Digitalisierung Nachhaltige Zukunft gestalten: Der Umgang mit Digitalisierung ist entscheidend

Ein Gastbeitrag von Rainer Sailer 5 min Lesedauer

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Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt von ihrem Umgang mit  Digitalisierung, Innovation und Nachhaltigkeit ab. Doch oft werden diese  Bereiche isoliert betrachtet und nicht als untrennbare Elemente einer  erfolgreichen Unternehmensstrategie. Dabei ist die Digitalisierung nicht nur Werkzeug für mehr Effizienz, sondern auch Wegbereiter für eine nachhaltige Zukunft. Rainer Sailer, Bereichsvorstand Bauwesen der Mensch und Maschine Software SE, erläutert, wie Unternehmen diese Aspekte ganzheitlich denken.

(Bild:  Mensch und Maschine)
(Bild: Mensch und Maschine)

Die Digitalisierung bestimmt schon seit vielen Jahren die Transformationsbestrebungen von vielen Unternehmen. Die zugrundeliegenden Ziele sind dabei meist ökonomischer Natur wie Prozessoptimierung, Wachstum und Produktivitätssteigerung. Speziell für deutsche Unternehmen kommt noch ein weiterer treibender Faktor ins Spiel: der demografische Wandel und der damit wachsende Fachkräftemangel. Altersbedingt verlassen hierzulande jährlich 400.000 Mitarbeitende mehr das Berufsleben, als neue hinzukommen.

Forschende des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rechnen damit, dass Deutschland bis 2035 sieben Millionen Arbeitskräfte und damit ein Siebtel des Arbeitsmarkts verliert. Allein durch Zuwanderung kann diese Lücke nicht geschlossen werden. So verstärkt sich der Mangel an Ressourcen, menschliche Arbeitskräfte müssen ersetzt werden. Digitalisierung wird als Hebel zur Steigerung von Effizienz und Produktivität unumgänglich. Vor allem Kompetenzaufbau und eine daraus resultierende Unternehmensstrategie sind notwendig. Es gilt, auch das Management zu schulen und den Führungskräften konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Sie müssen wissen, was diese Veränderungen für ihr Unternehmen bedeuten.

Nachhaltige Zukunft: Mehr als ökologische Ziele und Image

Nachhaltigkeitsziele wurden lange Zeit nur mit Image-Gewinn und ökologischen Zielen verbunden, die teilweise sogar den ökonomischen Zielen entgegenstanden. Dass die beiden Zielsetzungen zu Unrecht getrennt werden, zeigen aktuelle Entwicklungen, beispielsweise digitale Lösungen, die aus Sicht der Nachhaltigkeit nötig sind – wie etwa die Transparenz der Lieferkette. Innovative Lösungen entfalten gleichzeitig einen Zusatznutzen aus ökonomischer Sicht, indem sie auf aktuelle Herausforderungen wie Lieferkettenprobleme, Energiekrisen und Fachkräftemangel reagieren. Das macht sie zu einem wichtigen Faktor, um die langfristige Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten.

Digitalisierung und Nachhaltigkeit – ein starkes Duo

Eine große unternehmerische Herausforderung ist das ESG-Reporting: Die Nachweise und die Nachvollziehbarkeit von Berichten zu Nachhaltigkeitsrichtlinien hängen weitgehend von belastbaren Daten ab. Diese Informationen lassen sich nur mithilfe digitaler Technologien gewinnen: Daten werden erfasst, verwaltet und analysiert.

Zentrale Datenbasis: Über alle Gewerke stehen Informationen zeit- und ortsunabhängig bereit.(Bild:  Mensch und Maschine)
Zentrale Datenbasis: Über alle Gewerke stehen Informationen zeit- und ortsunabhängig bereit.
(Bild: Mensch und Maschine)

Ein Beispiel, wie digitale Simulation Nachhaltigkeit und Profitabilität vereinbart, zeigt sich bei einem der Kunden von Mensch und Maschine (MuM), der die Qualität seiner Druckgussteile verbessern möchte. Wenn man guten Druckguss erzeugen will, ist eine möglichst genaue Überwachung der Schmelze wichtig. Dabei werden mittels Sensoren verschiedene Faktoren erfasst, die Einfluss auf die Qualität des Endprodukts haben. Das ergibt Millionen von Messpunkten, was manuelle Überwachung und Interpretation erschwert. Mittels eines KI-Modells werden die vielen Einflussfaktoren analysiert, simuliert und passende Maßnahmen eingeleitet. Das Ergebnis: Die Gussqualität steigt, und es gibt weniger Ausschuss – ein Beispiel für Kostenreduktion Hand in Hand mit Emissionsminderung und Ressourcenschonung.

Der Baubereich ist weltweit für fast 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Um diese zu reduzieren, muss man wissen, welches Material und welche Bauteile verbaut wurden und wie die Lieferkette für jedes Material aussieht. Es gibt heute Software, die in der Lage ist, den CO2-Fußabdruck für Gebäude zu ermitteln. Grundlage sind Informationen über verbaute Materialien, die mit unterschiedlichen Datenbanken verlinkt und ausgewertet werden.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz (LkSG) zwingt Unternehmen, im ESG-Reporting Auskunft über die Lieferkette und über den CO2-Fußabdruck zu erteilen. Die nötigen Informationen über Lieferanten – aber auch über verwendete Materialien – sind oft schon in den Systemen eines Unternehmens vorhanden. Wenn die Komponenten eines Produkts bereits als 3D-CAD-Dateien vorliegen, ist in den meisten modernen CAD-Systemen deren Masse und Material bekannt. Weitere Werte lassen sich durch die Anbindung spezieller Datenbanken ergänzen. Angaben zu Lieferanten liegen oft im ERP-System vor. Wenn diese Daten etwa in einem PLM-System zusammengeführt werden, lassen sich die Teile des ESG-Reports, die sich auf die Produktentwicklung eines Unternehmens beziehen, per Knopfdruck erzeugen. Sind diese Daten einmal verfügbar, können Zulieferer wesentlich effizienter verwaltet werden – ein klarer wirtschaftlicher Nutzen.

Neue Technologien für eine nachhaltige Zukunft

In der Baubranche führen BIM, IPA und Lean Management zu einem Bewusstseinswandel. IPA und Lean kommen in der Branche leider bis dato nur punktuell zum Einsatz, rücken aber zunehmend in den Fokus. Voraussetzung dafür ist ein hoher Digitalisierungsgrad in den beteiligten Unternehmen und Prozessen. Dabei wird schon in der Planung des Gebäudes dessen Betrieb und Rückbau berücksichtigt, und die Modelle werden an die Bauausführung und den Betrieb übergeben und genutzt. Durch die durchgängige, zentrale gemeinsame Datenbasis stehen Planern über alle Gewerke hinweg sämtliche Informationen zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung. Das reduziert Fehler, spart Zeit und ermöglicht einen optimierten Ressourceneinsatz. Denn die Projektbeteiligten verbringen weniger Zeit mit der Suche nach Dokumenten, und Kollisionen lassen sich in dem zentralen Modell frühzeitig erkennen und beheben.

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Remote-Arbeit und virtuelle Kommunikation wiederum zeigen, dass sich nicht nur Daten, sondern auch Menschen mithilfe digitaler Technologien ortsunabhängig vernetzen lassen. Der Vorteil: Bildung, Arbeit und Meetings sind nahezu von überall aus möglich. So werden Fahrtwege und Büroräume eingespart, was den CO2-Ausstoß und Energieverbrauch verringern. Das haben viele Unternehmer in der Coronazeit hautnah erfahren. MuM hat innerhalb von nur vier Wochen fast das gesamte Angebotsspektrum an Ausbildungen in der Cloud aufgebaut – inklusiver erforderlicher Rechnerinfrastruktur. Damit waren die MuM-Kunden in der Lage, hoch performant von zuhause aus auf das Trainingsangebot zuzugreifen.

Heute gehört das zum Alltag, und der Großteil der Trainings findet weiterhin online statt. Dies spart in hohem Maße Arbeitszeit, Reisekosten und Ressourcen und sorgt für eine positive CO2-Bilanz. Es gibt noch viele weitere Beispiele, die verdeutlichen, dass Digitalisierung der größte und weitreichendste Einflussfaktor für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen ist. Beide Themen sollten unbedingt gemeinsam gedacht und umgesetzt werden, um keine Potenziale zu verschenken. Wer seine Prozesse frühzeitig nach dieser Erkenntnis ausrichtet, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil und stellt sich zukunftsfähig auf. Durchgängig digitalisierte Prozessketten und vernetzte Anbieter werden jene verdrängen, die weiterhin auf Insellösungen setzen.

Nachhaltige ZukunftRainer Sailer
Bereichsvorstand Bauwesen der Mensch und Maschine Software SE

Bildquelle: Mensch und Maschine