Drees & Sommer beschleunigt mit Autodesk Forma die frühen Projektphasen von Rechenzentren. Wie das gelingt und warum sich die Branche gerade schneller verändert, als viele denken, erläutern Daniela Becker, Vice President EMEA Named Accounts, Autodesk, und Moritz Mombour, Associate Partner bei Drees & Sommer.
Mit Digitalisierung wächst der Bedarf an Rechenzentren. Drees & Sommer nutzt Autodesk Forma in den frühen Projektphasen.
(Bild: Drees & Sommer)
Autocad Magazin: Herr Mombour, wie hat Drees & Sommer den cloudbasierten Workflow für die Planung von Rechenzentren entwickelt und implementiert?
Moritz Mombour: Ausgangspunkt für uns war der Anwendungsfall, Grundstücke für Rechenzentren frühzeitig und belastbar bewerten zu können. Der Bedarf steigt durch die Megatrends Digitalisierung und KI kontinuierlich, während geeignete Flächen und die Energieversorgung begrenzt sind. In diesem Spannungsfeld entscheidet sich früh, ob ein Projektstandort strategisch, technisch und wirtschaftlich realisierbar ist.
Wir hatten bereits klassische Workflows, unter anderem mit Rhino und Revit über die Autodesk Construction Cloud. Gesucht war jedoch eine Cloud-Anwendung, die einfacher zugänglich ist, um frühe Volumenstudien und Machbarkeitsbewertungen ohne hohe Einstiegshürden durchführen zu können. Diese Rolle übernimmt heute Autodesk Forma.
Rechenzentren: Klarheit über Chancen und Risiken eines Standorts
In der Vergangenheit mussten entscheidungsrelevante Informationen wie Vermesserdaten, Bebauungspläne, Umgebungsmodelle und Informationen zur Stromversorgung zusammengetragen werden. Mit Forma können wir direkt auf verschiedene Kontextdaten zugreifen, Grundstücke definieren und Volumen platzieren. Die zentrale Frage lautet dann: Lässt sich das erforderliche Gebäudevolumen unter Berücksichtigung von Sicherheitsanforderungen, Redundanzen und technischer Infrastruktur sinnvoll auf dem Grundstück abbilden – und ist dies unter den gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich darstellbar?
Damit verlagern wir wesentliche Entscheidungen bewusst in frühe Phasen und schaffen Klarheit über Chancen und Risiken eines Standorts.
Autocad Magazin: Welche Rolle spielt dabei die Funktionalität von Forma konkret?
Moritz Mombour: Forma ist eine browserbasierte Plattform. Nach Erstellen eines Projekts und Auswahl des Grundstücks steht der räumliche Kontext zur Verfügung. Auf dieser Grundlage können Volumen modelliert und unmittelbar anhand relevanter Kennwerte bewertet werden.
Ein wesentlicher Punkt für uns ist die Wiederverwendbarkeit: Wir arbeiten mit Bibliotheken vordefinierter Module, die typische Bausteine eines Rechenzentrums abbilden. So können Varianten strukturiert und nachvollziehbar miteinander verglichen werden.
Ziel ist es, frühzeitig belastbare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen, auf deren Basis Investitions- und Planungsentscheidungen fundiert getroffen werden können.
Autocad Magazin: Wie wirkt sich dieser Ansatz auf Geschwindigkeit und Qualität komplexer Bauprojekte aus?
Moritz Mombour: Der wesentliche Effekt liegt weniger in der Beschleunigung einzelner Planungsschritte als darin, früher belastbare Entscheidungen zu treffen. Digitale Vorprüfungen ermöglichen qualifizierte Aussagen zu zentralen Fragestellungen wie Energieversorgung, Abstandsflächen, Redundanzkonzepten oder notwendigen Technikflächen – also genau zu den Punkten, die in späteren Phasen häufig zu Anpassungen führen können.
Früher belastbare Entscheidungen möglich
Geschwindigkeit entsteht dadurch, dass späterer Anpassungsbedarf reduziert wird. Qualität entsteht dadurch, dass Entscheidungen auf klar definierten Eingangsgrößen, transparenten Annahmen und nachvollziehbaren Bewertungen beruhen.
Autocad Magazin: Wie geht es nach der Konzeptphase weiter – wann kommt Revit ins Spiel?
Moritz Mombour: Wir arbeiten in Forma mit mehreren Design-Proposals, die miteinander verglichen werden. Analysen und Bewertungen erfolgen bereits in dieser Phase. Sobald eine Variante als tragfähig identifiziert ist, wird das Modell in Revit überführt.
Neben Volumen werden auch Gebäudekomponenten übertragen, die in unseren Revit-Templates weiterverwendet werden. Ab diesem Punkt beginnt der klassische Produktionsprozess und die Fachkoordination. Forma bleibt dabei ein Werkzeug der frühen Leistungsphase.
Autocad Magazin: Inwiefern profitieren Projektteams von der zentralen Plattform?
Moritz Mombour: Forma senkt die Zugangshürden erheblich. Projektleiterinnen und Projektleiter, die nicht mit Revit arbeiten, können aktiv teilnehmen, Varianten bewerten und Entscheidungen treffen. Das Modell ist Arbeitsmittel und gemeinsame Entscheidungsgrundlage, kein isoliertes Lieferobjekt.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Diese Offenheit fördert die Zusammenarbeit. Unabhängig von Vorkenntnissen in komplexer CAD-Software können alle Planungsbeteiligten mitwirken. Der Zugriff über den Browser ist dabei entscheidend – keine Installation, keine komplexe Bedienung.
Autocad Magazin: Frau Becker, wie ordnet Autodesk diesen Ansatz ein?
Daniela Becker: Die Vision von Forma ist, Co-Kreation ins Zentrum der Planung zu stellen. Die Bau- und Immobilienbranche ist im Vergleich zu anderen Industrien stark fragmentiert. Das führt häufig zu Effizienzverlusten, höheren Kosten und negativen Auswirkungen auf Nachhaltigkeit.
Daniela Becker, Vice President EMEA Named Accounts, Autodesk.
(Bild: Autodesk)
„Für funktionierende End-to-End-Prozesse benötigen wir verlässliche, konsistente und ausreichend granulare Datenstandards.
Forma ist aus der Akquisition von Spacemaker entstanden, hat sich aber deutlich weiterentwickelt. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der interdisziplinäre Zusammenarbeit selbstverständlich wird. In der nächsten Entwicklungsstufe spielen KI und wiederholbare Prozesse eine zentrale Rolle – insbesondere dort, wo heute noch viel administrativer Aufwand entsteht.
Autocad Magazin: Welche Hürden gab es bei der Einführung eines durchgängigen digitalen Workflows?
Moritz Mombour: Drees & Sommer arbeitet seit vielen Jahren modellbasiert, dennoch variieren Erfahrungsstände im Bereich der 3d-Anwendung je nach Aufgabenbereich und Rollenprofil. Entscheidend für uns war, ein Werkzeug einzuführen, das niederschwellig Ergebnisse liefert und als verlässliches Arbeitsmittel im Projektalltag wahrgenommen wird.
Autocad Magazin: Wie unterscheidet sich der heutige Einsatz modellbasierter Werkzeuge bei Drees & Sommer von der früheren Arbeitsweise?
Moritz Mombour: Modellbasierte Planung war und ist ein selbstverständlicher Teil unserer Arbeitsweise. Insofern mussten wir nicht von 2d auf 3d umstellen. Die eigentliche Veränderung liegt heute weniger in der Modellierung selbst als in der Zugänglichkeit und Nutzung der Modelle.
Moritz Mombour, Associate Partner bei Drees & Sommer.
(Bild: Drees & Sommer)
Forma senkt die Zugangshürden erheblich. Projektleiterinnen und Projektleiter, die nicht mit Revit arbeiten, können aktiv teilnehmen, Varianten bewerten und Entscheidungen treffen.“
Gleichzeitig gibt es Kolleginnen und Kollegen, etwa aus der Projektleitung, die wie erwähnt nicht selbst mit Authoring-Tools wie Revit arbeiten. Für diese Gruppe ist es entscheidend, einen einfachen, gut zugänglichen Viewer zu haben, mit dem schnell der Projektstatus erfasst werden kann – ohne komplexe Benutzeroberflächen. Heute geht es darum, zentrale Fragen schnell beantworten zu können: Ist das Gebäude wirtschaftlich? Entspricht es unseren gestalterischen Anforderungen?
Auch Rechenzentren folgen dabei klaren gestalterischen Prinzipien und sind nicht allein funktional zu betrachten.
Autocad Magazin: Wird diese Herangehensweise bereits über den Datacenter-Bereich hinaus eingesetzt?
Moritz Mombour: Der derzeitige Schwerpunkt liegt im Datacenter-Bereich innerhalb der Business Unit EPCM Real Estate & Infrastructure. Dort sehen wir klare Effekte. Perspektivisch ist der Einsatz auch in weiteren Business Units angedacht.
In einem Unternehmen unserer Größe ist eine Implementierung kein einmaliger Schritt, sondern ein fortlaufender Prozess. Es geht darum, bewährte Ansätze sichtbar zu machen, wiederverwendbar zu gestalten und so aufzubereiten, dass weitere Teams sie sinnvoll einsetzen können. Gerade in sehr frühen Projektphasen bietet der browserbasierte Zugang einen Vorteil, weil Konzepte schnell geprüft und weiterverfolgt oder bewusst verworfen werden können.
Autocad Magazin: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Autodesk und Drees & Sommer?
Daniela Becker: Partnerschaften wie diese leben vom Mitdenken und Mitentwickeln. Drees & Sommer bringt eine hohe BIM- und Planungskompetenz mit, was die Zusammenarbeit sehr konsistent macht. Seit Kurzem ist die Autodesk Construction Cloud vollständig in Forma integriert, inklusive Data Management.
Reale Mehrwerte für Planer, Bauherren und Betreiber
Uns ist wichtig, Feedback aus der Praxis aufzunehmen. Produkte werden im Markt getestet, kritisch hinterfragt und weiterentwickelt. Diese Feedback-Loops sind essenziell, um reale Mehrwerte für Planer, Bauherren und Betreiber zu schaffen.
Autocad Magazin: Wie lassen sich Effizienz- und Transparenzgewinne konkret beschreiben?
Moritz Mombour: In der frühen Bedarfsphase verändert sich vor allem die Qualität der Entscheidungsgrundlagen. Grundstücke und Konzepte lassen sich deutlich früher und strukturierter bewerten, sodass zentrale Fragestellungen transparent und nachvollziehbar beantwortet werden können. Entscheidungen basieren auf belastbaren Kennwerten und vergleichbaren Varianten, nicht auf Einzelbetrachtungen.
Autocad Magazin: Welche Rolle spielen Datenstandards in diesem Kontext?
Daniela Becker: Was natürlich in der Welt von KI ganz wichtig ist: Ist IFC genug? Der Anspruch an einen Standard muss sein, dass er tatsächlich einheitlich ist. Wenn durch regionale oder nationale Anpassungen zahlreiche Varianten entstehen, verliert der Standard seinen Nutzen.
Für funktionierende End-to-End-Prozesse benötigen wir verlässliche, konsistente und ausreichend granulare Datenstandards. Daran arbeiten wir aktiv mit. Gleichzeitig unterstützen wir weiterhin alle relevanten, am Markt etablierten Standards.
Autocad Magazin: Sie haben das Stichwort Künstliche Intelligenz erwähnt. Wie kann die KI in Bauprojekten sinnvoll zum Einsatz kommen?
Daniela Becker: KI sehen wir heute vor allem unterstützend und workfloworientiert. Sie hilft, Aufgaben zu automatisieren und Optionen zu generieren. Die Verantwortung bleibt beim Menschen. Vertrauen entsteht nur, wenn Ergebnisse nachvollziehbar und validierbar sind.
Moritz Mombour: Wir setzen Künstliche Intelligenz ebenfalls unterstützend ein, beispielsweise bei Normenprüfungen oder in erweiterten Kontext der Koordination. Entscheidend ist dabei eine klare fachliche Prüfung der Ergebnisse, bevor diese weiterverwendet werden. KI ist für uns ein Werkzeug zur Unterstützung, nicht zur Delegation von Verantwortung.
Autocad Magazin: In welcher Form wird sich dadurch die Zusammenarbeit in Bauunternehmen weltweit verändern?
Daniela Becker: Wir unterstützen diesen Ansatz, derzeit vor allem task- und workflowbasiert als ersten Schritt. Wie sich das weiterentwickelt, wird sich zeigen. Generatives Design ist aus unserer Sicht ein wichtiges Zukunftsthema, wird von uns klar gesehen und auch von unseren Kunden aktiv nachgefragt. Aktuell befinden wir uns in einer technologischen Phase, die in ihrer Bedeutung vergleichbar ist mit der Einführung des Smartphones. Die grundlegende Idee von KI in dieser Industrie existiert bereits seit über einem Jahrzehnt. Die konkrete Umsetzung in produktiven Use Cases bei Kunden ist jedoch deutlich jünger und entwickelt sich erst seit wenigen Jahren.
Aktuelle Optimierungen erleichtern die Arbeit
Autodesk Forma ermöglicht frühe Volumenstudien und Machbarkeitsbewertungen ohne hohe Einstiegshürden.
(Bild: Drees & Sommer)
Durch die zunehmende Bewertung des Mehrwerts und das wachsende Vertrauen in diese Technologien erwarten wir in den kommenden Jahren eine starke Evolution – schneller, als viele heute denken. Entscheidend ist dabei, dass die aktuellen Optimierungen nicht darauf abzielen, Arbeit lediglich angenehmer zu machen, sondern sie spürbar zu erleichtern.
Autocad Magazin: Frau Becker, Herr Mombour, vielen Dank für das Gespräch!