KI-Physikmodelle für Raumfahrtsimulation Missionen schneller und sicherer vorbereiten

Verantwortliche:r Redakteur:in: Andreas Müller 3 min Lesedauer

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Simulationsspezialist Flexcompute und Northrop Grumman haben gemeinsam mit Nvidia eine KI-basierte Physikplattform entwickelt, die komplexe Raumfahrtsimulationen in Echtzeit ermöglicht. KI-Physikmodelle reduzieren die Vorbereitungszeit für Missionen erheblich und liefern zugleich zuverlässige Vorhersagen mit Unsicherheitsabschätzung.

KI-basierte Physikplattform für die Raumfahrt: Der neue Ansatz nutzt KI-Physikmodelle, die physikalisches Wissen mit datengetriebenem Lernen kombinieren. (Bild:  © Sergey Nivens/stock.adobe.com)
KI-basierte Physikplattform für die Raumfahrt: Der neue Ansatz nutzt KI-Physikmodelle, die physikalisches Wissen mit datengetriebenem Lernen kombinieren.
(Bild: © Sergey Nivens/stock.adobe.com)

Im Fokus der Zusammenarbeit steht insbesondere die präzise Vorhersage sogenannter Plume-Interaktionen, also der Wechselwirkung von Triebwerksabgasen mit benachbarten Strukturen eines Raumfahrzeugs während kritischer Manöver wie dem Andocken. Das Konzept nutzt KI-Physikmodelle.

Diese physikalischen Effekte sind schwer zu modellieren, da sich Gase im Vakuum des Weltraums sehr schnell ausbreiten und dabei komplexe Kräfte- und Wärmewirkungen erzeugen. Bisher basierten entsprechende Analysen auf aufwändigen Hochleistungssimulationen, die oft Monate an Vorbereitungszeit und Millionen einzelner Rechenläufe erforderten.

KI-Physikmodelle bringen Wissen und datengetriebenes Lernen zusammen

Der neue Ansatz nutzt KI-Physikmodelle, die physikalisches Wissen mit datengetriebenem Lernen kombinieren. Auf diese Weise lassen sich zuverlässige Vorhersagen in Sekunden generieren – inklusive einer expliziten Abschätzung der Unsicherheit. Laut den Unternehmen kann dies die Vorbereitungszeit für Raumfahrtmissionen um bis zu den Faktor 100 reduzieren.

Die Grundlage bildet Nvidia Physics NeMo, ein Open-Source-Framework für KI-gestützte physikalische Modelle, das von Flexcompute um spezialisierte Architekturen und physikbasierte Trainingsmethoden erweitert wurde. Ziel ist es, komplexe Strömungs- und Interaktionseffekte im Raumfahrtkontext nicht nur schneller, sondern auch robuster und besser kontrollierbar abzubilden.

Info: Nvidia PhysicsNeMo

Das Open-Source-Python-Framework dient der Entwicklung, dem Training und der Feinabstimmung von KI-gestützten Physikmodellen im großen Maßstab. Es stellt Entwicklerinnen und Entwicklern Werkzeuge bereit, um sogenannte KI-Surrogatmodelle zu erstellen, die physikalische Kausalität mit Simulations- und Messdaten kombinieren und so Echtzeitvorhersagen ermöglichen. Von neuronalen Operatoren über Graph-Neural-Networks (GNNs) bis hin zu generativen KI-Modellen können eigene proprietäre Modelle entwickelt werden, um ingenieurtechnische Simulationen zu verbessern und hochauflösende Daten für skalierbare, reaktionsschnelle Designs zu erzeugen.

PhysicsNeMo unterstützt zudem die Erstellung und Validierung großskaliger Digital-Twin-Modelle in verschiedenen physikalischen Domänen – von Strömungsmechanik (Computational Fluid Dynamics), über Strukturmechanik bis hin zur Elektromagnetik.

Mit Nvidia PhysicsNeMo lassen sich Engineering-Simulationen gezielt durch KI erweitern. Das Framework ermöglicht den Aufbau und die Validierung von Modellen für unternehmensweite Digital-Twin-Anwendungen über mehrere Physikbereiche hinweg, darunter Strömungsmechanik, Strukturmechanik und Elektromagnetik.

Komplexe Manöver im Orbit lassen sich einfacher simulieren

Auch aus Sicht der Industrie wird der Fortschritt als entscheidend bewertet. Ein Vertreter von Northrop Grumman hebt hervor, dass KI-gestützte Physik-Ansätze zunehmend zentrale Herausforderungen der Raumfahrt adressieren. Dazu zählen präzise Manöver im Orbit ebenso wie komplexe Docking- und Stationsoperationen. Die Zusammenarbeit mit Flexcompute und Nvidia ermögliche es, Entwicklungszyklen deutlich zu verkürzen und neue Raumfahrtfähigkeiten schneller einsatzbereit zu machen.

Flexcompute betont vor allem die Kombination aus Präzision und Skalierbarkeit. Das Unternehmen sieht seine Stärke darin, hochgenaue physikalische Modelle mit KI-Methoden zu verbinden und daraus spezialisierte Lösungen zu entwickeln, die sich direkt in der Ingenieurpraxis einsetzen lassen. Der Ansatz erweitere dabei nicht nur die Geschwindigkeit von Simulationen, sondern auch deren Anwendungsbereich in der Raumfahrtechnik.

Nvidia verweist darauf, dass moderne Raumfahrtprojekte zunehmend eine Rechengeschwindigkeit und Modellgenauigkeit erfordern, die mit klassischen Simulationsmethoden kaum noch erreichbar sind. Durch den Einsatz der Physics-NeMo-Plattform würden komplexe physikalische Simulationen von langwierigen Rechenprozessen in nahezu sofort verfügbare Ergebnisse überführt. Das beschleunige den gesamten Entwicklungsprozess von der Missionsplanung bis zum Start enorm.

Fazit und Ausblick

Insgesamt markiert die Entwicklung einen Schritt hin zu einer stärker KI-gestützten Ingenieurpraxis in der Raumfahrt. Durch die Kombination aus physikalischer Simulation, maschinellem Lernen und Unsicherheitsmodellierung entsteht eine neue Grundlage für schnellere, effizientere und potenziell nachhaltigere Raumfahrtmissionen.

Weitere Informationen: https://www.flexcompute.com/

Erfahren Sie hier mehr über ein KI-Simulationsmodell für die transsonische Aerodynamik.

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