Außenfläche kleiner ist als der Innenradius des gehärteten Präzisionsrings. So kann sich die Lagerplatte axial zum Ring bewegen, sodass die Last gleichmäßig auf beide Kugellaufbahnen verteilt wird. Außerdem können die Lagerplatten bei dieser Bauweise bis zu 0,5° um den gehärteten Präzisionsring kippen. Damit ist ein sanfter Ein- und Austritt der Lagerkugeln in den oder aus dem lasttragenden Bereich gewährleistet, ebenso wie eine von Anfang bis Ende optimale Belastung der Kugeln.
Stand: 16.12.2025
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Diese selbstausrichtende Konstruktion gleicht zudem torsionale Ausrichtungsfehler aus, die infolge ungenauer Bearbeitung der Unterkonstruktion oder Verformung der Maschine entstehen können, wobei die Belastung der Lagerkomponenten nur unwesentlich ansteigt. Wird das selbstausrichtende Lager in ein einstellbares Gehäuse eingebaut, können die Konstrukteure eine bestimmte Vorspannung realisieren. Da die Bauweise des Lagers eine radiale Bewegung der Lagerplatten erlaubt, kann die Passung zwischen Lagerkugeln und Laufbahn für hochpräzise Anwendungen eingestellt werden. Und obwohl Kugellager im Allgemeinen nicht so umgebungsresistent sind wie Gleitlager, gibt es verschiedene Möglichkeiten, ihre hohen Tragzahlen und Langlebigkeit auch gegen korrosive Umgebungseinflüsse zu schützen. .
(Die Wahl des passenden Linearlagers kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Anhand der Anforderungen Ihrer Anwendung können Sie mithilfe der obigen Tabelle eine ideale Lösung ermitteln. Bild: Thomson Industries)
Fazit und Ausblick
Für Anwendungen, bei denen es auf geringe Kosten und hohe Laufruhe ankommt oder wenn eine zuverlässige Funktion unter korrosiven Umgebungseinflüssen wichtiger ist als hohe Tragzahl, Präzision oder Geschwindigkeit, sollten Sie ein Gleitlager als Linearlager wählen. Sind Sie auf Führungswellen aus Werkstoffen wie Aluminium oder 316er-Edelstahl angewiesen, für die sich klassische Kugelbuchsen nicht eignen, empfehlen sich Polymer-Gleitlager. Wenn Ihre Priorität auf Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit liegt, sind selbstschmierende Gleitlager die beste Wahl.
Andernfalls benötigen Sie ein Kugellager, dessen Preis, Präzision und Tragzahl davon abhängen, wie viele Kugeln die Last tragen, ob die Kugellaufbahn starr oder beweglich ist oder ob das Lager selbstausrichtend ist. Das LinearMotioneering-Tool auf der Website von Thomson Industries hilft bei der Auswahl.