Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

< zurück

Seite: 2/10

Anbieter zum Thema

Alexander Lenk, Head of Automotive & Manufacturing Solutions Architecture EMEA bei AWS 

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Die Software-Komplexität im Fahrzeug wächst exponentiell – getrieben durch Elektrifizierung, autonomes Fahren, Cybersecurity und eine steigende Variantenvielfalt. Gleichzeitig arbeiten Teams oft in Silos; der durchgängige digitale Faden vom Konzept über die Simulation bis zur Produktion fehlt. Skalierbare Cloud-Infrastruktur, Virtualisierung und durchgängige Datenplattformen können hier Abhilfe schaffen – aber der Wandel von klassischen, hardwaregebundenen Prozessen hin zu softwaregetriebener Entwicklung ist kulturell und technisch anspruchsvoll.

Alexander Lenk, Head of Automotive & Manufacturing Solutions Architecture EMEA bei AWS. 
Alexander Lenk, Head of Automotive & Manufacturing Solutions Architecture EMEA bei AWS. 
(Bild: AWS)
Der Schlüssel liegt im ‚Shift Left‘ – Entwicklung, Test und Validierung so früh wie möglich in den Prozess zu verlagern .

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Der Schlüssel liegt im ‚Shift Left‘ – Entwicklung, Test und Validierung so früh wie möglich in den Prozess verlagern. Auf AWS können OEMs Software auf virtualisierten Steuergeräten (vECUs) in der Cloud entwickeln und testen, unabhängig von physischer Hardware. Cloud-basierte Engineering Workbenches geben verteilten Teams Zugriff auf einheitliche Entwicklungsumgebungen. Für das physische Design ermöglicht die Cloud CFD-, Crash- und FEA-Simulationen on demand, ohne auf lokale Cluster warten zu müssen. KI erzeugt aus Konzeptskizzen optimierte Varianten, simuliert sie direkt – und KI-Agenten werten die Ergebnisse aus und iterieren eigenständig weiter – wobei der Ingenieur jederzeit die Kontrolle behält und Entscheidungen validiert. So rücken virtuelle und physische Produktentwicklung zusammen.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Die BMW Group entwickelt ihr ADAS-System für die Neue Klasse auf AWS. Software wird auf virtuellen ECUs in der Cloud gebaut und getestet – unabhängig von physischen Prototypen. Das beschleunigt Iterationszyklen erheblich und macht Software-Innovation für deutlich mehr Teams zugänglich. Das gilt auch für ganz neue Innovationen wie Amazon Alexa+ mit KI-Agenten im Fahrzeug.

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Drei Trends: Erstens wird das Fahrzeug selbst zum intelligenten Agenten – aufbauend auf Software-Defined-Vehicle-Architekturen. Der Fahrer interagiert mit seinem Auto als intelligentem Gegenüber. Dahinter arbeitet ein Multi-Agenten-System: spezialisierte KI-Agenten für Navigation, Energie, Komfort und Sicherheit, die Kontext verstehen und eigenständig Entscheidungen treffen – von Fahrwerksanpassung über Energiemanagement bis zur Routenwahl. Zweitens revolutionieren KI-Agenten das Engineering: Sie erzeugen Designvarianten, simulieren und iterieren eigenständig – vom virtuellen Steuergerät bis zur Aerodynamik. Drittens erfasst Physical AI die Fertigung: Autonome Roboter und KI-Agenten machen Produktionslinien flexibler und resilienter.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Das Auto der Zukunft ist ein softwaregetriebenes, ständig lernendes System, das nach dem Kauf immer besser wird. Im Zentrum steht Personalisierung: KI-Agenten ermöglichen Assistenten, die den Fahrer verstehen – von individueller Routenplanung über vorausschauendes Energiemanagement bis zu einem Infotainment, das sich an Vorlieben und Kontext anpasst. Das Fahrzeug ist nahtlos mit der Cloud vernetzt, empfängt Updates und lernt aus dem Nutzungsverhalten. Für den Fahrer bedeutet das: Jedes Auto wird mit der Zeit individueller, sicherer und komfortabler – ein persönlicher Begleiter, der sich dem Leben anpasst, nicht umgekehrt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung