Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

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Ralf Sauer, Vice President Marketing & Communications, IPG Automotive GmbH

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Die größten Hürden ergeben sich aus der Kombination von stark wachsender Softwarekomplexität und hardwarezentrierten, historisch gewachsenen Entwicklungsstrukturen. Fahrzeuge entwickeln sich zu softwaredefinierten Systemen mit zentralen Rechnerarchitekturen und kurzen Release-Zyklen, während Prozesse, Organisationen und Teststrategien diesem Tempo oft nicht folgen. Fehler werden dadurch spät erkannt, Feedback-Schleifen verlängern sich und der wirtschaftliche Druck steigt. Zusätzlich erschwert die zunehmende Varianten- und Funktionsvielfalt eine durchgängige Absicherung.

Ralf Sauer, Vice President Marketing & Communications, IPG Automotive GmbH.(Bild:  IPG Automotive)
Ralf Sauer, Vice President Marketing & Communications, IPG Automotive GmbH.
(Bild: IPG Automotive)
Verschiedene Simulationsszenarien.
Verschiedene Simulationsszenarien.
(Bild: IPG Automotive )
Virtuelle Sensoren, Fahrzeugmodelle und Steuergerätesoftware lassen sich softwarebasiert testen und automatisiert auswerten. Anschließend werden reale Fahrversuche gezielt eingesetzt, um ausgewählte Randbedingungen zu prüfen und Modelle abzusichern.

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Digitale Werkzeuge ermöglichen ein konsequentes Frontloading im Entwicklungsprozess. Die Simulation auf Basis unserer CarMaker-Produktfamilie verschiebt Tests frühzeitig in die Softwarephase, macht komplexe und seltene Szenarien reproduzierbar und erlaubt eine starke Parallelisierung. Durchgängige Datenplattformen wie Virto stellen sicher, dass Anforderungen, Fahrzeugvarianten, Szenarien und Testergebnisse konsistent miteinander verknüpft sind. Dadurch steigt nicht nur die Entwicklungsgeschwindigkeit, sondern auch die Qualität der Entscheidungen, da diese auf einer belastbaren Datenbasis getroffen werden können. So lassen sich Designentscheidungen bereits in frühen Konzept- und Architekturphasen absichern.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Ein konkretes Beispiel hierfür ist die Entwicklung und Absicherung von Fahrerassistenzsystemen. Anstatt sicherheitskritische Situationen zufällig im realen Fahrversuch zu suchen, werden diese als Szenarien definiert und virtuell variiert. Virtuelle Sensoren, Fahrzeugmodelle und Steuergerätesoftware lassen sich softwarebasiert testen und automatisiert auswerten. Anschließend werden reale Fahrversuche gezielt eingesetzt, um ausgewählte Randbedingungen zu prüfen und Modelle abzusichern. Dadurch reduziert sich die Abhängigkeit von zufälligen Ereignissen im Feldversuch deutlich.

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Aus meiner Sicht werden in unserem Umfeld vor allem Software-in-the-Loop-Strategien, cloudbasierte Simulationen, virtuelle ECUs und digitale Zwillinge prägend sein. Hinzu kommt die stärkere Nutzung offener Standards, um Interoperabilität und Skalierbarkeit sicherzustellen. In Kombination mit CI-, CT- und CD-Pipelines entstehen hochautomatisierte Entwicklungs- und Testprozesse, die erstmals eine belastbare Absicherung komplexer Funktionen ermöglichen. Dabei ist weniger die einzelne Technologie entscheidend als deren Skalierbarkeit über Cloud-Infrastrukturen und automatisierte Testpipelines hinweg.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Das Auto der Zukunft ist kein statisches Produkt mehr, sondern eine kontinuierlich weiterentwickelte, softwaregetriebene Plattform. Robuste Architekturen, klar definierte Update- und Absicherungskonzepte sowie funktionale Sicherheit über den gesamten Lebenszyklus hinweg sind hier entscheidend. Dabei übernimmt die Simulation eine Schlüsselrolle, um den Entwicklungsaufwand wirksam zu reduzieren.

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