Synapticon und Generative Bionics arbeiten zusammen: Die deutsch-italienische Partnerschaft zielt darauf, die kritische Antriebsebene humanoider Roboter von Entwicklung bis Integration in Europa zu halten und damit die technologische Souveränität zu stärken.
Wie kann es gelingen eine eigenständige europäische High-Tech-Industrie aufzubauen, die KI und Robotik verbindet? Synapticon aus Deutschland und Generative Bionics aus Italien haben einen ersten Schritt unternommen.
(Bild: Synapticon und Generative Bionics)
Die Synapticon GmbH, Anbieter sicherheitszertifizierter Antriebstechnik für robotische Systeme, und der italienische Entwickler humanoider Roboter Generative Bionics haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Gemeinsames Ziel ist der Aufbau einer resilienten, unter europäischer Kontrolle stehenden Lieferkette für die Schlüsseltechnologien humanoider Roboter. Die Zusammenarbeit soll gewährleisten, dass die zentrale Antriebsebene von Physical AI (physische KI) in Europa entwickelt, gefertigt, zertifiziert und integriert wird.
Technologische Souveränität stärken
Humanoide Robotik findet derzeit schrittweise den Weg aus Forschungslaboren in industrielle Einsätze und Dienstleistungsanwendungen. Mit dieser Entwicklung gewinnt die Kontrolle über den zugrunde liegenden Technologie-Stack zunehmend an strategischer Bedeutung. Entscheidend ist auch, wo die Technologien entwickelt und gefertigt werden. Beide Unternehmen sind überzeugt, dass Europa seine technologische Souveränität über den Hardware- und Software-Stack von Physical AI stärken muss. Zugleich gilt es, die Abhängigkeit von externen Lieferketten für Komponenten zu verringern, die Leistung, Sicherheit und die Voraussetzungen für die Zertifizierung eines Roboters bestimmen.
Antriebsebene ist zentral
Die Antriebsebene ist für jede humanoide Plattform von zentraler Bedeutung. Sie umfasst das integrierte Zusammenspiel von Motoren, Servoantrieben, Encodern, funktionaler Sicherheit und Software zur Bewegungssteuerung. Erst diese Kombination ermöglicht präzise Bewegungen und einen sicheren Betrieb in unmittelbarer Nähe von Menschen.
„Bei Synapticon ist es unsere Mission, den Fortschritt der Robotik zu ermöglichen – und kaum eine Anwendung fordert Bewegung und Sicherheit so sehr wie humanoide Roboter. Generative Bionics baut eine der ambitioniertesten Humanoid-Plattformen Europas, und genau dort gehört unsere integrierte Aktuatorik hin“, erklärt Simon Fischinger, CEO bei Synapticon. Das mittelständische Hard- und Softwareunternehmen aus dem schwäbischen Schönaich entwickelt sein Jahren Lösungen rund um sichere und effiziente Robotik für Unternehmen auf der ganzen Welt.
Gleichzeitig bestehen gerade hier hohe Lieferkettenrisiken. Europäische Programme sind bei kritischen elektromechanischen Komponenten häufig von externen Anbietern abhängig. Synapticon und Generative Bionics binden diese Ebene deshalb in einen gemeinsam gesteuerten europäischen Rahmen ein. So soll aus einer strukturellen Schwäche ein Wettbewerbsvorteil entstehen. Dies steht im Einklang mit den Zielen des European Chips Act und des Critical Raw Materials Act.
„Europa steht bei Physical AI und humanoider Robotik vor einer klaren Herausforderung hinsichtlich seiner technologischen Souveränität. Dabei geht es nicht um geschlossene oder isolierte Lieferketten. Die Schlüsseltechnologien humanoider Roboter müssen gegenüber geopolitischen Schwankungen und Lieferkettenstörungen robust sein. Zugleich müssen sie die Anforderungen an Sicherheit und Zertifizierung erfüllen. Die Antriebsebene ist dabei von grundlegender Bedeutung. Hier bündeln sich Bewegung, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Zertifizierungsvoraussetzungen“, sagt Daniele Pucci, CEO von Generative Bionics.
Drei Säulen der Zusammenarbeit
Erstens bauen die Partner eine innerhalb der EU abgesicherte Lieferkette für die Antriebsebene der humanoiden Plattform von Generative Bionics auf. Endmontage, Kalibrierung und Sicherheitsprüfung sollen im Europäischen Wirtschaftsraum erfolgen, hauptsächlich in Deutschland. Ergänzend sind vorqualifizierte europäische Alternativen, in der EU gelagerte Sicherheitsbestände und Vorkehrungen zur Rückverfolgbarkeit kritischer Komponenten vorgesehen.
Zweitens entwickeln die Partner gemeinsam kundenspezifische Antriebseinheiten für Generative Bionics. Diese vereinen Motor, Servoantriebe, Encoder, Firmware und Funktionen der funktionalen Sicherheit. Die Einheiten werden auf die mechanischen, thermischen und regelungstechnischen Anforderungen der humanoiden Architektur von Generative Bionics zugeschnitten.
Drittens konzipieren die Unternehmen gemeinsam eine integrierte Sicherheitsarchitektur für humanoide Roboter. Sie reicht von sicherer Bewegungssteuerung und Personenerkennung bis zur Verhaltensüberwachung KI-gesteuerter Robotiksysteme. Dabei bauen die Partner auf Synapticons PositronSafety-Plattform auf. Die weitere Entwicklung soll sich an den derzeit entstehenden internationalen Normen orientieren.
Komponenten werden als ein System entwickelt
„Gemeinsam decken wir die gesamte Antriebsebene ab – Motor, Servoregler, Encoder, Firmware und zertifizierte funktionale Sicherheit. Die Komponenten werden als ein System entwickelt und darauf ausgelegt, vom Prototyp bis zur Serienfertigung in Europa zu skalieren. Diese Ebene in Europa zu halten, bedeutet keine Abschottung. Es geht um Kontrolle, Geschwindigkeit und Vertrauen – dort, wo sie am wichtigsten sind. Wir sind stolz darauf, unsere Software-first-Antriebstechnologie und unsere Positron Safety-Plattform ins Herz der Roboter von Generative Bionics zu bringen“, ergänzt Simon Fischinger.
Stand: 16.12.2025
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Resilienz von Anfang an
Die Partnerschaft beruht auf dem Grundsatz, dass Resilienz von Anfang an berücksichtigt werden muss. Sie darf nicht erst unter dem Druck einer Störung ergänzt werden. Entsprechende Vorkehrungen zur Sicherung der technologischen Souveränität werden daher in die verbindlichen Vereinbarungen der Partner aufgenommen. Dazu gehören vorqualifizierte europäische Alternativen, die im Fall einer Störung zum Einsatz kommen können, sowie in der EU gelagerte Sicherheitsbestände kritischer Komponenten.
Zudem wollen die Unternehmen vertrauliche Nachweise zur Rückverfolgbarkeit vorhalten. Diese sollen ausreichen, um unter angemessenen Zugriffsbeschränkungen die europäische Herkunft, den Fertigungsstandort und den Qualifizierungsstatus kritischer Komponenten nachzuweisen.
„Wir freuen wir uns über die Partnerschaft mit Synapticon. Unser gemeinsames Ziel ist der Aufbau eines souveränen und resilienten europäischen Technologie-Stacks für die Antriebstechnik humanoider Roboter. Bei dieser Partnerschaft geht es nicht nur um Komponenten. Es geht darum, einen der Kernbereiche von Physical AI in Europa zu sichern und technologische Souveränität industriell umzusetzen“, betont Daniele Pucci.
Strategische Rollen und gemeinsame Industrialisierung
In diesem Rahmen räumen sich beide Unternehmen gegenseitig einen strategischen Status ein. Synapticon wird als strategischer europäischer Lieferant für den vereinbarten Umfang der Antriebstechnik der humanoiden Plattform von Generative Bionics fungieren.
Generative Bionics erhält als strategischer europäischer Kunde bevorzugten Zugang zu innerhalb der EU abgesicherten Produktionskapazitäten. Voraussetzung sind jeweils gemeinsam vereinbarte kommerzielle, technische und operative Bedingungen.
Noch vor der allgemeinen Marktverfügbarkeit arbeiten die Partner außerdem bei einer Aktuatorbaureihe von Synapticon zusammen. Sie ist für eine Großserienfertigung nach dem Vorbild der Automobilindustrie ausgelegt. Generative Bionics wird strukturiertes Feedback zu der Baureihe liefern, das deren Industrialisierung und kontinuierliche Weiterentwicklung unterstützen soll.