CO₂-Emissionen beeinflussen die Kostenstruktur. Mit der Einführung von Bepreisungssystemen und Regulierungen wie dem Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der EU werden Automobilzulieferer damit konfrontiert: CO₂ ist ein Kostentreiber.
Für fundierte Entscheidungen benötigen Hersteller eine belastbare Bottom-up-Transparenz des CO₂-Fußabdrucks.
(Bild: TSET Software Gmbh)
Wer CO₂-Emissionen nicht nur als Umweltfaktor, sondern als integralen Bestandteil der Kostenrechnung versteht, verschafft sich im Wettbewerb klare Vorteile. Dieser Beitrag beleuchtet, wie Automobilzulieferer CO₂-Kosten systematisch in bestehende Kalkulationsmodelle integrieren können – und welche wirtschaftlichen Risiken bei einer Vernachlässigung drohen.
CO₂-Emissionen -- ein Business Case
Der weltweite Fokus auf Klimaneutralität bringt die Automobilbranche zunehmend in regulatorischen Zugzwang. Die Europäische Union übernimmt eine Vorreiterrolle und führt eine Reihe an Nachhaltigkeitsvorgaben ein – von der Taxonomie-Verordnung bis zur verpflichtenden Offenlegung über den Digitalen Produktpass. Ab 2026 erhebt CBAM einen CO₂-basierten Importzoll – selbst für außerhalb der EU produzierte Waren.
Anders als in den vergangenen Jahren stellen Emissionen heute kein reines Reputationsrisiko mehr dar. Sie sind messbar, berichtspflichtig – und verursachen direkt bezifferbare Kosten in der Bilanz. Trotzdem behandeln viele Unternehmen das Thema CO₂-Management weiterhin als reine Compliance-Aufgabe, statt es als wirtschaftlichen Hebel zu verstehen.
Dabei ist CO₂-Kostenmanagement kein rein europäisches Thema. Allein im Jahr 2023 waren weltweit über 70 CO₂-Bepreisungsinitiativen aktiv – darunter auch in China, den USA und Südkorea. Diese Länder setzen entweder auf CO₂-Steuern oder Emissionshandelssysteme. Für Automobilzulieferer mit globalen Geschäftsbeziehungen bedeutet das: Sie bewegen sich zunehmend in einem komplexen Geflecht aus nationalen Regulierungen – mit jeweils unterschiedlichen Emissionsgrenzen und Kostenwirkungen.
Scope 3 im Fokus: Wo es an Transparenz fehlt
Für viele Automobilzulieferer stellt die mangelnde Transparenz bei Scope-3-Emissionen ein zentrales Hindernis dar. Insbesondere Emissionen, die in zugekauften Materialien, Bauteilen und Prozessen verborgen sind, bleiben oft unberücksichtigt – mit weitreichenden Folgen für die Kalkulation. Ohne belastbare CO₂-Daten ist eine fundierte und wettbewerbsfähige Angebotskalkulation kaum möglich. OEMs fordern im Rahmen von Ausschreibungen (RFQs) zunehmend nicht nur präzise Kostendaten, sondern auch belastbare CO₂-Angaben. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, riskiert den Verlust des Auftrags.
Typische Hürden sind:
nicht verfügbare oder uneinheitliche Emissionsdaten von eigenen Lieferanten;
keine Integration von CO₂-Daten in bestehende Kalkulations- und Angebotsprozesse;
fehlende Standardmethodik zur Bewertung von Zielkonflikten zwischen Kosten und Emissionen
Konventionelle Methoden zur CO₂-Ermittlung – etwa auf Basis von Einkaufsvolumen oder Materialgewicht – stoßen in der Praxis schnell an ihre Grenzen. Sie beruhen meist auf aggregierten Durchschnittswerten auf Branchenebene und blenden wesentliche emissionsrelevante Unterschiede bei Materialien, Fertigungsprozessen und Lieferketten aus. Für fundierte Entscheidungen benötigen Hersteller jedoch eine belastbare Bottom-up-Transparenz: von der Herkunft der Rohmaterialien über den eingesetzten Energiemix und die spezifischen Fertigungstechnologien bis hin zu regional differenzierten Transportemissionen.
Kosten & CO₂-Transparenz vereint in einer Lösung
Moderne Fertigungssoftware kann heute Kosten- und CO₂-Berechnungen parallel durchführen – und schließt damit eine zentrale Lücke in industriellen Entscheidungen. Durch einen Bottom-up-Ansatz lassen sich Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette präzise abbilden: von Rohmaterialien und Energieverbrauch über Transportwege bis hin zu eingesetzten Fertigungstechnologien.
Da viele Eingangsparameter für Kosten und CO₂ identisch sind, ermöglichen integrierte Systeme sogenannte „Kombisimulationen“ – Entscheidungsträger:innen erhalten auf einen Blick sowohl die finanziellen als auch die ökologischen Auswirkungen von Änderungen in Konstruktion, Beschaffung oder Produktion. Besonders relevant ist das im Vorfeld regulatorischer Anforderungen wie dem Digitalen Produktpass, CBAM oder interner CO₂-Bepreisung.
So wird aus der klassischen Kostenfrage „Was kostet es?“ zunehmend auch: „Welche Emissionen und künftigen CO₂-Kosten sind mit dieser Option verbunden?“
Case Study: Wie Materialwahl den Emissions-Footprint beeinflusst
Das folgenden Beispiel – basierend auf realen Fertigungsszenarien – zeigen, wie kombinierte Simulationen Optimierungspotenziale erschließen.
Bei der Herstellung eines Stahlbauteils durch Pressen und Stanzen machten die Materialemissionen den größten Anteil an der gesamten CO₂-Bilanz aus. Eine Simulation zum Wechsel zwischen unterschiedlichen Herstellungsverfahren – Basic Oxygen Furnace (BOF) vs. Electric Arc Furnace (EAF) – zeigte dabei erhebliche Unterschiede: Der CO₂-Fußabdruck variierte zwischen unter 1 kg CO₂ bis über 3,5 kg CO₂ pro kg Stahl.
Während Stanzen und Pressen weniger als 10 % der Gesamtemissionen verursachten, führte allein die Wahl der Stahlart zu einer mehr als dreifachen Differenz – ein entscheidender Hebel, der in klassischen Angebotskalkulationen oft unberücksichtigt bleibt. Die Kosten blieben über die Varianten hinweg weitgehend konstant, wodurch CO₂-armer Stahl bei Berücksichtigung von CO₂-Preisen klar im Vorteil war.
Ohne belastbare CO₂-Daten ist eine fundierte und wettbewerbsfähige Angebotskalkulation kaum möglich.
(Bild: TSET Software Gmbh)
Interne CO₂-Bepreisung und CBAM
Da Produktions- und Beschaffungsentscheidungen meist lange Vorlaufzeiten haben, müssen Unternehmen zukünftige CO₂-Kosten frühzeitig einpreisen. Hier ist die interne CO₂-Bepreisung zentral. Unternehmen, die Emissionen mit einem monetären Wert (zum Beispiel 100 Euro pro tCO₂e) versehen, können gezielt simulieren, wie sich regulatorische Verschärfungen auf die Wirtschaftlichkeit auswirken.
Stand: 16.12.2025
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Tset ermöglicht „What-if“-Simulationen, die CO₂-Kosten in Beschaffung, Vertragsgestaltung und Lieferantenentwicklung integrieren. Besonders im Kontext von CBAM ist das relevant: Emissionen von Nicht-EU-Lieferanten können ab 2026 zu finanziellen Belastungen führen – sofern keine Gegenmaßnahmen existieren.
Fazit und Ausblick
Nachhaltigkeit ist nicht länger optional: CO₂ ist ein bilanzieller Faktor. Eine Kostenkalkulationssoftware wie Tset schafft die digitale Basis für diese doppelte Transformation. Durch die Kombination von Kosten- und CO₂-Intelligenz in alltäglichen Prozessen behalten Zulieferer ihre Margen – und Emissionen – im Griff. (anm)