Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

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Dr. Phillip Oberdorfer, Manager Technology Communication, Comsol Multiphysics GmbH

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Für uns als Softwareanbieter spiegeln sich die Herausforderungen vor allem in zwei Themenfeldern wider: Zum einen ist die Elektrifizierung technologisch noch längst nicht ausgereizt. Unternehmen müssen unterschiedliche Konzepte und Varianten unter hohem Zeit- und Innovationsdruck bewerten und weiterentwickeln. Zum anderen beobachten wir einen starken Bedarf an durchgängigen Entwicklungsprozessen. Viele Unternehmen suchen nach Softwareplattformen und Standards, die eine konsistente Entwicklung über das gesamte Fahrzeug und verschiedene Disziplinen hinweg ermöglichen.

Dr. Phillip Oberdorfer, Manager Technology Communication, Comsol Multiphysics GmbH.
Dr. Phillip Oberdorfer, Manager Technology Communication, Comsol Multiphysics GmbH.
(Bild: Comsol Multiphysics GmbH)
Ich fände es wünschenswert, wenn sich der Trend zu immer größeren und schwereren Fahrzeugen wieder umkehrt. Zwischen E-Bike und großem SUV gibt es aus meiner Sicht doch viel Raum für sinnvolle Lösungen

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Digitale Werkzeuge wie Simulation ermöglichen es, neue Konzepte frühzeitig zu verstehen und zu testen, weit bevor der erste physische Prototyp entsteht. Darüber hinaus findet man mithilfe mathematischer Optimierung nicht nur gute, sondern bestmögliche Designs und Konfigurationen unter Berücksichtigung aller Einschränkungen. In der Praxis wird Simulation zunehmend als Ergänzung zum Prototyping eingesetzt, das beschleunigt Entwicklungsprozesse erheblich.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Nehmen wir zum Beispiel die Entwicklung von Leistungselektronik für elektrische Antriebe, wie Inverter. Hier kommen elektromagnetische, thermische und mechanische Effekte zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen und die daher ganzheitlich berücksichtigt werden müssen. Bei Bosch wird Simulation genutzt, um diese Wechselwirkungen frühzeitig abzubilden, bereits in der Konzeptphase. In Kombination mit mathematischer Optimierung lassen sich dabei unterschiedliche Zielgrößen (Effizienz, Bauraum, thermische Belastung) gegeneinander abwägen und verbessern.

Multiphysik-Simulationsmodells eines Elektromotors.
Multiphysik-Simulationsmodells eines Elektromotors.
(Bild: Comsol Multiphysics GmbH)

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Der dominierende Trend bleibt die Elektrifizierung und diese Entwicklung wird sich sicher nicht mehr umkehren. In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, wie wettbewerbsfähig insbesondere europäische Hersteller im globalen Vergleich aufgestellt sind und welche technologischen Antworten sie auf die starke Konkurrenz aus Asien finden.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Für mich sollte das Auto der Zukunft vor allem wieder stärker auf seinen eigentlichen Zweck ausgerichtet sein: alltagstaugliche, effiziente und bezahlbare Mobilität. Ich fände es wünschenswert, wenn sich der Trend zu immer größeren und schwereren Fahrzeugen wieder umkehrt. Zwischen E-Bike und großem SUV gibt es aus meiner Sicht doch viel Raum für sinnvolle Lösungen, die Individualverkehr ermöglichen, wo er notwendig ist, etwa im ländlichen Raum, und gleichzeitig Ressourcen schonen.

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