Expertengipfel Automobilentwicklung

Mit digitalen Zwillingen und Virtualisierung den Shift-Left meistern

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Marc Serughetti, Vice President Product Management, Synopsys

Wo sehen Sie derzeit die größten Hürden und Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung?

Moderne Fahrzeuge sind keine Maschinen mehr – sie sind Softwareplattformen auf Rädern. Heutige softwaredefinierte Fahrzeuge (SDVs) enthalten über 600 Millionen Codezeilen, basieren auf Hunderten von Softwarelieferanten und erfordern extrem kurze Entwicklungszyklen. Gleichzeitig steigen die Kosten für physische Testfahrzeuge stark an: Große OEMs geben jährlich Hunderte Millionen für Testfahrzeuge aus, mehr als die Hälfte davon entfällt auf Software und Elektronik. Eine Produktionsverzögerung von sechs Monaten kann bis zu eine Milliarde Dollar kosten. Klassische Kennzahlen wie ‚Stunden pro Fahrzeug‘ bilden diese Realität längst nicht mehr ab.

Marc Serughetti, Vice President Product Management, Synopsys.
Marc Serughetti, Vice President Product Management, Synopsys.
(Bild: Synopsys)
Hardware wird zur Plattform. Software definiert das Erlebnis. Entwicklung, Validierung und Innovation laufen nicht mehr sequenziell, sondern parallel und virtuell über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg.

Wie können digitale Werkzeuge wie generatives Design, Simulation und durchgängige Datenplattformen dabei helfen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und das Endprodukt zu verbessern?

Die Antwort liegt in der Virtualisierung. Mit Electronics Digital Twins (eDTs) können Entwicklungsteams Software testen, validieren und verfeinern, lange bevor physische Hardware existiert. Ansätze wie die Synopsys eDT Platform ermöglichen es, rund 90 % der Softwarevalidierung bereits vor Verfügbarkeit der Hardware durchzuführen. Dadurch sinkt die Abhängigkeit von teuren physischen Testaufbauten, CI/CD-Workflows werden beschleunigt und OEMs sowie Zulieferer können in gemeinsamen, sicheren Cloud-Umgebungen zusammenarbeiten. Durch die Virtualisierung von Fahrzeugelektronik lassen sich Entwicklungskosten um 20 bis 60 Prozent reduzieren.

Könnten Sie uns bitte dafür ein Beispiel nennen?

Volvo Cars ist ein überzeugendes Beispiel. In Zusammenarbeit mit Synopsys nutzt das Unternehmen Electronics Digital Twins, um die Validierung in die frühesten Entwicklungsphasen zu verlagern. Durch virtualisierte ECUs kann das Team Tests durchführen und Probleme erkennen, bevor überhaupt Hardware existiert. Die Ergebnisse: geringere Entwicklungskosten, höhere Softwarequalität und schnellere Innovation über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg.

Welche technologischen Trends werden die Automobilindustrie in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Drei Entwicklungen stechen hervor: Erstens Physical AI – Intelligenz, die direkt in Fahrzeugelektronik eingebettet ist. Zweitens softwaredefinierte Fahrzeuge, die neue Möglichkeiten zur Verbesserung des Kundenerlebnisses schaffen, aber auch effizientere, kontinuierliche Verifikation und Validierung in der technischen Entwicklung erfordern. Drittens agentische KI im Engineering-Prozess selbst: Synopsys hat bereits einen agentenbasierten L4-Workflow für Chipdesign demonstriert, der Produktivitätssteigerungen von bis zu fünfmal ermöglicht. Zusammen erfordern diese Trends eine grundlegend neue Ingenieursphilosophie – von Silizium bis System.

Was macht für Sie das Auto der Zukunft aus?

Das Auto der Zukunft ist ein softwaredefiniertes, KI-getriebenes System – kontinuierlich aktualisiert und permanent lernend. Hardware wird zur Plattform. Software definiert das Erlebnis. Entwicklung, Validierung und Innovation laufen nicht mehr sequenziell, sondern parallel und virtuell über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss System, Software und Silizium als eine Einheit betrachten. Dafür braucht es offene, kollaborative Plattformen – genau solche, die die Industrie gerade erst zu entwickeln beginnt.

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