Expertengipfel Luft- und Raumfahrt

Belastbare Technologien für komplexe Anwendungen

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Dr. Phillip Oberdorfer,Technology Communication Manager bei der Comsol Multiphysics GmbH

Wo sehen Sie aktuell die wichtigsten Herausforderungen in der Produktentwicklung in der Luft- und Raumfahrt – beispielsweise in Bezug auf Budget, Projektlaufzeiten, Zertifizierungen, Materialverfügbarkeit oder den Einsatz neuer Technologien?

Die Luft- und Raumfahrt steht an einem Wendepunkt: Neue Antriebe und Materialien eröffnen enormes Potenzial, unterliegen aber gleichzeitig strengeren Zertifizierungsanforderungen und müssen unter immer extremeren Einsatzbedingungen funktionieren. Hinzu kommt, dass viele Komponenten heute so hoch integriert sind, dass man Einflüsse kaum noch isoliert testen kann. Elektrische, thermische und strukturelle Effekte greifen ineinander und führen zu neuen Fehlermodi. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel und volatile Lieferketten den Druck, Entwicklungszyklen drastisch zu verkürzen. Die zentrale Herausforderung ist daher, Komplexität nicht nur zu managen, sondern schnell und verlässlich in belastbare Technologie umzusetzen.

Expertentalk Luft- und Raumfahrt, Bild: Dr. Phillip Oberdorfer
Dr. Phillip Oberdorfer, Technology Communication Manager bei der Comsol Multiphysics GmbH.
(Bild: Comsol Multiphysics GmbH)
Die zentrale Herausforderung ist daher, Komplexität nicht nur zu managen, sondern schnell und verlässlich in belastbare Technologie umzusetzen.

Welche technologischen und organisatorischen Lösungen halten Sie für besonders richtungsweisend, um diese Aufgaben zu bewältigen?

Weltweit überlegen Aerospace-Teams, wie sich Fehlerquellen früh im digitalen Raum erkennen lassen, bevor sie sich in der Hardware manifestieren. Digitale Zwillinge, die auf hochintegrierten Multiphysik-Modellen basieren, können in diesem Zusammenhang ein echter Mehrwert sein, da sie es ermöglichen, Wechselwirkungen realitätsnah vorherzusagen. Dazu zählen beispielsweise thermisch induzierte Materialermüdung in elektrifizierten Antrieben oder die Kopplung von EM- und Struktureffekten in der Satellitenkommunikation.

Entscheidend ist, dass die Modelle nicht isoliert in Expertenabteilungen verbleiben. Simulations-Apps und automatisierte Workflows schaffen eine gemeinsame Daten- und Entscheidungsgrundlage. So können auch Fachabteilungen ohne tiefes Simulationswissen Varianten bewerten und Designentscheidungen mittragen. So wird interdisziplinäre Produktentwicklung zur gelebten Praxis.

Welche Kompetenzen und Formen der Zusammenarbeit in der Produktentwicklung werden in Zukunft entscheidend sein, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern?

In Zukunft zählt nicht nur technische Exzellenz, sondern synchronisiertes Systemwissen. Teams, die Modelle gemeinsam nutzen und aktiv weiterentwickeln, bauen schneller ein kollektives Verständnis auf, was gerade bei High-Risk-Technologien wichtig ist. Dafür braucht es zwei Dinge: erstens die Fähigkeit, physikalische Zusammenhänge zu interpretieren, und zweitens Arbeitsumgebungen, die dieses Wissen skalieren, etwa durch standardisierte Simulationsprozesse, klare Datenstrukturen und Werkzeuge, die Modellergebnisse für alle zugänglich machen. So entwickelt sich Simulation vom Analyse-Tool zum strategischen Innovationsantrieb. 

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