Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

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Guido Bairati, Vice President Sales bei Hottinger Brüel & Kjær (HBK) 

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Drei fundamentale Veränderungen setzen die Automobile Entwicklung heute verstärkt unter Druck: Erstens kürzere Entwicklungszyklen bei steigender Komplexität durch Elektrifizierung, ADAS und Software-Integration. Zweitens der Übergang vom sequenziellen zum parallelen Arbeiten – Sicherheit, NVH, Haltbarkeit und Softwarefunktionen müssen heute simultan entwickelt werden. Und schließlich: Die Entwicklung endet nicht mehr am Band. Bei Software-defined Vehicles werden Funktionen nach dem Launch kontinuierlich über OTA-Updates weiterentwickelt.

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Digitale Werkzeuge verschieben Validierung gezielt nach vorne: Simulation und modellbasiertes Design erkennen Probleme, bevor Hardware existiert. Durchgängige Datenplattformen verbinden virtuelle und physische Tests in Echtzeit – Erkenntnisse aus Simulationen optimieren physische Tests, reale Messdaten verfeinern den digitalen Zwilling. Darüber hinaus wertet KI große Datenmengen automatisiert aus und liefert fortlaufend Engineering-Intelligenz für schnellere Entscheidungen. Insgesamt sind bis zu 50 Prozent kürzere Entwicklungszeiten möglich und ein Endprodukt, das kontinuierlich – auch nach dem Serienstart – durch Felddaten verbessert wird.

Guido Bairati, Vice President Sales bei Hottinger Brüel & Kjær (HBK).(Bild:  Hottinger Brüel & Kjær (HBK))
Guido Bairati, Vice President Sales bei Hottinger Brüel & Kjær (HBK).
(Bild: Hottinger Brüel & Kjær (HBK))
Das Fahrzeug der Zukunft ist kein abgeschlossenes Produkt mehr – es ist ein lebender digitaler Zwilling: physisch und virtuell, kontinuierlich weiterentwickelt durch Realdaten.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel ist die Hardware-in-the-Loop (HiL)-Methodik: Physische Komponenten wie Dämpfer oder Lenksysteme interagieren auf dem Prüfstand mit einem hochpräzisen virtuellen Fahrzeugmodell. Die so erzeugten Daten fließen permanent in die Simulation zurück, während das virtuelle Modell den fahrdynamischen Kontext liefert, den die Hardware allein nicht abbilden kann. Das Ergebnis ist ein präzises, real-datenbasiertes Modell mit weit höherer Präzision und Aussagekraft, als es physisches Testen oder Simulation jemals allein erreichen könnten. Und das, bevor ein erster Prototyp existiert.

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Die nächsten Jahre werden vor allem durch softwaredefinierte Fahrzeuge geprägt, die sich per Over-the-Air-Updates kontinuierlich weiterentwickeln. Künstliche Intelligenz übernimmt zentrale Funktionen in Assistenzsystemen und Personalisierung, während autonomes Fahren schrittweise voranschreitet. Elektroautos werden durch bessere Batterien und sinkende Kosten massentauglicher. Parallel verändern sich die Entwicklungswerkzeuge: Cloudbasierte Plattformen, Simulationen, digitale Zwillinge und KI-gestützte Softwareentwicklung beschleunigen Prozesse erheblich. So wird das Auto vom klassischen Produkt zu einer vernetzten, datengetriebenen Plattform.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Das Fahrzeug der Zukunft ist kein abgeschlossenes Produkt mehr – es ist ein lebender digitaler Zwilling: physisch und virtuell, kontinuierlich weiterentwickelt durch Realdaten. Es wird sicherer, je mehr es fährt. Es entsteht in parallelen Engineering-Streams, weil die Entwicklungsinfrastruktur genau das ermöglicht. Und es hebt die Grenze zwischen virtueller und physischer Welt auf. Die Unternehmen, die smarte Prototypen, digitale Zwillinge und KI-gestützte Datenintelligenz konsequent integrieren, werden die Automobilindustrie der nächsten Dekade definieren.

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