Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

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Josef Overberg, Geschäftsführer Cadfem Germany GmbH

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Aus unserer Sicht liegen die größten Herausforderungen heute in der zunehmenden Komplexität der Fahrzeuge und der Notwendigkeit, Entwicklung, Absicherung und Homologation neu zu denken. Elektrifizierung, automatisierte Fahrfunktionen und software-definierte Architekturen führen dazu, dass klassische, stark hardware-getriebene Entwicklungsansätze an ihre Grenzen stoßen. Hinzu kommen steigende regulatorische Anforderungen, kürzere Innovationszyklen und kleinere Budgets. Wir beobachten zudem, dass viele Unternehmen mit gewachsenen heterogenen Tool- und Datenlandschaften kämpfen, die einen durchgängigen digitalen Entwicklungsprozess erschweren.

Josef Overberg, Geschäftsführer der Cadfem Germany GmbH.(Bild:  Cadfem)
Josef Overberg, Geschäftsführer der Cadfem Germany GmbH.
(Bild: Cadfem)
Virtuelle Homologation ermöglicht es, regulatorisch relevante Nachweise reproduzierbar, transparent und skalierbar zu erbringen und physische Tests gezielt zu ergänzen.

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Genau hier setzen wir bei Cadfem an, einschließlich unserer Partner-Unternehmen aus der Cadfem Group. Mit einem konsistenten, simulationsgetriebenen Entwicklungsansatz lassen sich physikalische Effekte und Systemverhalten sehr früh realitätsnah abbilden. Virtuelle Absicherung wird damit zu einem integralen Bestandteil der Entwicklung und nicht nur zu einem späten Prüfpunkt. Virtuelle Homologation ermöglicht es, regulatorisch relevante Nachweise reproduzierbar, transparent und skalierbar zu erbringen und physische Tests gezielt zu ergänzen. Das reduziert Entwicklungsrisiken und beschleunigt Entscheidungen erheblich.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel ist die Absicherung moderner Fahrerassistenzsysteme. Mithilfe von Ansys‑Simulationen lassen sich hochkomplexe Szenarien virtuell abbilden und systematisch auswerten. Unsere Start-ups aus der Cadfem Group unterstützen dabei: CogniBIT berücksichtigt menschliches Verhalten, während 3D Mapping und AVES Reality reale Umgebungen präzise in die virtuelle Welt übertragen bzw. Szenarien immersiv erlebbar machen.  Weil das die Kommunikation zwischen Engineering, Management und Behörden deutlich erleichtert, entsteht eine belastbare Grundlage für virtuelle Freigaben und Homologationen.

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Wir beobachten klar, dass virtuelle Entwicklung und Absicherung in den kommenden Jahren zum Standard werden. Simulation entwickelt sich vom reinen Validierungswerkzeug hin zu einem zentralen Entscheidungselement. Künstliche Intelligenz unterstützt zunehmend bei der Beherrschung von Variantenvielfalt und Testaufwänden, während digitale Zwillinge den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs begleiten. Diese Trends erfordern durchgängige Daten- und Entwicklungsplattformen, genau hier liegt eine unserer Kernkompetenzen.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Für uns ist das Auto der Zukunft vor allem eines, das zuerst digital entsteht. Es wird virtuell entwickelt, virtuell abgesichert und virtuell homologiert, bevor es in Serie geht. Es ist softwaregetrieben, nachhaltig optimiert und jederzeit weiterentwickelbar. Entscheidend ist dabei nicht nur das Fahrzeug selbst, sondern das digitale Ökosystem, in dem es entsteht.

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