Digitale Fabrik Nachhaltigkeitsberichterstattung: Was ERP- und MES-Systeme leisten

Von Ronja Menzel 4 min Lesedauer

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Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) [1] zur Nachhaltigkeitsberichterstattung müssen zukünftig immer mehr Unternehmen ihre Aktivitäten in Sachen ökologischer Nachhaltigkeit umfassend offenlegen. Die Berichtspflicht in Form eines ESG (Environmental, Social and Corporate Governance)-Reportings weitet die vorangegangenen Bestimmungen aus und fordert höhere Transparenz, bessere Vergleichbarkeit sowie digitale Dokumentation aller Daten.

(Bild:  Kalawin/stock.adobe.com)
(Bild: Kalawin/stock.adobe.com)

Der ESG-Berichtspflicht müssen nun auch Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden, 40 Millionen Euro Umsatz oder einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro nachkommen. Doch selbst Firmen, die unterhalb dieser Bemessungsgrenzen liegen, sind nicht von einer umfänglichen Berichtspflicht befreit. Um ihrer ESG-Berichtspflicht zu entsprechen und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen Unternehmen daher alle Firmendaten digital erfassen und verarbeiten können. Ökologisch orientierte Funktionalitäten sind jedoch noch immer stark fragmentiert. Doch was für Bilanzierungsdaten benötigen Unternehmen und welche können Business-Anwendungen bereits liefern? Damit beschäftigte sich die Studie „CO2-Management mit Business Software“ [2] des CIBA in Zusammenarbeit mit dem FIR an der RWTH Aachen [3] im Auftrag des ERP-Experten ProAlpha [4].

Zentrale Studienergebnisse 

Marktanalyse von CO2-Management-Softwarelösungen

Es wurden 20 verschiedene CO2-Management-Systeme im Rahmen der Studie analysiert und bewertet. Bei nahezu allen Technologien wurde ein automatisierter Datenimport in Aussicht gestellt. Jedoch zeigte sich, dass die dazu erforderlichen Schnittstellen erst entwickelt werden müssen und sich deshalb der Umfang erhebbarer Emissionen noch als sehr gering herausstellte. Die Oberflächen der Lösungen sind meist anwenderfreundlich gestaltet mit Visualisierungen, Analysen und Reportings sowie konkreten Vorschlägen zur CO2-Reduktion. Sie differenzieren sich jedoch im Hinblick auf Komfort, Technologie und zugrunde liegendes Expertenwissen. Insgesamt bietet die Mehrheit der Tools zur CO2-Messung ein „Full-Range“-Leistungsspektrum an.

Bild 1: ERP-Systeme beinhalten die meisten Informationen für ein GHG-Protokoll(Bild:  ProAlpha)
Bild 1: ERP-Systeme beinhalten die meisten Informationen für ein GHG-Protokoll
(Bild: ProAlpha)

ERP-Systeme für die Nachhaltigkeitsberichterstattung : Höchste Datenverfügbarkeit aller Business-Lösungen

Die Studie ergab, dass das ERP-System, was die Datenverfügbarkeit betrifft, alle anderen Arten von Business-Software übertrifft. Denn es kann die Auftragsabwicklungs- und Beschaffungsprozesse sowie die Produktion vollständig abbilden. Von den insgesamt 339 für das GHG-Protokoll als notwendig identifizierten Informationen stellt es 141 bereit – eine Quote von 42 Prozent. Mit knapp einem Viertel (78 Informationen oder 23 Prozent) zeigt sich auch das MES (Manufacturing Execution System) als wichtige Informationsquelle. Supplier- und Customer-Relationship-Management-Systeme (xRM) steuern mit 74 Informationen (22 Prozent) rund ein Fünftel bei, während das Transportmanagement und die Maschinen- und Betriebsdatenerfassung jeweils 5 Prozent (16 Informationen) auf sich vereinen. Unternehmen, die ihr ERP-System mit einem MES und einer Maschinen- und Betriebsdatenerfassung kombinieren, können bereits heute auf etwa 70 Prozent der für das GHG-Protokoll erforderlichen Informationen zugreifen. Die Erhebung von Scope-1-Daten ist nahezu vollständig möglich, da die meisten relevanten Informationen im ERP- und MES-System hinterlegt sind.

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Scope-2 und Scope-3

ERP-Daten aus dem Rechnungswesen – ideal zur Scope-2-Bilanzierung

Durch ERP-Informationen aus dem Rechnungswesen lassen sich Scope-2-Daten gut bilanzieren. In ihrer betriebswirtschaftlichen Software können sich Unternehmen ebenfalls über gekaufte Produkte sowie Transporte (Scope 3) informieren. Um eine vollständige Bilanz ziehen zu können, fehlen jedoch Emissionsfaktoren, mit denen die CO2-Belastung, die eine bestimmte Aktivität verursacht, errechnet werden kann.

Bild 2: Stellschrauben zur CO2-Reduktion – exemplarisch an ProAlpha ERP (Bild:  ProAlpha)
Bild 2: Stellschrauben zur CO2-Reduktion – exemplarisch an ProAlpha ERP
(Bild: ProAlpha)

Scope-3: Höchstes Emissionsreduzierungspotenzial

Mithilfe eines ERP-Systems lassen sich bereits jetzt Schadstoffbelastungen effektiv reduzieren. Dabei stechen die Scope-3-Emissionen mit branchenübergreifend 74 Prozent und im Maschinenbau sogar 89 Prozent besonders heraus. In Vertrieb und Service, Einkauf, Materialwirtschaft und Produktion lässt sich der Ausstoß von Treibhausgasen signifikant reduzieren. Dabei können die Unternehmen anhand von Kennzahlen im System ausmachen, wo ihre individuell höchsten Einsparpotenziale liegen.

Methodik der Studie

Für die Studie „CO2-Management mit Business Software“ wurden wissenschaftliche Methoden mit praxisnahen Expertengesprächen kombiniert. Der technologische Fokus lag hierbei auf ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) unter Mitberücksichtigung von MES (Manufacturing Execution System), TMS (Transport Management System) und CRM (Customer Relationship Management) als Rückgrat betrieblicher Geschäftsprozesse. 

Um zu eruieren, welche zentralen Datenelemente für die Bilanzierung von CO2-Emissionen erforderlich sind, kam als Bezugsrahmen das GHG (Greenhouse Gas)-Protokoll zur Anwendung, auf Basis dessen über 330 relevante Informationen identifiziert wurden. 

Das GHG erfasst alle Arten von Treibhausgasen, indem Methan, Lachgas und weitere in CO2-Äquivalente umgerechnet werden. Neben dem direkten Schadstoffausstoß im Unternehmen (Scope 1) werden auch vorgelagerte Aktivitäten wie der bezogene Strom (Scope 2) und indirekte Emissionen durch vor- und nachgelagerte Aktivitäten aller Art (Scope 3) gemessen – wozu etwa eingekaufte Güter und Dienstleistungen zählen.

Fazit zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Für ein vollständiges GHG-Monitoring empfiehlt sich meist eine Kombination aus Business-Software und einem CO2-Management-Tool wie das von ENIT [5], da die ERP-Systeme selten eine vollintegrierte Lösung anbieten. Zwar bieten ERP- und MES-Systeme eine hohe Informationsverfügbarkeit zur Erfassung der für das GHG-Protokoll nötigen Informationen, jedoch sollte die betriebswirtschaftliche Software um eine Lösung für das CO2-Management erweitert werde.

[1] https://www.csr-in-deutschland.de/DE/CSR-Allgemein/CSR-Politik/CSR-in-der-EU/Corporate-Sustainability-Reporting-Directive/corporate-sustainability-reporting-directive-art.html
[2] Mehr zur Methodologie und zur Studie: https://www.proalpha.com/de/fir-studie-co2-management-mit-business-software

[3] https://www.fir.rwth-aachen.de/

[4] https://www.proalpha.com/de/

[5] https://enit.io/produkte/co2-management

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