Rückblick auf die Autodesk DevCon 2026 Agentische KI verändert Design- und Engineering-Workflows

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 5 min Lesedauer

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Auf der Autodesk DevCon 2026 in Amsterdam diskutierten Vertreter aus Architektur, Bauwesen und Fertigung darüber, wie agentische KI Design-, Planungs- und Produktionsprozesse grundlegend umgestaltet. Im Mittelpunkt standen KI-Agenten, offene Datenmodelle und neue Arbeitsweisen, bei denen menschliche Expertise, vernetzte Daten und automatisierte Systeme immer enger zusammenwirken.

Die Autodesk DevCon in Amsterdam, die jährliche Entwicklerkonferenz von Autodesk, brachte Fachleute aus Architektur, Bauwesen und Fertigung zusammen, die sich über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsthemen austauschten.(Bild:  Autodesk)
Die Autodesk DevCon in Amsterdam, die jährliche Entwicklerkonferenz von Autodesk, brachte Fachleute aus Architektur, Bauwesen und Fertigung zusammen, die sich über aktuelle Entwicklungen und Zukunftsthemen austauschten.
(Bild: Autodesk)

Bereits zum Auftakt der Entwicklerkonferenz DevCon 2026 machte Autodesk deutlich, wie grundlegend der aktuelle Wandel sein könnte. Ben Cochran, Vice President of Engineering bei Autodesk, zog in seiner Opening Keynote einen historischen Vergleich zwischen der heutigen KI-Transformation und dem Umbruch der Wissenschaft durch Galileo:
„Wenn sich Werkzeuge verändern, verändern sich mit ihnen auch die Grenzen des Möglichen.“

Agentische KI sei für Entwickler heute „das, was das Teleskop für die Astronomen des 17. Jahrhunderts war“. Der Wandel gehe jedoch weit über neue Tools hinaus. Cochran beschreibt ihn als Neudefinition digitaler Arbeit: „Über Jahrzehnte hinweg haben wir Daten manuell bewegt, statische Algorithmen gebaut und Workflows selbst verdrahtet. Heute formulieren wir Absichten — und die Systeme arbeiten mit uns zusammen, um diese Ergebnisse zu erreichen.“

Vollständig vernetzte, intelligente Workflows

Die diesjährige Autodesk DevCon hat gezeigt, dass Autodesk die Zukunft nicht mehr nur in einzelnen KI-Funktionen sieht, sondern in vollständig vernetzten, intelligenten Workflows über den gesamten Projektlebenszyklus hinweg. In Architektur, Bauwesen oder Fertigung entstehen Prozesse, in denen KI-Systeme zunehmend kontextbezogen handeln.

Im Zentrum stand dabei auch die Rolle des Menschen. Für Raji Arasu, Chief Technology Officer bei Autodesk, bleibt sie klar definiert: „Immer wenn Technologie Arbeit automatisiert, steigen Menschen auf, um sinnvollere Aufgaben zu übernehmen.“ Erfolg werde sich künftig weniger über einzelne Funktionen definieren, sondern über Ergebnisse im Gesamtsystem.

KI und kollaborative Projektmodelle für Architektur und Bau

Vor allem für Architektur- und Bauprojekte zeigte Autodesk, welches Potenzial entsteht, wenn Daten zwischen Planung, Ausführung und Betrieb nicht länger verloren gehen. Amy Bunszel, Executive Vice President für AEC Solutions bei Autodesk, bezeichnete KI, vernetzte Daten und kollaborative Projektmodelle als nächste große Entwicklungsstufe der Branche.

„Die nächste große Transformation wird durch künstliche Intelligenz geprägt sein — aber auch durch vernetzte Daten, engere Zusammenarbeit und neue Formen des kollektiven Projektverständnisses“, so Amy Bunszel.

Mit Lösungen wie Forma Building Design und erweiterten Cloud-Integrationen mit Revit sollen Entwürfe früher analysiert, schneller variiert und nahtlos weitergegeben werden. Autodesk spricht in diesem Zusammenhang von „Design and Make Intelligence“ — einer durchgängigen Projektintelligenz über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Von Datensilos zu vernetzten Projekt

Ein zentrales Problem bleibt die Fragmentierung bestehender Systeme. Hier setzt die Plattformstrategie an: Daten sollen nicht länger in isolierten Dateien oder Anwendungen liegen, sondern systemübergreifend verfügbar werden.

Henri Veldhuis, Chief Digital Officer beim Ingenieurbüro Sweco Netherlands, beschreibt diesen Wandel aus der Praxis: „Wir bewegen uns weg von dateibasierten Interaktionen hin zu vernetzten Projektdaten.“ Entscheidend sei, dass Nutzer nicht mehr wissen müssen, wo Daten liegen: „Die Anwenderin oder der Anwender sollte gar nicht wissen müssen, wo Daten liegen — sie oder er stellt einfach eine Frage und bekommt eine nützliche Antwort.“

KI-gestützte Fertigung: Vom Workflow zur Systemautomatisierung

Auch im Bereich Design und Fertigung setzt Autodesk auf stärker integrierte KI-gestützte Abläufe. Srinath Jonnalagadda, Vice President of Data bei Autodesk, beschrieb die aktuelle Entwicklung auf der DevCon als eine der „folgenreichsten Phasen“ der Industriegeschichte. Technologie werde zur „vernetzten, intelligenten Grundlage, die Daten, Menschen und Prozesse zusammenführt — von der Planung über die Fertigung bis in den Betrieb“.

Auf der Autodesk DevCon 2026 gab Srinath Jonnalagadda, VP of Data, Einblicke in die nächste Entwicklungsstufe der KI-Transformation für Design- und Fertigungsprozesse.(Bild:  Autodesk)
Auf der Autodesk DevCon 2026 gab Srinath Jonnalagadda, VP of Data, Einblicke in die nächste Entwicklungsstufe der KI-Transformation für Design- und Fertigungsprozesse.
(Bild: Autodesk)

Im Zentrum stehe KI als neues Betriebsmodell für Entwicklung und Produktion. „KI ist nicht einfach nur ein weiteres Feature“, so Jonnalagadda. „Sie ist ein neues Betriebsmodell dafür, wie Produkte entworfen, entwickelt und ausgeliefert werden.“

Autodesk treibt diesen Ansatz mit dem Autodesk Assistant sowie neuen MCP-Schnittstellen in Fusion weiter voran. Das Ziel ist der Übergang von Aufgaben- zu Workflow- und schließlich Systemautomatisierung. „APIs verbinden Systeme — und MCPs ermöglichen Agenten das Handeln“, erklärte Jonnalagadda.

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Engineering in der Praxis: Mehr Tempo durch agentische KI

Autodesk-Partner wie Synera zeigten konkrete Effekte der agentischen Automatisierung. Andrew Sartorelli, Vice President of Software Partnerships bei Synera, erklärte die Arbeitsteilung: „Ingenieurinnen und Ingenieure bleiben im Loop — sie definieren die Absicht und kontrollieren, wie das System ausführt.“ Gleichzeitig werde Engineering durch agentische Systeme massiv beschleunigt und skalierbar gemacht. „Bei BMW konnten wir einen Design-Workflow von drei Wochen auf nur zwei Minuten reduzieren“, so Sartorelli.

Langfristig rücken autonome, unternehmensübergreifende Workflows in den Fokus, die sich vom ersten Angebot bis zum Produktlebenszyklus erstrecken. Sartorelli fasst die Entwicklung so zusammen: „Denken Sie bei Fusion nicht an ein Werkzeug, sondern an eine Plattform, auf der Sie aufbauen können.“

Branchenkonvergenz: Gemeinsame Datenbasis als Fundament

Architektur, Bauwesen, Engineering und Fertigung wachsen technologisch immer stärker zusammen. Gemeinsame Datenmodelle, offene Plattformen und integrierte Workflows gelten als Voraussetzung, um KI produktiv einzusetzen.

Im Rahmen des AI Leadership Forum der DevCon diskutierten Branchenexperten, wie sich KI-Integration auf Basis offener Datenmodelle in der Praxis umsetzen lässt. (Bild:  Autodesk)
Im Rahmen des AI Leadership Forum der DevCon diskutierten Branchenexperten, wie sich KI-Integration auf Basis offener Datenmodelle in der Praxis umsetzen lässt.
(Bild: Autodesk)

Daniela Becker, VP Enterprise Business EMEA bei Autodesk, beschreibt diese Entwicklung als strukturellen Wandel: „Was früher voneinander getrennte Welten waren, beginnt heute zu verschmelzen.“ Und Ben Cochran fasst den Grundgedanken so zusammen: „Erfolg wird nicht länger durch eine Sammlung von Features und Algorithmen definiert. Er wird durch die komplexen Ergebnisse definiert, die wir liefern.“

KI im Gebäudebetrieb: Partnerschaft mit Bosch

Neben Planung und Fertigung rückt zunehmend auch der Betrieb von Gebäuden in den Fokus. Autodesk und Bosch Building Technologies prüfen im Rahmen einer strategischen Absichtserklärung, wie KI-gestützte, datenbasierte Services für Gewerbeimmobilien gemeinsam entwickelt werden können.

Im Zentrum stehen digitale Zwillinge, das Onboarding von Bestandsgebäuden sowie interoperable Datenmodelle als Grundlage für intelligente Gebäudedienste. Ziel ist es, Gebäudedaten über offene Plattformen nutzbar zu machen und so Betrieb, Energieeffizienz und Wartung zu verbessern. Andreas Mauer von Bosch Building Technologies zeigte auf dem AI Leadership Forum ganz konkret, wie vernetzte Systeme Gebäude künftig resilienter, effizienter und nachhaltiger steuern können.

Fazit und Ausblick

KI verschiebt sich von einzelnen Funktionen hin zu systemischer Intelligenz, und diese Entwicklung hat die DevCon 2026 anschaulich und greifbar gemacht. Die eigentliche Transformation spielt sich nicht mehr im Werkzeug selbst ab; sie liegt vielmehr in der Fähigkeit, Daten, Prozesse und Entscheidungen über Plattformen hinweg zu denken und zu verbinden. Oder, wie es auf der Konferenz sinngemäß mehrfach anklang: Die Zukunft des Designs und der Fertigung entsteht nicht mehr in einzelnen Anwendungen — sondern in vernetzten, agentischen Systemen, die kontinuierlich mitarbeiten.

Weitere Informationen: https://www.autodesk.com/