Junge Tech-Unternehmen analysieren die angespannte Situation im Maschinenbau und werfen dabei auch einen Blick auf die hausgemachten Nachlässigkeiten.
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Junge Tech-Unternehmen analysieren die angespannte Situation und Krise im Maschinenbau und werfen dabei auch einen Blick auf die vielen hausgemachten Nachlässigkeiten.
Die düsteren Prognosen für den deutschen Maschinenbau haben landesweit für Aufsehen gesorgt. So meldete am Montag der Maschinenbauverband VDMA für das erste Halbjahr 2019 einen Umsatzrückgang von neun Prozent. Auch für das Gesamtjahr sieht der VDMA schwarz und prognostiziert einen Produktionsrückgang von zwei Prozent.
In der Analyse der negativen Gesamtentwicklung verweist der Verband überwiegend auf externe Gründe. Vertreter junger Technologieunternehmen bewerten diese Diagnose kritisch und sehen viel mehr auch hausgemachte Nachlässigkeiten in der Branche, die sich nun zu rächen beginnen. Olaf Wortmann, Konjunkturexperte des VDMA, sagt: „Dieser Rückgang geht auf die schwächere Weltkonjunktur, die zahlreichen, meist politisch motivierten Verwerfungen und den tiefgreifenden Strukturwandel in der Automobilindustrie zurück.“
Maschinenbau-Krise: Digitalisierung und Automation wichtig
Für Christoph Rössner, Gründer und Geschäftsführer der Laserhub GmbH aus Stuttgart, ist dies aber nur ein Teil der Wahrheit. Rössner verweist vielmehr darauf, dass über viele Jahre hinweg die Branche lediglich auf inkrementelle Effizienzerhöhung der Produktion fokussiert hat und dabei andere Teilbereiche und Entwicklungen außer Acht gelassen wurde. „Im Maschinenbau und der damit verbundenen Zulieferindustrie ist es mittlerweile unerlässlich durch Digitalisierung und Plattformgeschäftsmodelle die Effizienzen aller Prozesse - also auch die der Administration - zu digitalisieren und zu automatisieren. Damit können negative externe Effekte abgeschwächt werden und es gelingt wichtige Ressourcen besser einzusetzen.“ Rössner, dessen Plattform speziell für Blechbearbeiter und deren Kunden entwickelt wurde, verweist dabei beispielsweise auf Ineffizienzen bei der Beschaffung und mangelnder Auslastung von Produktionskapazitäten bei Zuliefern durch zu viele manuelle und damit langsame sowie unwirtschaftliche Prozesse. Er verweist hier auf Möglichkeiten des digitalen und automatisierten Lieferantenmanagements, Netzwerkeffekte durch Plattformen und auf die somit steigende Wettbewerbsfähigkeit durch sinkende Kosten. „Die Erhöhung der gesamten Effizienz führt zu besserer Auslastung, geringeren Prozesskosten, niedrigeren Teilepreisen und ermöglicht somit eine wirtschaftlichere Produktion für alle Beteiligten“, fasst Rössner zusammen.
Maschinenbau in der Krise: Geringe Bereitschaft zur Veränderung
Auch für Nikolai Ensslen, Gründer und CEO der Synapticon GmbH aus Böblingen bei Stuttgart, liegt ein wesentlicher Teil des Problems in der nur sehr geringen Veränderungsbereitschaft vieler Unternehmen der Maschinenbaubranche. Synapticon ist seit nunmehr knapp sieben Jahren weltweit als Technologielieferant für Roboterhersteller, Maschinenbauer und Automationsanbieter aktiv und sieht in den vergangenen Jahren eine problematische Entwicklung am deutschen Markt. „Keine Frage, der deutsche Maschinenbau ist noch immer verdammt gut in den Bereichen, in denen er schon seit Jahrzehnten führend ist. Hier setzen unsere Unternehmen den weltweiten Qualitätsstandard“, erklärt Ensslen, nicht aber ohne ein großes Aber hinterherzuschicken. „Die Zeiten haben sich dramatisch geändert und die Geschwindigkeit der Veränderung wird noch weiter zunehmen. Der klassische Maschinenbau wird von neuen Branchen bzw. Technologien in die Zange genommen und viele Unternehmen wissen noch nicht, wie sie darauf reagieren sollen.“
Maschinenbau Krise: Deutschland hat den Anschluss noch nicht verpasst
Als eine beispielhafte Entwicklung nennt Ensslen die rapide Verbreitung von kollaborativen Robotern, sogenannten Cobots, die besonders einfach zu programmieren sind, immer günstiger werden und daher mittel- und langfristig ungeahnte Möglichkeiten in die Welt der Automation einbringen. „Hier spielt die Musik mit fast ohrenbetäubender Lautstärke in China, während sich die meisten deutschen Unternehmen noch fragen, ob es überhaupt Sinn macht sich damit zu beschäftigen“, berichtet Ensslen, der selbst viel in China unterwegs ist, um Kunden und Partner zu treffen.
Stand: 16.12.2025
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„Zukunftstaugliche Cobots, die zu vertretbaren Kosten gebaut werden können, erfordern jedoch in Konstruktion, Elektronik und Software neue Ansätze und Komponenten, mit denen sich deutsche Hersteller erst in kleinen Schritten vertraut machen. Hier ist dringend mehr Wille zur Veränderung und mehr Bereitschaft für Geschwindigkeit gefragt.“ Beide Unternehmer sind sich einig, dass der deutsche Maschinenbau zwar den Anschluss noch nicht verpasst hat, dass aber mutige Schritte und die Bereitschaft zum Bruch mit althergebrachten Gewohnheiten unverzichtbar sind. So fordern sie die Branche auf die Chancen der Digitalisierung am Schopf zu packen und zugleich die Potentiale der neuen Robotik zu nutzen.