Expertengipfel Luft- und Raumfahrt

Belastbare Technologien für komplexe Anwendungen

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Steve Bleymaier, CTO for Aerospace & Defense bei Synopsys

Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Herausforderungen in der Produktentwicklung in der Luft- und Raumfahrt – beispielsweise in Bezug auf Budget, Projektlaufzeiten, Zertifizierungen, Materialverfügbarkeit oder den Einsatz neuer Technologien?

Die größte Herausforderung sind die rapide steigende Autonomie und die neue strategische Bedeutung von Luftraum und Orbit. Autonome UAVs, Urban-Air-Mobility-Konzepte, Satelliten oder interplanetare Missionen erfordern Architekturen, die Wahrnehmung, Entscheidungslogik, Kommunikation und Steuerung eng integrieren. Diese Komplexität überfordert klassische Entwicklungsprozesse und verlängert die F&E-Zyklen deutlich. Zudem steigt der Validierungsbedarf, da jede Funktion in sicherheitskritischen und schwer vorhersehbaren Szenarien zuverlässig arbeiten muss. 

Steve Bleymaier, CTO for Aerospace & Defense bei Synopsys).(Bild:  Synopsys)
Steve Bleymaier, CTO for Aerospace & Defense bei Synopsys).
(Bild: Synopsys)
Organisatorisch wird Multi-Domain-Engineering immer wichtiger. Mechanik, Elektronik, KI, Missionsanalyse und Software müssen in durchgängigen digitalen Prozessketten zusammenarbeiten.

Auch spezialisierte Sensorik, Hochleistungsrechner und abgesicherte Kommunikation führen zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Materialien und Komponenten. Insgesamt ist die Branche einer doppelten Belastung aus wachsender Systemkomplexität und steigendem strategischem Druck ausgesetzt.

Welche technologischen und organisatorischen Lösungen halten Sie für besonders richtungsweisend, um diese Aufgaben zu bewältigen?

Entscheidend ist die konsequente Verlagerung der Entwicklung ins Digitale. Die Simulation bildet das Fundament, um Millionen Szenarien zu testen, extreme Flugzustände zu analysieren und das Zusammenspiel von Sensorik, Software und Umgebung realistisch abzubilden – und das lange bevor der erste Prototyp gebaut wird. 

In der Raumfahrt ist Simulation sogar Voraussetzung für Machbarkeit: Missionen wie die Mondlandung von Intuitive Machines oder die Launcher-Programme von Firefly wären ohne die umfangreiche virtuelle Optimierung von Thermik, Navigation und Fail-Safe-Szenarien kaum realisierbar.

Organisatorisch wird Multi-Domain-Engineering immer wichtiger. Mechanik, Elektronik, KI, Missionsanalyse und Software müssen in durchgängigen digitalen Prozessketten zusammenarbeiten. Offene Standards, gemeinsame Plattformen, industrieübergreifende Datenräume und agile Teams, die Entwicklung und Zertifizierung enger verzahnen, sind dafür essenziell.

Welche Kompetenzen und Formen der Zusammenarbeit in der Produktentwicklung werden in Zukunft entscheidend sein, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern?

Künftig benötigen Ingenieurinnen und Ingenieure ein erweitertes Profil: Sie müssen nicht nur ihre eigene Disziplin beherrschen, sondern auch das Gesamtsystem verstehen – inklusive KI-Algorithmen, Sensorfusion und missionskritischer Software. Zu den Kernkompetenzen werden Simulation, modellbasierte Entwicklung, digitale Zwillinge, Cybersecurity und Regulierungswissen gehören. Zudem wird Antizipation wichtig: Systeme müssen Störungen im autonomen Luft- und Raumfahrtumfeld vorwegnehmen können.

Auch die Zusammenarbeit verändert sich grundlegend. Autonomie und Raumfahrt entstehen im Zusammenspiel von Industrie, Forschung, Militär, Behörden und Start-ups. Wer technische Exzellenz mit digitaler und kooperativer Stärke verbindet, wird im autonomen Luft- und Raumfahrtzeitalter führend sein.

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