Seit Jahren setzen Industrieunternehmen für ihre digitalen Abläufe auf große, horizontale ERP-Plattformen. Doch die Grenzen werden deutlich, sobald die Komplexität der Fertigung in der Produktionshalle ankommt.
CNC-Programmierung und Fertigungssteuerung.
(Bild: Lantek)
Finanzen, Einkauf, Vertrieb, Lagerhaltung und Personalwesen werden in vielen Betrieben in einer einzigen digitalen Umgebung verwaltet. Das fördert die Standardisierung von Verwaltungsprozessen und bietet einen umfassenden Überblick über das Unternehmen. Branchen betreiben jedoch hochspezialisierte Fertigungsumgebungen, wie etwa die Metallverarbeitung, der Maschinenbau und Aufzugbau, die industrielle Kältetechnik und Energiewirtschaft sowie der Schiffbau. Die Unternehmen nutzen verschiedene Schneidtechnologien und miteinander verknüpfte Prozesse, sind Lohnfertiger oder erstellen Sonderteile – und spüren alle einen permanenten Druck hinsichtlich Kosten, Durchlaufzeiten und Materialverbrauch.
Entsprechend beschäftigen sie sich zunehmend wieder mit Fragen, die noch vor wenigen Jahren kaum mehr Beachtung fand: Welche Prozesse sollten über eine horizontale Unternehmenssoftware gesteuert werden und welche erfordern spezielle, eigens für die Metallfertigung entwickelte Lösungen?
Die Grenzen horizontaler Systeme
Horizontale Software wurde entwickelt, um Geschäftsprozesse zu steuern, die in jedem Wirtschaftsunternehmen vorkommen. Ihre Hauptaufgabe ist, Unternehmensdaten und -zahlen zu organisieren und die administrative Kontrolle des Betriebs sicherzustellen. Diese Systeme ermöglichen es Unternehmen in der Regel,
Finanz- und Vertriebsinformationen zentral zu sammeln und zu bearbeiten;
Einkaufs-, Lager- und CRM-Prozesse zentral zu steuern;
den Einsatz von Personal, Betriebsmitteln, Material und Kapital bedarfsgerecht zu planen;
die finanzielle und administrative Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.
Ihre Stärke liegt in der Bereitstellung eines Rahmens für das unternehmensweite Management. Die Blechbearbeitung braucht jedoch Funktionen, die ein herkömmliches ERP-System selten bietet. Deshalb haben viele Hersteller nach wie vor Schwierigkeiten mit Prozessen wie
fortschrittlichem Schachteln zur Reduzierung von Materialverschwendung;
CNC-Programmierung für Maschinen verschiedener Hersteller;
der gleichzeitigen Steuerung von Laser-, Plasma-, Stanz-, Rohr- und Profilschneidvorgängen;
der technischen Angebotserstellung auf Basis tatsächlicher Fertigungszeiten;
der automatischen Erfassung von Maschinendaten;
detaillierter Fertigungsplanung;
Produktionssteuerung in Echtzeit;
der direkten Integration zwischen CAD/CAM, MES und Fertigung.
Fehlen diese Funktionen im System, behelfen sich Unternehmen oft mit Tabellenkalkulationen, Eigenentwicklungen oder manuellen Prozessen. Das Ergebnis ist meist überall das gleiche: unzusammenhängende Informationen, Medienbrüche, eingeschränkte Rückverfolgbarkeit und eine enorme Abhängigkeit vom Fachwissen einzelner Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens.
Die Rolle branchenspezifischer Software in der Metallverarbeitung
Vertikale Software verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als horizontale Software. Statt die Bedürfnisse jedes beliebigen Unternehmens zu erfüllen, ist sie darauf ausgelegt, den spezifischen Anforderungen einer konkreten und definierten Branche gerecht zu werden. Der Unterschied liegt im Anwendungsbereich der jeweiligen Systeme: Horizontale Software konzentriert sich auf die Unternehmensverwaltung, während vertikale Software viel näher am Fertigungsprozess selbst ansetzt.
Bei der Blech-, Rohr- und Baustahlbearbeitung liegt der Schwerpunkt auf der Steuerung des technischen Kerns der Fertigungsabläufe. Dazu gehören die direkte Kontrolle von Materialverbrauch, Maschinenprogrammierung, Produktionszeiten, Rückverfolgbarkeit von Bauteilen und Arbeitsaufträgen, die Produktionsplanung sowie die Kapazität in der Fertigung.
Mit einer speziell für die Metallbearbeitung entwickelten Plattform können Hersteller Konstruktion, Produktionsplanung, Fertigungsabwicklung und Betriebssteuerung in einem einzigen Arbeitsablauf miteinander verknüpfen. Informationen müssen nicht mehr manuell zwischen den Abteilungen weitergeleitet werden, sondern können direkt aus den Fertigungsaktivitäten generiert werden.
Industriedaten als Betriebskapital
: Eine der bedeutendsten Veränderungen in der modernen Blechfertigung besteht darin, dass wichtige Informationen nicht mehr ausschließlich aus dem ERP-System stammen. Heute kommen viele der wertvollsten Werte direkt von den Maschinen und aus den täglichen Produktionsabläufen:
Stand: 16.12.2025
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tatsächlicher Materialverbrauch
Maschinenzykluszeiten
Vorfälle in der Produktion
verspätete Arbeitsaufträge
die Anlagenleistung
die Rentabilität pro Auftrag.
Ohne eine spezialisierte Plattform gelangen viele dieser Informationen gar nicht erst in die Systeme zum Unternehmensmanagement – oder sie kommen zu spät, um eine effektive Entscheidungsfindung zu unterstützen. Als Reaktion darauf setzen viele Hersteller auf hybride Technologiearchitekturen: ERP-Systeme steuern weiterhin die Finanz- und Verwaltungsprozesse, während spezialisierte Fertigungsplattformen Verantwortung für die Produktion übernehmen.
Die Erfahrung in der Industrie zeigt: Die Ansätze ergänzen sich oft, statt miteinander zu konkurrieren – jedes System liefert einen Mehrwert genau dort, wofür es konzipiert wurde.
Unterschiedliche Ansätze für Digitalisierung
Je nach Fertigungsunternehmen variiert der Bedarf an Spezialisierung. Für Zulieferer steht häufig die Verwaltung Tausender von Teilenummern, zahlreicher Kunden, sich ständig ändernder Prioritäten und anspruchsvoller Liefertermine im Vordergrund. In solchen Umgebungen spielen CAD/CAM-Automatisierung, Produktionsplanung und Fertigungssteuerung eine entscheidende Rolle. Hersteller eigener Produkte legen ihren Schwerpunkt häufig auf die Synchronisierung von Konstruktion, Beschaffung, Produktion und Logistik bei gleichzeitiger Kontrolle über Kosten und Qualität. Für projektbasierte Hersteller, wie beispielsweise Stahlbauunternehmen oder Produzenten von Investitionsgütern, liegt die Komplexität oft in der Koordination mehrerer Projektphasen, Teillieferungen, der finanziellen Überwachung und der lückenlosen Rückverfolgbarkeit des Projekts.
Jedes Szenario erfordert spezielle Werkzeuge, um die betrieblichen Realitäten der Metallbearbeitung widerzuspiegeln, statt sich ausschließlich auf das administrative Management zu konzentrieren. Da die Fertigungsmodelle so zahlreich und vielfältig sind, gibt es keinen einheitlichen Ansatz für die industrielle Digitalisierung. Der zentrale Geschäftsprozess für das eine Unternehmen ist für ein anderes möglicherweise nur eine Stufe innerhalb eines viel größeren Fertigungsbetriebs. Deshalb kombinieren immer mehr Hersteller horizontale und vertikale Systeme im Rahmen derselben Technologiestrategie.
Zwei Szenarien – eine Lösung
Der Software-Experte Lantek hat sein Technologieportfolio so entwickelt, dass es beide Szenarien unterstützt. Zulieferern mit Kerngeschäft Blechbearbeitung kann die Software-Suite als zentrale Management- und Produktionsplattform dienen, die Angebotserstellung, CAD/CAM, Planung, Ausführung, Fertigungssteuerung und Leistungsanalyse in einer einzigen Umgebung miteinander verbindet.
Herstellern mit komplexeren Produktionsökosystemen, in denen das Schneiden und die Metallbearbeitung lediglich eine Stufe der gesamten Wertschöpfungskette darstellen, bietet Lantek die erforderliche spezialisierte Ebene zur Steuerung der Metallfertigung bei gleichzeitiger Integration in bestehende Unternehmenssysteme.
Der individuelle Nutzen der Lösung hängt von der Rolle ab, die sie für das jeweilige Unternehmen spielt, sowie von den spezifischen Anforderungen des vom ihm gewählten Produktionsmodells. So benötigt vielleicht das eine Unternehmen eine Plattform zur Unterstützung eines Großteils seiner Fertigungs- und Geschäftsabläufe, während andere eine spezialisierte Lösung brauchen, die eine bestimmte Phase des Produktionsprozesses mit größerer Präzision steuern kann.
In jedem Fall bleibt das gleiche Ziel: Es geht um die Verknüpfung von Informationen aus der Fertigung mit den betriebswirtschaftlichen Prozessen – und die Gewissheit, dass zuverlässige Betriebsdaten zur Unterstützung der täglichen Entscheidungsfindung zur Verfügung stehen. Entscheidend dafür ist, über die richtigen Werkzeuge zu verfügen, die messbare Ergebnisse liefern – und zwar genau in dem Umfang, den das jeweilige Unternehmen benötigt. (anm)