Die ungewöhnlichen Industrie 4.0-Anwendungen dreier Berliner Start-ups tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen und Fehlerquoten zu minimieren.
(Quelle: WeAre)
Industrie 4.0-Anwendungen sind bereits in 60 Prozent der Unternehmen im Einsatz – darunter vermehrt auch die Lösungen von Start-ups aus Berlin.
Im professionellen und vor allem industriellen Umfeld machen längst Daten den essenziellen Unterschied.
Neuartige Anwendungen sparen hier Zeit, Ressourcen, CO2 und minimieren Fehlerquoten und Risiken für Arbeitskräfte.
Digitalisierung war eines der Topthemen zur Bundestagswahl 2021, ebenso die Minimierung des CO2-Ausstoßes. Bei modernen Industrie 4.0-Anwendungen geht beides längst Hand in Hand. Laut einer aktuellen Umfrage des Bitkom setzen bereits 60 Prozent der deutschen Industrieunternehmen Industrie 4.0-Anwendungen ein. Dazu gehören beispielsweise vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen, intelligente Roboter oder innovative Softwaretools. Jedes fünfte Unternehmen plant aktuell den Einsatz von Industrie 4.0. 95 Prozent sehen in Industrie 4.0 eine Chance für das eigene Unternehmen, nur 4 Prozent halten sie für ein Risiko. Als Vorreiter dieser Entwicklung sehen sich jedoch nicht einmal ein Drittel der Befragten (31 Prozent). Dennoch ist Deutschland innovativer Motor bei der Entwicklung der Industrie der Zukunft. Und gleich drei Wegbereiter der Industrie 4.0 in grundverschiedenen Bereichen kommen aus Berlin. All diese Start-ups bieten Industrieunternehmen innovative Lösungen an, um die Transformation hin zur digitalen und CO2-neutraleren Fertigung zu meistern.
Industrie 4.0-Anwendungen im Maschinen- und Anlagenbau mit WeAre Rooms
Das Start-up WeAre sieht sich als ein wesentlicher Treiber der Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau. Das Berliner Unternehmen entwickelt ein VR-Konferenzsystem, mit dem Ingenieure 3D-CAD-Daten per Drag&Drop in die virtuelle Realität laden können. Somit können Anwender die Modelle mit allen am Prozess beteiligten Akteuren besprechen und bearbeiten. Der Einsatz von VR auf dem Bau ermöglicht es, auf kostenintensive und raumgreifende Prototypen zu verzichten. Innovative Tools wie VR ermöglichen es dem Maschinen- und Anlagenbau, aber auch anderen Branchen wie beispielsweise in der Architektur, Prozesse zu verschlanken, Kosten und Zeit einzusparen, umweltschonend zu arbeiten und die Projektkommunikation zu verbessern.
Der dezentrale Einsatz des VR-Konferenzsystems ermöglicht es, sich auch über große Entfernungen auszutauschen. Dies spart nicht nur Zeit und Geld, sondern macht Geschäftsreisen nahezu obsolet, was durch weniger CO2-Ausstoß obendrein die Umwelt schont. Doch nicht nur der Umweltaspekt spielt hinsichtlich Geschäftsreisen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Laut einer Studie des Instituts der Wirtschaft (IW) sparen Unternehmen durch den pandemiebedingten Wegfall von Geschäftsreisen rund 45 Milliarden Euro. Die Kehrseite ist jedoch, dass dieser Ausfall in weiten Teilen geschäftsschädigend war und ist. Besonders im Anlagen- und Maschinenbau sind Begehungen vor Ort essentiell. Denn so lassen sich reibungslose Produktionsabläufe gewährleisten und Planungsfehler rechtzeitig erkennen.
„Die derzeitige Pandemie hat gezeigt, dass innovative Technologien in der Industrie immer wichtiger werden. Gerade für Unternehmen mit ausländischen Produktionsstätten erhöht sich die Fehlerquote durch den Wegfall physischer Begehungen enorm, was am Ende nicht nur die Bauzeit verlängert, sondern auch die Kosten in die Höhe treibt. Virtuelle Begehungen an immersiven Modellen, wie es unsere Software ermöglicht, bieten hier die Lösung”, erklärt Max Noelle, Gründer und CEO von WeAre. „Positive Rückmeldungen wie beispielsweise von der SMS group, dass Fehler durch eine Objektbegehung in VR gefunden werden konnten und so 80'000 Euro und drei Wochen Projektzeit gespart wurden, freuen uns natürlich ganz besonders.“
Chemieindustrie 4.0 mit Quantistry
Das Berliner Start-up Quantistry entwickelt seit 2019 das nächste Level chemischer Simulationen auf der Basis von Quantensimulationen und künstlicher Intelligenz. Die cloudbasierte Lösung verschafft den Kunden des Unternehmens einen erheblichen Wettbewerbsvorteil, indem sie die Entwicklung von Materialien und pharmazeutischen Produkten vereinfacht, beschleunigt und zudem kosteneffizienter gestaltet. Dies wird möglich, da Simulationen gegenüber laborbasierter F&E (Forschung und Entwicklung) keine Ausgangsstoffe, Labor-Equipment oder Laborpersonal erfordern und zudem keine chemischen Abfälle verursachen. Doch nicht nur Kosten werden gespart, so werden auch Umwelt und Ressourcen geschont. Durch seine intuitive Oberfläche ist das Quantistry Lab nicht nur für ausgewiesene Simulationsexperten ein wertvolles Tool, sondern kann niedrigschwellig auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen eingesetzt werden.
Stand: 16.12.2025
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(Bildquelle: Quantistry)
„Vor dem Hintergrund zunehmend wachsender Rechenkapazitäten und dem vermehrten Aufkommen von Quantencomputing steht es außer Zweifel, dass die Industrie ihre primär laborbasierte Entwicklung Schritt für Schritt ins Digitale verlagern wird. Unser Quantistry Lab stellt in diesem Zusammenhang eine vollumfängliche Lösung dar, die für zahlreiche Branchen klare Wettbewerbsvorteile bietet: von der Agrochemie bis zur Halbleiterentwicklung, von der Batterieherstellung bis zur Entdeckung pharmazeutischer Wirkstoffe”, sagt Dr. Marcel Quennet, CEO bei Quantistry.
(Bild: Concular, Foto: Thomas Jones)
Bauindustrie 4.0 mit Concular
Die Transformation des deutschen Bauwesens verläuft träge. Doch auch in der Bauindustrie gibt es Unternehmen, die sich etwa für zirkuläres Bauen und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen einsetzen. Das Berliner Start-up Concular hat es sich zum Ziel gemacht, die Bauindustrie dabei zu unterstützen, ressourceneffizient und CO2-neutral zu werden. Die Softwarelösung von Concular bietet ein ganzheitliches Ökosystem für zirkuläres Bauen. Mithilfe der Software können Gebäude und Materialien digitalisiert, Entscheidungsprozesse beschleunigt und Bauprozesse transparenter gestaltet werden. Zudem können wertige Materialien im Bestand identifiziert und an andere Bauprojekte weitervermittelt werden. Die Wiederverwendung der Baumaterialien reduziert nicht nur Abfälle und schont Ressourcen. Sie wirkt sich zudem positiv auf Klima-, Umwelt- und soziale Aspekte aus. Darüber hinaus können die durch Produktion, Transporte, Entsorgung und Recycling von Baustoffen entstehenden Kosten und Emissionen deutlich im eigenen Unternehmen reduziert werden.
„Die Baubranche steht als größter Umweltverschmutzer der Welt vor einem großen Umbruch: Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden die zwei Leitthemen der nächsten Jahren werden und die Branche grundlegend transformieren”, erklärt Dominik Campanella, Co-Founder und Geschäftsführer von Concular.
Es mangelt nicht an Innovationen und nicht am Willen der Unternehmen, den nächsten Schritt in Richtung Industrie der Zukunft zu gehen. Wichtig sind ein belastbares und flächendeckendes Hochgeschwindigkeitsnetz in ganz Deutschland, eine vermehrte Förderung von Investitionen und – und das bestätigt die Umfrage des Bitkom ganz deutlich – klare politische und rechtliche Vorgaben insbesondere im Umgang mit Daten in Industrie 4.0-Anwendungen.