Günther Hasna, CTO Ansys Germany GmbH, erläutert was automotive Software für Konstruktion und Design bedeutet, welche Entwicklungsschritte jetzt erfolgen sollten und welche Hürden noch zu nehmen sind.
(Bild: freepik)
Der Begriff softwaredefiniertes Fahrzeug wird teilweise missverständlich verwendet. Was verstehen Sie darunter?
Günther Hasna: Es ist nicht zu leugnen, dass der Begriff „softwaredefiniertes Fahrzeug“ zu einem regelrechten Hype geworden ist. Ich verstehe darunter, dass zukünftige Fahrzeugmodelle durch Software-Updates aktiviert und weiterentwickelt werden können, was dem Kunden ein verbessertes Fahrerlebnis und Zugang zu aktuellen Fahrfunktionen ermöglicht. Um dies zu realisieren, ist es notwendig, eine entsprechende Softwarearchitektur in das jeweilige Fahrzeug zu integrieren. Dies ermöglicht eine verbesserte Personalisierung für den Kunden, ein Aspekt, der von neuen Verbraucher-Generationen zunehmend erwartet wird.
Vorteile von automotive Software
Welche Vorteile hat automotive Software für Hersteller und für Käufer?
Hasna: Die Softwaredefinition von Fahrzeugen bietet, wie bereits erwähnt, für den Käufer den Vorteil einer besseren Anpassung des Fahrzeugs an seine individuellen Bedürfnisse. Für den Hersteller könnte dies bedeuten, dass weniger unterschiedliche Hardwarevarianten produziert werden müssen. Allerdings könnte der Kunde auch erwarten, Software von Drittanbietern nutzen zu können. Besonders deutlich wird dies im Bereich Multimedia und Navigation, indem der Kunde seine eigenen Geräte anschließen möchte und nicht auf die vom Hersteller zur Verfügung gestellten Systeme beschränkt sein will. Diese Veränderungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Wertschöpfung und den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Fahrzeugherstellern.
Was verändert sich im Hinblick auf die Fahrzeugentwicklung?
Hasna: Um die Integration von Hardware von Drittanbietern zu ermöglichen, sind zusätzliche offene Schnittstellen erforderlich. Gleichzeitig muss aber auch gewährleistet werden, dass die Sicherheit im Betrieb bestehen bleibt. Vor allem im Bereich der Cyber Security können sich hier neue Herausforderungen für die Hersteller von Fahrzeugen ergeben.
Die Zukunft der Automobilindustrie
Was sind die nächsten wichtigen Entwicklungsschritte?
Hasna: Die nächsten wichtigen Schritte in der Automobilindustrie werden in der Entwicklung maßgeschneiderter Betriebssysteme liegen, die auf die Anforderungen von Fahrzeugflotten zugeschnitten sind. Parallel dazu ist die Standardisierung von Schnittstellen von entscheidender Bedeutung. Nur so kann eine nahtlose Integration unterschiedlicher Technologien gewährleistet werden. Schließlich sind erhebliche Investitionen in die Softwaresicherheit erforderlich, um einen wirksamen Schutz vor Cyber-Bedrohungen in der zunehmend vernetzten Fahrzeugumgebung zu gewährleisten. Diese Schritte spielen eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Effizienz, Sicherheit und Interoperabilität in der sich dynamisch entwickelnden Landschaft softwaredefinierter Fahrzeuge.
Automotive Software: Konkurrenz aus China
Wo liegen die größten Hürden der Fahrzeughersteller und Zulieferer auf dem Weg zum Fahrzeug mit automotive Software?
Hasna: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, stehen die Automobilhersteller vor der Herausforderung, ihre Kompetenzen in der Softwareentwicklung auszubauen. Kooperationen mit etablierten Softwareanbietern wie Microsoft, Google und anderen können unerlässlich sein, um innovative Technologien in ihre Fahrzeuge zu integrieren. Angesichts des demografischen Wandels wird es für die führenden westlichen Automobilhersteller immer schwieriger, sich gegen die wachsende Konkurrenz unter anderem aus China zu behaupten. Die Zusammenarbeit mit führenden Softwareunternehmen wird daher zu einem strategischen Schachzug, um den veränderten Marktanforderungen gerecht zu werden und die eigene Wettbewerbsposition zu stärken.
Stand: 16.12.2025
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