Technologiepartner BMW entwickelt Spikeplatten für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland. Die 3D-Druck-Technologie aus dem Automobilbau ermöglicht individuelle Lösungen und effiziente Optimierungszyklen. Dabei stehen bereits die Olympischen Winterspiele 2026 im Fokus.
(Bild: BMW Group)
Eine Faustregel im Bobsport besagt, dass sich der Erfolg zu einem Drittel aus der Startzeit, einem Drittel aus dem Material und einem Drittel aus der Leistung an den Lenkseilen zusammensetzt. Beim Anschieben sind die athletischen Fähigkeiten der Sportlerinnen und Sportler der entscheidende Faktor, aber wie in der Leichtathletik auch hat das Schuhwerk einen Einfluss darauf, die maximale Beschleunigung erzeugen zu können. Doch während für den Hochleistungssport auf der Tartanbahn viele Varianten von Spikeschuhen zu Verfügung stehen, die auf die Anforderungen unterschiedlicher Disziplinen und persönliche Präferenzen angepasst sind, suchte man Vergleichbares im Eiskanal lange Zeit vergebens.
Technologiepartner BMW entwickelt Spikeplatten für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland.
(Bild: BMW Group)
3D-Druck-Verfahren aus der automobilen Entwicklung
Dies zu ändern, hat sich die BMW Group als Technologiepartner des Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) auf die Fahnen geschrieben – und mit 3D-Druck-Verfahren aus der automobilen Entwicklung und Fertigung auch die perfekte Methode sowie das nötige Know-how zur Verfügung, um das Projekt umzusetzen. An den Sohlen von herkömmlichen Bobschuhen sind im Vorderfußbereich definierte Reihen von Nägeln fest verbaut, die weder ausgetauscht noch versetzt werden können. Sind diese abgenutzt, kann der Schuh nur noch entsorgt werden. Die Lösung, an der BMW und der BSD arbeiten, setzt auf Leichtathletikschuhe, bei denen die Gewinde für die Schraubspikes genutzt werden, um sogenannte Spikeplatten zu befestigen, auf denen die Spike-Nägel im Wesentlichen frei verteilt werden können. Dies vereint mehrere Vorteile: Es gibt eine große Auswahl an Schuhmodellen, so dass die Athletinnen und Athleten einen Schuh verwenden können, der ihren individuellen Bedürfnissen entgegenkommt.
Individuelle Spikeplatten für jede Athletin und jeden Athleten
Über das Material und die Geometrie der Platte sowie die Platzierung der Spike-Nägel wiederum lassen sich die Steifigkeit und vor allem die Kraftübertragung auf das Eis variieren. Angesichts individueller Laufstile und auch der unterschiedlichen Laufwege, welche die verschiedenen Positionen gerade im Viererbob mit sich bringen, sorgt dies für eine bessere Beschleunigung, als sie Einheitsspikes jemals ermöglichen könnten. In der Praxis bedeutet dies, dass für jede Athletin und jeden Athleten individuelle Spikeplatten designt und effizient hergestellt werden müssen. Eine Aufgabe, mit der das Additive Manufacturing Center der BMW Group vertraut ist. Hier entsteht aus Kunststoffen und Metallen eine Vielzahl von Komponenten, ohne dass dazu erst Werkzeuge oder Gussformen angefertigt werden müssten.
Über das Material und die Geometrie der Platte sowie die Platzierung der Spike-Nägel wiederum lassen sich die Steifigkeit und vor allem die Kraftübertragung auf das Eis variieren.
(Bild: BMW Group)
Varianten schnell herstellen und optimieren
„Wir fertigen seit mehr als 30 Jahren im 3D-Druck-Verfahren Bauteile für Prototypen, individualisierte Einzelstücke, aber auch für die Serienproduktion“, sagt Claudia Rackl, BMW Group Additive Manufacturing Projekte & Qualifizierung.
„Die großen Vorteile des 3D-Drucks sind die Ersparnis von Zeit und Kosten sowie eine hohe Flexibilität. Dadurch können wir verschiedene Varianten schnell herstellen, testen und effizient optimieren.“
Diese Expertise aus dem Automobilbau haben die Ingenieure der BMW Group eins-zu-eins in den Bobsport transferiert. Die Geometrie der Spikeplatten wird softwaregestützt entwickelt und automatisch auf die Topografie der individuellen Schuhe angepasst, die vorher mit einem 3D-Scanner erfasst wurde. Anschließend werden die Spikeplatten gedruckt, indem ein Laser das entsprechende Metallpulver Schicht für Schicht miteinander verschweißt.
Tests von Legierungen und Geometrien
Derzeit werden verschiedene Legierungen und Geometrien getestet und weiterentwickelt, um das optimale Ergebnis zu finden – ganz wie in der automobilen Forschung und Entwicklung. Wenn die idealen Grundparameter gefunden sind, kann die Software das Design der Spikeplatte automatisch auf jeden beliebigen Schuhtyp, jede beliebige Schuhgröße und jede beliebige Anzahl von Befestigungspunkten an der Schuhsohle anpassen.
Zudem können spezielle Spikeplatten für die individuellen Anforderungen der Athletinnen und Athleten oder sogar für unterschiedliche Witterungsbedingungen und Eisverhältnisse gefertigt werden.
Stand: 16.12.2025
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